Bürokratie

Harmloser Arzt gerät durch Zufall unter Terrorverdacht

Mohamed El Sayed mit seiner Frau Michelle El Sayed.

Mohamed El Sayed mit seiner Frau Michelle El Sayed.

Foto: NDR/extra 3

Familienvater Mohamad El-Sayed wollte ein Haus kaufen – aber weil er einen "verdächtigen" Namen hat, durfte er nicht.

Hamburg. Eigentlich gebe es gar nicht viel über ihn zu sagen, sagt Mohamed El-Sayed. „Ich bin in Hamburg geboren, habe Wehrdienst geleistet, eine deutsche Frau, zwei deutsche Kinder, und führe ein durchschnittlich langweiliges deutsches Leben“, sagt der Arzt aus Heide in Schleswig-Holstein in breiter Stimmlage und lacht. Und eigentlich fehlte da nur noch ein nettes Haus in der großen Stadt Hamburg. „Aber vielleicht war es ja naiv zu glauben, ich könnte einfach ein Grundstück kaufen“, sagt er.

Über rund sechs Wochen behandelten ihn die Behörden, als wäre Mohamed El-Sayed ein Terrorist. Nur wegen seines Namens. Das Grundbuchamt verweigerte seine Genehmigung, El-Sayed musste versuchen, zu beweisen, dass er nur ein normaler Bürger ist. Er hat eine Odyssee hinter sich, über die Polizei bis hin zum Bundesnachrichtendienst. Der Fall ist skurril genug, dass sich die Satiresendung „Extra 3“ seiner annahm. Und er zeigt, was passieren kann, wenn EU-Richtlinien und die Gründlichkeit von Rechtspflegern in Hamburger Ämtern zusammenkommen.

Dabei begann die Geschichte mit einem Wunsch seiner Kinder. „Wir wollen als Familie lieber in Hamburg wohnen“, sagt El-Sayed. Mit vier anderen Interessenten fand der Familienvater mit ägyptischen Wurzeln das perfekte Objekt: Ein Grundstück von 2000 Quadratmetern Größe in Hamburg-Schnelsen, auf denen ein Reihen- und ein Doppelhaus errichtet werden soll. Sie beschlossen, es gemeinsam zu kaufen. Ein Notar wurde eingeschaltet, auch das bisherige Haus der Familie in Heide verkaufte El-Sayed bereits zum Januar des nächsten Jahres. Bis dahin müssen die Häuser auf dem neuen Grundstück in Schnelsen stehen.

Nachricht vom Grundbuchamt

Anfang März erreichte ihn jedoch eine Nachricht vom Grundbuchamt. Er und die anderen Käufer könnten nicht eingetragen werden, da Mohamed El-Sayeds Name in dieser oder ähnlicher Schreibweise mehrfach auf einer Anti-Terror-Liste der EU steht, die den Betroffenen Geschäfte in den Mitgliedsländern verbietet. Genauer gesagt: Teile von El-Sayeds Namen oder Menschen, die neben anderen Namen eben auch Mohamed El-Sayed heißen. „Dabei ist Mohamed der häufigste Vorname der Welt“, wie der Betroffene sagt – und der Nachname El-Sayed in der Heimat seiner Eltern so verbreitet wie Müller und Schneider in Deutschland. Der für das Grundbuchamt zuständige Gerichtssprecher Kai Wantzen bestätigte den Vorfall auf Anfrage des Abendblattes. „Es handelt sich um eine EU-Verordnung, die für die Rechtspfleger grundlegend bindend ist.“

Am Telefon sagt El-Sayed dem Mitarbeiter des Grundbuchamtes, dass er Terroristen nur aus den Nachrichten kenne – und fragt, wie man das Problem lösen könne. „Mir wurde auch nahegelegt, über eine Namensänderung nachzudenken“, sagt Mohamed El-Sayed. „Dabei habe ich ansonsten nie in meinem Leben Probleme damit gehabt.“ Sein Bruder Tarek sei IT-Schutzexperte bei der Polizei und bei der Einstellung sehr gründlich überprüft worden – dass auf der sogenannten Finanzsanktionsliste auch zwei seiner Namensvettern vertreten sind, habe jedoch niemanden gestört.

Der Rechtspfleger zeigt sich jedoch zunächst unnachgiebig, er habe auch keine sogenannte Ermittlungskompetenz in solchen Fällen, wie der Gerichtssprecher Kai Wantzen erklärt. „Ihm liegen in der Regel auch keine weiteren Dokumente vor, die sofort plausibel ausschließen lassen, dass es sich nicht um einen Menschen von dieser Liste handelt.“ In der Praxis sieht sich Mohamed El-Sayed damit selbst gezwungen, sein Nicht-Terroristen-Dasein zu beweisen. Er ruft bei mehreren Bundesministerien an, sucht Hilfe bei der Polizei und beim Verfassungsschutz. „Es hat mir niemand sagen können, wie ich das Problem ausräumen kann. Man sagte mir, dass eben die EU zuständig sei.“ Zuletzt wendet er sich an den Bundesnachrichtendienst, der ihn wiederum erneut an die örtliche Polizei verwiesen habe.

Nach Medienanfragen gibt das Grundbuchamt nach

Ein schriftlicher Vermerk der Polizeiwache und auch eine Bescheinigung des Notars können das Amt nicht umstimmen. Schließlich schreibt das Bundeswirtschaftsministerium, dass doch bereits anhand der Geburtsdaten, die zu den beiden exakten Namensvettern von Mohamed El-Sayed auf der Liste vermerkt sind, einen Abgleich durchführen könne. Der Notar hat inzwischen bereits einen anderen Antrag beim Amt vorgezogen, da das Hindernis des Namens noch nicht aus dem Weg geräumt ist.

Erst nach mehreren Anfragen von „Extra 3“ und dem Abendblatt gibt es ein vorläufig gutes Ende: Der Gerichtssprecher teilte mit, dass der Eintrag in das Grundbuch „heute erfolgt ist“. Er betonte, dass es wichtig sei, die Anti-Terror-Listen zu beherzigen. Dem Anästhesisten Mohamed El-Sayed steht nun beim Hausbau nichts mehr im Wege. Auch seinen Namen möchte er gern behalten.

Der Fall in der Satiresendung „Extra 3“ am Donnerstag in der ARD, 22.45 Uhr