Hamburg

Viel mehr Unfälle mit Kindern und Radfahrern

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Jens Meyer-Wellmann
Schwerer Unfall mit einem Fahrradfahrer und einem Lkw in Hamburg.

Schwerer Unfall mit einem Fahrradfahrer und einem Lkw in Hamburg.

Foto: Michael Arning / HA

Fünf Fußgänger getötet. Polizei verstärkt Maßnahmen. Gesamtzahl der Unfälle sinkt im ersten Quartal 2019.

Hamburg. Im ersten Quartal 2019 hat es in Hamburg deutlich mehr Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Kindern und Radfahrern gegeben als im Vorjahreszeitraum. Das zeigen die aktuellen Unfallzahlen der Polizei, die dem Abendblatt vorliegen. Demnach zählten die Ordnungshüter zwischen Jahresbeginn und 31. März 2019 insgesamt 100 Unfälle, in die Kinder verwickelt waren. Das ist ein Anstieg von 35,1 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2018, in dem es 74 Unfälle mit Kindern gab.

Die Zahl der verunglückten Kindern stieg von 118 auf 120 – bei manchen Unfällen wurden also mehrere Kinder verletzt. Glücklicherweise kam weder im ersten Quartal 2018 noch im selben Zeitraum 2019 ein Kind bei einem Verkehrsunfall zu Tode.

Ebenfalls stark gewachsen ist die Zahl der registrierten Unfälle mit Radfahrern, und zwar von 432 im erste Quartal 2018 auf 552 im selben Zeitraum dieses Jahres. Das entspricht einer Zunahme von 27,8 Prozent. Die Zahl der verletzten Radfahrer stieg dabei von 295 auf 371. In beiden Zeiträumen wurde jeweils ein Radfahrer getötet.

Zahl der Motorradunfälle steigt

Zugenommen haben auch die Unfälle mit Motorrädern: von 60 im ersten Quartal 2018 auf 79 in den ersten drei Monaten 2019. Besonders stark gewachsen ist die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen Beteiligte zwar nicht alkoholisiert waren, aber unter anderen berauschenden Drogen standen. Insgesamt 57 solcher Fälle registrierte die Polizei zwischen 1. Januar und 31. März 2019. Im Vorjahreszeitraum waren es 37. Der Anstieg von 54,1 Prozent sei vor allem auf den Konsum von THC-haltigen Drogen (Marihuana und Haschisch) zurückzuführen, danach folgten laut Polizei mit großem Abstand Kokain, Amphetamine und Opiate.

Auffällig an den neuen Zahlen ist auch, dass schon in den ersten Wochen dieses Jahres fünf Fußgänger beim offenbar unachtsamen Überqueren von Straßen von Fahrzeugen erfasst und getötet wurden. Der Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei, Ulf Schröder, bat die Fußgänger schon im Februar in einem Abendblatt-Interview um mehr Achtsamkeit gebeten. Offenbar spielt bei solchen Unfällen auch eine Rolle, dass immer mehr Fußgänger Kopfhörer tragen. Insgesamt stieg die Zahl der Unfälle mit Fußgängern von 338 auf 353.

Weniger Unfälle mit Senioren

Erfreulich ist dagegen der leichte Rückgang bei der Gesamtzahl der Unfälle im ersten Quartal 2019. Diese sank gegenüber den ersten drei Monaten in 2018 von 15.803 auf jetzt 15.394. Die Zahl aller verunglückten Personen sank laut den neuen Zahlen der Polizei ebenfalls: von 1862 auf 1836. In beiden Vergleichszeiträumen wurden insgesamt acht Menschen im Hamburger Verkehr getötet. Rückläufig war die Zahl der Unfälle mit jungen Erwachsenen (-0,8 Prozent) und Senioren (-5,2 Prozent). Zudem hab es deutlich weniger Unfälle im Zusammenhang mit Alkohol: Ihre Zahl sank von 194 auf 164 (-15,5 Prozent).

Bei den von der Polizei registrierten Hauptursachen ging die Bedeutung der überhöhten Geschwindigkeit zurück: Wurde sie im ersten Quartal 2018 noch in 1053 Fällen als wichtigste Unfallursache identifiziert, so geschah dies im selben Zeitraum 2019 nur noch in 800 Fällen. Zugenommen haben der zu geringe Abstand als Unfallursache (Anstieg von 1114 auf 1239 Fälle) und die „Rotlichtmissachtung“ (140 auf 164 Fälle).

Mehr Tempo 30 vor Schulen

„Die Gesamtanzahl der Verkehrsunfälle im ersten Quartal ist im Fünfjahresvergleich auf einem sehr niedrigen Niveau“, betonte Polizeisprecher Timo Zill. „Die Anzahl der im Straßenverkehr verunglückten Kinder ist in diesem ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr allerdings auffällig angestiegen. Diese Tendenz beobachten und analysieren wir sehr genau, und wir reagieren hier sehr schnell und sehr gezielt mit polizeilichen Maßnahmen. Der Schutz unserer jüngsten Verkehrsteilnehmer hat in der Verkehrssicherheitsarbeit höchste Priorität.“

So soll es neben den laufenden Aktivitäten (vorschulische und schulische Verkehrserziehung, Verkehrsfuchs) auch 2019 einen Plakatwettbewerb und einen Liederwettbewerb zum Thema geben.

Zudem soll es neue Tempo-30-Abschnitte vor Schulen geben, um die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen auf dem Schulweg zu erhöhen. Die Polizei geht offenbar davon aus, dass zwei Faktoren beim Anstieg der Kinderunfälle eine Rolle gespielt haben dürften: das relativ milde Wetter im ersten Quartal 2019 und die insgesamt stetig wachsende Zahl von Kindern in der Stadt.

Neues Konzept gegen Fahrer unter Drogeneinfluss

Erfreulich sei für die Polizei, „dass immer mehr Radfahrer Fahrradhelme tragen“, so Zill: „Das zeigt, dass unsere Präventionsmaßnahmen greifen und die Radfahrer somit einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Unfallgefahren leisten.“

Bei den Verkehrsunfällen mit Fußgängern habe die Polizei festgestellt, „dass oftmals das unachtsame Betreten der Fahrbahn durch die Fußgänger – häufig auch bei schlechten Lichtverhältnissen – selbst erst zu diesen Unfällen geführt hat“. Hier appelliere die Polizei „auch insbesondere an die Verantwortung der Fußgänger, Verkehrsregeln einzuhalten und vor allem auch in der Dunkelheit sichtbare, reflektierende Kleidung zu tragen“.

Weil Drogen im Straßenverkehr deutlich an Relevanz gewonnen hätten, reagiere die Hamburger Polizei seit 2016 „als bundesweiter Vorreiter mit dem Konzept der ‘standardisierten Fahrtüchtigkeitstests’“, sagte Zill. „Dazu werden mehr als 100 speziell geschulte und zertifizierte Beamte hamburgweit eingesetzt, um unter dem Einfluss von Drogen oder Medikamenten stehende Kraftfahrzeugführer zu erkennen.“

Insgesamt könne eine quartalsweise Betrachtung der Verkehrsunfallzahlen „zunächst einmal nur ein Anhalt sein“, sagte der Polizeisprecher dem Abendblatt. „Um tatsächliche Entwicklungen und wirkliche Veränderungen abbilden zu können, sind Gesamtjahreszahlen erforderlich, da sich Tendenzen im Verlaufe eines Betrachtungsjahres häufig verändern. Trotzdem analysieren wir erkannte Tendenzen und reagieren auch kurzfristig mit entsprechenden Maßnahmen.“

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