Hamburg

Senatorin: Supermärkte sollen Lebensmittel spenden müssen

Gesundheits- und Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (Archivbild)

Gesundheits- und Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (Archivbild)

Foto: Mark Sandten

Cornelia Prüfer-Storcks will Aldi, Lidl, Edeka & Co. dazu bringen, noch genießbare Lebensmittel an Hilfsorganisationen abzugeben.

Hamburgs Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sagt der Lebensmittelverschwendung den Kampf an. Die SPD-Politikerin kündigte am Mittwoch eine Hamburger Bundesratsinitiative an, die Supermärkte verpflichten soll, mit Hilfsorganisationen wie der Hamburger Tafel zusammen zu arbeiten und noch genießbare Lebensmittel zu spenden.

„Die Zeit der Freiwilligkeit ist vorbei“, betonte Prüfer-Storcks. „Es ist nun vielmehr Zeit für bestimmte Regeln.“ Der Senat werde in Kürze eine Bundesratsinitiative beschließen, erklärte die Senatorin bei einem Besuch bei der Hamburger Tafel. Damit soll der Bund aufgefordert werden, die Verpflichtung gesetzlich zu regeln. Die Initiative orientiert sich an Nachbarländern wie Frankreich, Belgien, Italien oder Tschechien, die als europäische Vorreiter im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung gelten.

Erst 180 Supermärkte in Hamburg kooperieren mit der Tafel

In Frankreich verpflichtet sich beispielsweise jeder Supermarkt mit Hilfsorganisationen, die dem Prinzip der Tafel entsprechen, zusammen zu arbeiten. Momentan kooperieren erst 180 Supermärkte in Hamburg mit der ortsansässigen Tafel. Findet Prüfer-Storcks Initiative eine Mehrheit, müssten Hamburger Supermärkte bei Verstößen mit Sanktionen rechnen.

Deutschland habe sich im Rahmen der UN verpflichtet, die Lebensmittelverschwendung auf Einzelhandels- und Verbraucherebene bis 2030 zu halbieren, begründete Prüfer-Storcks ihren Vorstoß. Die Verluste durch den Groß- und Einzelhandel könnten zu einem Anteil von bis zu 2,4 Millionen Tonnen verhindert werden. Die hohen Zahlen beruhen größtenteils auf Marketingentscheidungen, die sich an Optik und Textur sowie Konsumentenerwartungen orientieren. Das führt dann zu einem Ausschluss der Ware, die vor allem Frischwaren betreffen. Zweitrangig sind den Händelern hierbei die gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher.

"Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum nicht identisch"

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) setze auf Freiwilligkeit, kritisierte Prüfer-Storcks und fügte hinzu: „Ich bin der Meinung, dieses Prinzip funktioniert nicht.“ Die Verbraucherschutzsenatorin kritisierte zudem, dass viele Lebensmittel in Privathaushalten weggeworfen würden, sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum auf den Verpackungen überschritten ist. Man wolle sich auf Europa-Ebene für die Abschaffung oder Einschränkung des Haltbarkeitsdatums einsetzen, so die SPD-Politikerin. „Das Mindesthaltbarkeitsdatum und das Verbrauchsdatum sind nicht identisch“, erklärte Prüfer-Storcks. „Wir müssen die Sinnhaftigkeit des Datums überdenken.“

Hamburg setzt sich zwar schon seit 2015 für die Aufklärung von Bürgern, insbesondere Schülern ein und bietet verschiedene Kurse zum Kochen mit vom Groß- und Einzelhandel entsorgten Lebensmitteln an, wird nun jedoch noch konsequenter gegen die Lebensmittelverschwendung vorgehen. Bis 2030 soll deutschlandweit die Lebensmittelverschwendung pro Kopf halbiert werden.