Auszeichnungen

Jung-Stiftung zeichnet vier medizinische Spitzenforscher aus

Jung-Preisträgerin Brenda Schulman stammt aus den USA und arbeitet als  Biochemikerin in Martinsried.

Jung-Preisträgerin Brenda Schulman stammt aus den USA und arbeitet als Biochemikerin in Martinsried.

Foto: Peter Barta, BMC St. Jude

Darmerkrankungen, Neurowissenschaften und Zellforschung 0 540.000 Euro Preisgeld werden für hervorragende Forschung vergeben.

Hamburg.  Die Hamburger Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung hat am Donnerstag vier medizinische Spitzenforscher für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Die Auszeichnungen sind mit insgesamt 540.000 Eu ro dotiert und zählen zu den höchstdotierten Auszeichnungen Europas.

Den mit 300.000 Euro dotierten Ernst Jung-Preis für Medizin teilen sich in diesem Jahr die 51 Jahre alte Biochemikerin Prof. Brenda A. Schulman vom Max-Planck-Institut in Martinsried und der 54 Jahre alte Neurobiologe Prof. Gary R. Lewin vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin. Die aus den USA stammende Wissenschaftlerin Schulman konzentriert sich in ihrer Arbeit auf das Molekül Ubiquitin. Diese winzigen Steuerelemente kontrollieren genau, was in der Zelle vor sich geht, vergleichbar mit einem Stopp-Zeichen im Verkehr. Ist diese Regulation gestört, können Krankheiten wie Krebs, Bluthochdruck und Nervenleiden die Folge sein. „Ich habe das Gefühl, dass ich mehr als 20 Jahre lang auf Schatzsuche war und jetzt endlich zum ersten Mal die Schatztruhe aus der Ferne erkennen kann“, schwärmt die Forscherin, die bereits in ihrem dritten Highschool-Jahr ihre Leidenschaft für Chemie und Biologie entdeckte.

Prof. Lewin, der auf der englischen Insel Man geboren ist, erforscht mit seiner Arbeitsgruppe, wie mechanische und thermische Reize über Sinneszellen in der Haut aufgenommen und in elektrische Signale umgesetzt werden. Für ihre Forschung untersuchen die Forscher Nacktmulle. Das sind Nagetiere , die über einen besonders starken Tastsinn verfügen , denen aber gewisse Arten der Schmerzwahrnehmung fehlen. Wenn die Forscher mehr über die Ursachen und Mechanismen dieser Eigenheiten herausfinden, könnten die Erkenntnisse vielleicht helfen, neue Mittel gegen Schmerz zu entwickeln.

„Meine Begeisterung für die Forschung entstand während meiner Doktorarbeit, als ich die Erfahrung machte, Vorgänge zu messen, die zuvor noch nie jemand gemessen hatte“, schildert Lewin.

Das Innenleben der Nervenzellen erforschen

Der Ernst Jung-Karriere-Förderpreis geht an den Magen-Darm-Spezialisten Dr. Sebastian Zundler vom Universitätsklinikum Erlangen. In seiner Arbeit konzentriert sich der 30-Jährige auf die Erforschung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, von denen allein in Deutschland 400.000 Menschen betroffen sind. Die Erkrankungen verlaufen in Schüben: Immer wieder greift das Immunsystem der Patienten das eigenen Darmgebe an und verursacht so die schweren Entzündungen.

Der aus Stuttgart stammende Zundler untersucht mit seinen Kollegen, durch welche Mechanismen diese Schübe ausgelöst werden und ist dabei auf bestimmte Immunzellen gestoßen, die dafür eine wichtige Rolle spielen. Mit dem Preisgeld von 210.000 Euro unterstützt die Jung-Stiftung das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren.

Mit der Ernst Jung-Medaille für sein Lebenswerk wird der Neurowissenschaftler Prof Pietro de Camilli von der US-amerikanischen Yale-Universität ausgezeichnet. Der aus Italien stammende 71-jährige hat das Innenleben der Nervenzellen erforscht, insbesondere die Bestandteile der Zellen, in denen Nervenbotenstoffe gelagert und abgegeben werden.

Mit der Auszeichnung verbunden ist ein Stipendium in Höhe von 30.000 Euro, dass der Preisträger an einen Nachwuchswissenschaftler seiner Wahl vergeben kann.