Kriminalität

Das Einbruchsrisiko in Hamburgs Stadtteilen im Vergleich

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André Zand-Vakili
Dort, wo sich Einbrecher große Beute versprechen, wird häufiger eingebrochen – die Kriminalitätsstatistik der Hamburger Stadtteile im Vergleich.

Dort, wo sich Einbrecher große Beute versprechen, wird häufiger eingebrochen – die Kriminalitätsstatistik der Hamburger Stadtteile im Vergleich.

Foto: dpa / Jochen Tack

Wo das Risiko besonders hoch ist, Opfer eines Einbruchs zu werden. Der große Überblick über alle Stadtteile.

Hamburg.  Fast ein Prozent der in Lemsahl-Mellingstedt lebenden Menschen wurde im vergangenen Jahr Opfer eines Einbruchs. Damit ist dort das Risiko, von einer solchen Tat betroffen zu sein, 24-mal so hoch wie in Kirchwerder. Es ist in Sachen Einbruch der gefährlichste Stadtteil Hamburgs. Auch die angrenzenden Stadtteile sind von einer extrem hohen Einbruchsbelastung für die Bevölkerung gekennzeichnet.

Es ist der nördliche Zipfel Hamburgs im Bezirk Wandsbek mit Duvenstedt, Wohldorf-Ohlstedt, Bergstedt und Lemsahl-Mellingstedt, in dem die Bewohner am unruhigsten schlafen dürften. Nirgends ist die Wahrscheinlichkeit so groß wie hier, dass ihr Heim Ziel von Einbrechern wird.

„Das verwundert mich nicht“, sagt Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). „Einerseits dürften sich Einbrecher dort verhältnismäßig hohe Beute erhoffen. Anderseits ist die Polizeidichte dort gering. Passiert in dem Bereich etwas, haben Polizeikräfte einen im Vergleich zu Innenstadtlagen vergleichsweise langen Anfahrtsweg. Die Täter dürften sich sicherer fühlen.“

Realistischer Vergleich durch neue Berechnung

Der neue Blick auf die Kriminalitätsbelastung zeichnet ein deutlich anderes Bild als der Stadtteilatlas der Polizei, der jedes Jahr veröffentlicht wird. Dieser neue Blick entsteht durch die Anwendung der Häufigkeitszahl, bei der die statistische Belastung der Bevölkerung pro 100.000 Einwohner hochgerechnet wird.

„Die Nutzung von Häufigkeitszahlen ist beispielsweise beim Vergleich von Großstädten ein in der Kriminalitätsstatistik des Bundeskriminalamts gebräuchliches Verfahren“, sagt Lenders. „Es lässt einen realistischeren Vergleich zu. Denn dass in Rahlstedt mit seinen mehr als 90.000 Einwohnern mehr als sechsmal so viele Einbrüche passieren wie im beschaulichen Stadtteil Marmstorf im Süden Hamburgs mit seinen knapp 9000 Einwohnern, ist keine Überraschung.“

Tatsächlich ist die Gefahr für einen Marmstorfer, Opfer eines Einbruchs zu werden, fast doppelt so groß wie für einen Rahlstedter. Das zeigt sich erst, wenn die Belastung der Einwohner anhand der Häufigkeitszahl berechnet wird. Allerdings hat auch diese Statistik ihre Schwachstellen. Gerade bei Stadtteilen mit einer geringen Bevölkerung kann es durch mehr oder weniger zufällig von einer Einbrecherbande verübte Taten zu großen Schwankungen im Vergleich zum Vorjahr kommen.

Generell gilt: Dort, wo sich Einbrecher große Beute versprechen, wird häufiger eingebrochen. So finden sich Wellingsbüttel, Volksdorf, Alsterdorf, Eilbek und Blankenese unter den zwölf Stadtteilen mit der höchsten Einbruchsbelastung. Viele Einbrüche gibt es auch in Wilhelmsburg. Der Stadtteil mit rund 55.000 Einwohnern liegt auf Platz acht. In Billbrook ist die Gefahr ebenfalls groß, Opfer eines Einbruchs zu werden.

Weniger Einbrüche in guter Nachbarschaft

Erst dort, wo die Nachbarschaft funktioniert, wo es noch sehr persönlich zugeht, ist die Belastung durch Einbrüche niedriger. Deshalb schneiden einige Gegenden in den Bezirken Harburg und Bergedorf überdurchschnittlich gut ab.

Im Bezirk Harburg ist es der Bereich in Richtung Altes Land mit den Stadtteilen Neuenfelde, Francop oder Cranz. Im Bezirk Bergedorf sind es die Vier- und Marschlande mit Stadtteilen wie Altengamme, Kirchwerder oder Curslack. Beide Bezirke sind Gebiete mit ländlichem Charakter. Erstaunlich oft schneiden Stadtteile, die nicht gerade als beliebt gelten oder in denen es einzelne soziale Brennpunkte gibt, überdurchschnittlich gut mit einer Einbruchsbelastung von unter 0,2 Prozent für die Bevölkerung ab. Dazu gehören Osdorf, Veddel, Steilshoop, Harburg, Barmbek-Nord und Barmbek-Süd.

Geringes Einbruch-Risiko in der City

Überraschend ist die Bilanz mancher citynaher Viertel: In Hoheluft-West und Hoheluft-Ost, in der City mit der Altstadt und Neustadt, in Barmbek-Süd oder Eppendorf ist das Risiko vergleichsweise gering, Opfer eines Einbruchs zu werden. Auch Stadtteile, die als soziale Brennpunkte gelten, schneiden oft überraschend gut ab.

Dass die Gefahr, Opfer eines Einbruchs zu werden, in Dulsberg annähernd gleich hoch ist wie auf St. Pauli oder in Niendorf, zeigt erst die Häufigkeitszahl. Schlecht schneiden Billstedt und Wilhelmsburg ab, beides flächenmäßig große Stadtteile mit einer hohen Einwohnerzahl. Für die Polizei ist die Einbruchskriminalität seit Jahren ein Schwerpunkt. Die Zahlen konnten seit 2015 nahezu halbiert werden.

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