Hamburg-Nord

Tempo-30-Streit: Schüler sollen Grotes Tisch überfluten

| Lesedauer: 4 Minuten
Sophie Laufer
Tempo 30: Für ein solches Verkehrsschild kämpfen Eltern in Alsterdorf.

Tempo 30: Für ein solches Verkehrsschild kämpfen Eltern in Alsterdorf.

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Eltern halten die Verkehrssituation rund um die Grundschule Alsterdorfer Straße für ungerecht. Die Polizei hält dagegen.

Die Eltern der Grundschule Alsterdorfer Straße kämpfen weiter für eine Tempo-30-Zone vor ihrem Schulgebäude. Vor Kurzem haben sie einen offenen Brief an Innensenator Andy Grote und die Senatskanzlei von Bürgermeister Peter Tschentscher versandt. Und zumindest dessen Büro hat nun bereits reagiert. „Vielen Dank für Ihr Schreiben vom 6. Mai 2019 an Herrn Senator Grote, das Sie gleichzeitig auch dem Büro des Ersten Bürgermeisters zugeleitet haben“, heißt es in dem Antwortbrief. „Wir haben das Senatorenbüro der fachlich zuständigen Behörde für Inneres und Sport zunächst um eine Stellungnahme gebeten. Sobald uns diese vorliegt, werden wir uns wieder bei Ihnen melden. Bis dahin bitten wir um ein wenig Geduld.“

3600 Unterschriften gesammelt

Judith Elmendorf, die die Initiative mit ins Leben gerufen hat und deren Tochter in die zweite Klasse der Grundschule geht, freut diese erste Reaktion. „Das zeigt doch, dass wir zumindest etwas angestoßen haben“, sagt sie. Wenn das auch natürlich noch lange nicht reiche. Sie hat zusammen mit den anderen Eltern auch den Brief verfasst und versandt.

Dort heißt es unter anderem: „Im Namen von über 3600 Hamburgerinnen und Hamburgern bitten wir Sie, 600 Kinder in der Alsterdorfer Straße zu schützen – und damit gleichzeitig eine schon lange bestehende Ungerechtigkeit aufzuheben. Es geht um die Verlängerung einer bereits bestehenden Tempo 30-Strecke um insgesamt 300 Meter. Seit zehn Jahren verweigert Ihre Behörde den Schulkindern der öffentlichen Grundschule Alsterdorfer Straße 39 die Sicherheit durch Tempo 30 – der benachbarten Katholischen Grundschule St. Antonius, nur 300 Meter entfernt, hat Ihre Behörde diesen Schutz jedoch bewilligt.“

Sämtliche Parteien in Hamburg-Nord würden das Anliegen der Eltern unterstützen. „Vor drei Wochen haben sie in der Bezirksversammlung einen gemeinsamen Antrag gestellt, nachdem Grundschüler in einer großen Aktion 3638 Unterschriften übergeben hatten, die sie in nur zwei Wochen gesammelt hatten. Über die Genehmigung dieses Antrages entscheidet jedoch Ihre Behörde.“

Kinder sollen Bilder an Grote schicken

Parallel dazu arbeiten Elmendorf und die Eltern und Kinder der Schule an einer weiteren Aktion. Möglichst alle Kinder der Schule sollen in diesen Tagen einen Brief an Senator Grote schreiben. „Bereits dutzende Kinder haben Bilder gemalt und Briefe geschrieben, um ihn daran zu erinnern, wie wichtig ihnen Tempo 30 vor ihrer Grundschule ist.“ Ziel sei es, „seinen Schreibtisch mit selbstgemalten Bildern zu überfluten“, so die Mutter. Die nächsten Tage und Wochen sollen für den Senator bunt werden. Die Bilder sollen Stück für Stück dort eintrudeln. „Wir hoffen, dass das dazu führt, dass der Senator das ganze Thema noch einmal überdenkt und vielleicht sogar die ungerechte Situation endlich aufhebt.“

Polizei sieht Sicherheit gewährleistet

Die Polizei, die für die Tempo 30 Zonen zuständig ist, hat zu dem Thema allerdings nach wie vor eine andere Meinung. „Es gibt von der Alsterdorfer Straße aus keinen direkten Zugang zur Schule. Der Zugang zum großräumigen Schulhof befindet sich weit abgesetzt von der Alsterdorfer Straße am Ende einer Feuerwehrzufahrt“, sagt Polizeisprecher Rene Schönhardt. Zur Sicherheit der Jungen und Mädchen gebe es bereits eine Fußgängerampel und einen Zebrastreifen an dem Abschnitt. „Damit wird gewährleistet, dass die Schüler verkehrssicher und geschützt die Schule erreichen können.“

Elmendorf ärgert die Reaktion: „Da die Polizei unsere Kinder nicht schützen will, wenden wir uns nun an Innensenator Grote. Es kann nicht sein, dass die Polizeibehörde vor Schulen die Autofahrer schützt statt der Kinder. Hier muss er eine neue Richtung vorgeben“, sagt sie. Um die gefährliche Situation der Schüler einmal zu verdeutlichen haben die Eltern Grote in ihrem Brief zudem zu einer Besichtigung vor Ort eingeladen. „Bitte kommen Sie zur Grundschule Alsterdorfer Straße und machen Sie sich ein Bild!“ endet der Brief der Eltern. Und Elmendorf ergänzt: „Die Polizei behauptet, dass unsere Kinder keinen Schutz benötigen, weil das Schulgelände nicht an der Straße liege. Das stimmt aber nicht. 3600 Winterhuder sehen, was die Polizei nicht sieht: Der Eingang zur Schule liegt direkt an der Alsterdorfer Straße. Davon soll sich bitte unser Innensenator persönlich überzeugen.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg