Hamburg

Feuer im Schanzenviertel: "Ich hatte Todesangst"

"Hochdramatische Szenen" bei Feuer in der Schanze

Hamburgs Feuerwehrsprecher Torsten Wessely spricht über den Großeinsatz in der Schanzenstraße.

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Alexander Wenckstern schildert, wie er den Brand in dem Haus an der Schanzenstraße erlebt hat. Auch er flüchtete auf ein Dach.

Hamburg. Feueralarm im Schanzenviertel: Am Freitagmorgen gegen kurz vor 10 Uhr ist in einem Wohn- und Bürohaus an der Schanzenstraße nahe des S-Bahnhofs Sternschanze ein Feuer ausgebrochen, das für einen Großeinsatz sorgte. 18 Menschen wurden verletzt. "Am Anfang war die Situation höchst dramatisch – eine Person wurde vermisst, eine sprang aus dem Fenster, andere flüchteten sich auf ein Dach", sagte Feuerwehrsprecher Torsten Wesselly.

Der Brand war in einem Büro im Erdgeschoss ausgebrochen und hatte den Bewohnern der oberen Geschosse die Fluchtwege abgeschnitten. Sie flohen vor den Flammen und dem Rauch, der durch das Treppenhaus zog, auf Balkone und benachbarte Dächer. Eine Frau sprang aus einem Fenster im ersten Stock des sechsgeschossigen Gebäudes in die Tiefe. "Sie erlitt Beinverletzungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht", sagte Feuerwehrsprecher Wesselly.

Zunächst wurde eine Person vermisst

Die anderen Bewohner konnten mit tragbaren Leitern und Drehleitern von den Dächern und Balkonen gerettet werden. Aufgrund der enormen Wärmeentwicklung fing auch die Fassade Feuer. Nach Angaben der Feuerwehr wurden neben der Frau 17 weitere Personen verletzt, eine davon musste ebenfalls in eine Klinik. Die anderen Verletzten wurden vor Ort behandelt – sie hatten giftiges Rauchgas inhaliert.

Erste Befürchtungen, wonach ein Bewohner vermisst wurde, bestätigten sich zum Glück nicht. "Eine Person hatte den Notruf gewählt und berichtet, dass sie eingeschlossen sei und sich nicht retten könne", sagte Feuerwehrsprecher Wesselly. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass sich die Person doch selbstständig hatte ins Freie bewegen können.

Feuerwehr rettet auch Haustiere

Drei Haustiere waren hingegen auf die Feuerwehr angewiesen: Die Einsatzkräfte retteten zwei Katzen und einen Hund aus dem verrauchten Gebäude. Der Rauch war auch zu den benachbarten Bahnschienen gezogen, der S-Bahn-Verkehr auf der Brücke musste aber nicht eingestellt werden. Die Brandbekämpfung sei im wesentlichen abgeschlossen, sagte ein Feuerwehrsprecher am Vormittag. Für den Einsatz musste die Schanzenstraße gesperrt werden. Insgesamt waren 70 Einsatzkräfte vor Ort.

Büromitarbeiter: „Ich hatte Todesangst“

Alexander Wenckstern war am Morgen im Büro von Otto‘s Burger, als das Feuer ausbrach. „Ich saß am Laptop“, sagte er am Freitagmittag. Plötzlich habe er gehört, wie die Bauarbeiter in den untern Räumen „Feuer, Feuer“ gerufen hätten. Dann sei auch schon Rauch in den Raum gezogen.

Wenckstein wählte den Feuerwehr-Notruf 112. Dann griff er seinen Laptop. „Ich habe kurz überlegt, was ich noch mitnehmen kann, aber da war der Raum schon so voller Rauch, dass ich kaum noch was sehen konnte.“ Durch ein Fenster gelang ihm die Flucht auf das Dach eines Gebäudeflügels im Innenhof. „Ich hatte Todesangst“, sagt er. „Unter mir brannte es und ich hörte die Sirenen. Aber ich wusste nicht, ob die Feuerwehr schon angefangen hatte, zu löschen.“

Von dort aus sah er, wie eine Frau aus dem Fenster sprang, um dem Feuer zu entkommen und sich dabei schwer verletzte. „Es war schlimm“, sagt er. Wie lange er auf dem Dach ausharren musste, kann er nicht genau sagen. „ Etwa eine halbe Stunde, aber es kam mir viel länger vor.“ Der Rauch wurde immer mehr. Schließlich gelang es den Feuerwehrleuten, ihn über eine Leiter über ein benachbartes Schulgebäude in Sicherheit zu bringen. Er sei dann sofort von Sanitätern betreut worden und zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht worden. „Ich bin froh, dass ich da ohne Verletzungen rausgekommen bin“, sagt der 30-Jährige Hamburger, der vor kurzem Vater geworden ist. Das Büro von Otto’s Burger ist vollständig zerstört.