Hamburg

Epileptiker-Streit: Schulbehörde lenkt ein

Ärzte fordern: Epileptiker sollen mitschwimmen dürfen.

Ärzte fordern: Epileptiker sollen mitschwimmen dürfen.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Vorgaben zum Schwimmunterricht werden nach der Kritik von Kinderärzten kurzfristig überprüft. Neue Regelung bis Ende des Schuljahres.

Hamburg.  Die Schulbehörde will die Regelungen zum Schwimmunterricht für Kinder mit Epilepsie überprüfen. Das geht aus einem Schreiben an Dr. Stefan Renz, den Vorsitzenden des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Hamburg, hervor.

Wörtlich heißt es in dem Antwortschreiben auf einen offenen Brief von Renz und seinem Kollegen Dr. Burkhard Püst vom Arbeitskreis Hamburger Neuropädiater: „Rund um das Thema Epilepsie bei Schülerinnen und Schülern haben sich in den letzten Monaten einzelne Schulen an die Behörde für Schule und Berufsbildung gewandt. Die Behörde hat in diesem Zusammenhang zunächst auf die seit Jahren bestehenden Verordnungen zu diesem Thema verwiesen. In diesen Verordnungen ist geregelt, dass Kinder mit Epilepsie nur unter bestimmten Bedingungen uneingeschränkt am Schwimmen teilnehmen können.“

Ärzte sehen Ausstellung eines Attests problematisch

Ein Fakt, der Renz bis heute empört. „Wir haben jahrelang eine ganz vernünftige Lösung für diese Fälle gehabt“, sagt er. Und plötzlich sei Anfang des Jahres alles umgeschmissen worden und die Kinder brauchten eine Bescheinigung vom Arzt. Eine Unbedenklichkeitserklärung, die er nur schwer ausfüllen könne, so Renz. „Stellen wir so eine Bescheinigung nicht aus, leiden die Kinder. Sie dürfen plötzlich nicht mehr mitschwimmen und müssen sich vor den anderen sogar noch erklären.“ Für ihn und seine Kollegen sei es riskant, solch ein Attest herauszugeben. „Man kann bei dieser Krankheit ja nie mit absoluter Sicherheit sagen, dass ein Mensch anfallsfrei bleibt.“

Ähnlich sieht das Püst, der Chefarzt der Neuropädiatrie im Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift ist. „Das scheint eine Entscheidung zur juristischen Absicherung zu sein, mehr nicht. Die betroffenen Kinder leiden schon genug, werden neuerdings von Aktivitäten und Klassenfahrten, sogar vereinzelt aus der Kita ausgeschlossen.“ Auch die Eltern der betroffenen Kinder waren besorgt. Und die Schulleiter der vier Förderschulen (Kurt-Juster-Schule, Tegelweg, Hirtenweg, Elfenwiese) hatten sich ebenfalls mit einem gemeinsamen Schreiben an die Behörde gewandt.

Schulbehörde hat mit den Kinderärzten noch nicht gesprochen

Dieses Problem scheint die Behörde nun zumindest erkannt zu haben. Denn in dem Schreiben heißt es weiter: „Die öffentlichen Reaktionen haben uns gezeigt, dass sich inzwischen eine bessere Praxis in Hamburg etabliert hat. Wir sind deshalb mit vielen Fachleuten im Gespräch, um die alte Regelung anzupassen, mit dem Ziel, künftig Schülerinnen und Schülern mit Epilepsie die Teilnahme am Sportunterricht so gut es geht möglich zu machen. Die Beratungen dauern noch an, denn das Thema ist kompliziert. Wir gehen aber davon aus, dass bis zum Ende des Schuljahres eine bessere Regelung möglich ist.“

Die Mediziner Renz und Püst hoffen nun, dass sich schnell an der aktuellen Regelung etwas ändert. „Ich frage mich, mit welchen Fachleuten derzeit gesprochen wird?“, sagt der Neurologe Püst. Mit ihm oder seinen Kollegen habe bisher keiner Kontakt aufgenommen, so auch die Rückmeldung aus der Ärzteschar. „Aber das ist egal. Ich hoffe nur, wir finden endlich Lösungen für die betroffenen Kinder, mit denen alle leben können.“

Und Renz ergänzt: „Wir erwarten eine baldige konkrete Umsetzung bei der Überarbeitung dieser neuen Regelung. Gern würden er und die Kollegen dabei auch ihre Hilfe anbieten. Schließlich würden alle das Gleiche wollen. „Dass die Kinder ohne große Gefahren wieder schwimmen gehen können.“