Hamburg

Zirkus 4.0: Roncalli setzt auf Roboter und virtuelle Tiere

Keine Angst vor großen Tieren: Elefanten treten im Cirkus Roncall nur als Hologramme durch die Manege.

Keine Angst vor großen Tieren: Elefanten treten im Cirkus Roncall nur als Hologramme durch die Manege.

Foto: Andreas Laible

Programm „Storytelling: Gestern, Heute, Morgen“ verzauberte 1500 Premieren-Gäste in Hamburg. Publikumsliebling war aber ein Mensch.

Hamburg. "Das Programm ist voller Überraschungen und emotionaler Höhepunkte. Es ist meine Zirkus-Vision für die kommende Tournee", hatte Roncalli-Mitbegründer Bernhard Paul versprochen. Und er hielt Wort: Roncalli präsentierte mit dem Programm „Storytelling: Gestern, Heute, Morgen“ eine rasante Zeitgeschichte des Zirkus. Hologramme, ein Industrieroboter als Artistikstar und selbstgebaute Maschinen standen dabei für die Zukunft. Auf der Moorweide hat ein Zirkus 4.0 fest gemacht.

Das bleibt ein Balanceakt. Paul wollte die romantische Welt des Zirkus mit den Anforderungen der heutigen Zeit verbinden. Herausgekommen ist ein Drahtseilakt zwischen Nostalgie und Moderne. Der Beginn scheint etwas bemüht -- der Zirkus, der von seinen Ideen und Fantasien, den Kostümen und der Livemusik, den Farben und den Bewegungen lebt, eröffnet mit einer Hologramm-Präsentation, die Beamer auf eine Leinwand bringen.

Tiere aus dem Programm gestrichen

Tiere gehören nicht mehr zum Programm: Mitte der 90er-Jahre hatte Direktor Paul die Nummern mit Wildtieren gestrichen, seit dem Vorjahr treten auch keine Pferde und Ponys mehr auf. Deshalb sind die Elefanten jetzt virtuell.

Die Gäste klatschten begeistert, als sie von Verzicht auf Tiere hörten. Andere fanden die Hologramme und Stofftiere eher albern. Die Zeiten ändern sich. So kann man Zirkus neu erfinden, schwärmen Premierenbesucher. Aber muss man eigentlich alles neu erfinden?

Tanz mit dem Roboter

Am stärksten bleiben die Klassiker - und das sind gewagte Luftnummern, die Vorführungen am Trapez, die schon beim Zuschauen schwindelig machen, todesmutige Bewegungen, magische Momente. Auch Bernhards Pauls Tochter Vivi begeistert mit einer Luftdarbietung. Der absolute Höhepunkt wird der Auftritt von UliK Robotik - eine Inszenierung aus Mensch und Maschine. Dabei wird der Unterarm eines Roboters aus der Automobilindustrie zum Partner, zum Untermann eines tollkühnen Artisten. Bis zu neun Meter hebt er den Künstler in die Luft. Es ist ein Spiel mit der Technik, ein Rollentausch, ein Tanz mit dem Roboter, dann ein Zweikampf, es ist der Besuch aus der Zukunft.

Zum Publikumsliebling wird binnen Minuten der unglaublich vielseitige Chistirrin aus Mexiko. Bernhard Paul’s Neuentdeckung verkörpert als Clown eine Mischung aus Till Eulenspiegel und Max und Moritz, der 28-Jährige ist Musiker, Gaukler, Tausendsassa. Der Humor kommt ohnehin nicht zu kurz bei Roncalli -- immer wieder übernehmen die anarchischen Clowns. Ein weiterer Höhepunkt ist der Auftritt von Dietmar aus Buxtehude, der aus dem Publikum rekrutiert wird. Ist er Gast oder Künstler - so perfekt spielt er seien Rolle, dass die 1500 Zuschauer lange benötigen, um die Antwort zu finden.

Rauschender Applaus im vollbesetzten Zirkuszelt

Poesie und Artistik, Livemusik und Spaß wechseln einander ab. Mit Pause dauert das Premierenprogramm fast drei Stunden, langweilig wird es trotz kleinerer Längen nie. Am Ende gibt es rauschenden Applaus, glückliche Gesichter und Standing Ovations. Und bei manchem auch die Erleichterung, endlich die beengten Plätzen verlassen zu dürfen. "Das ist ja voll wie Heiligabend in der Kirche", sagt ein Besucher - mehrfach müssen die Gäste zusammenrücken, bevor die Show beginnen kann. Auch ein Zirkus 4.0 bietet Sitzkomfort wie in der guten alten Zeit.

Roncalli gastiert bis zum Sonntag, den 14. Juli auf der Moorweide. Karten erhalten Sie zum Preis von 16,80 bis 73,60 Euro in der Hamburger Abendblatt-Geschäftsstelle (Großer Burstah 18–32), in allen Abendblatt-Ticketshops und über die Abendblatt-Tickethotline 040/30 30 98 98.