Hamburg

Linie U1: Drei Haltestellen fast drei Monate lang gesperrt

So soll die U-Bahn-Station Fuhlsbüttel Nord nach dem Umbau aussehen. Über den Fahrstuhl gelangen Passagiere direkt auf den Bahnsteig.

So soll die U-Bahn-Station Fuhlsbüttel Nord nach dem Umbau aussehen. Über den Fahrstuhl gelangen Passagiere direkt auf den Bahnsteig.

Foto: Hochbahn Hamburg

Barrierefreier Ausbau führt zur Sperrungen in Hamburg-Nord. 61.000 Fahrgäste sind betroffen. Wann es losgeht.

Hamburg. Die Hochbahn erklärt ihr neuestes Bauvorhaben mit einem grimmschen Märchen. „Drei auf einen Streich!“ titelt die Kommunikationsabteilung über die Pläne, gleich drei Haltestellen der Linie U 1 in Hamburgs Nordwesten während der „fahrgastschwächeren Sommerzeit“ zu sanieren und auszubauen.

Der Titel ist dem Märchen vom „Tapferen Schneiderlein“ entlehnt. Und tapfer müssen im Sommer tatsächlich jene Fahrgäste der Linie U 1 sein, die aus dem Nordwesten in die Hamburger City wollen – etwa von Norderstedt und wieder zurück. Die Hochbahn rechnet mit werktäglich insgesamt rund 61.000 betroffenen Fahrgästen – 28.000, die von Norden kommen und rund 33.000, die vom Süden anreisen.

Für umfangreiche Arbeiten am Bahnsteigbereich muss die U 1 zwischen den Haltestellen Fuhlsbüttel Nord und Ohlsdorf unterbrochen werden. „Vom 3. Juni bis 25. August fahren hier Busse statt Bahnen“, kündigt der Hamburger Hochbahnsprecher Christoph Kreienbaum an.

Hochbahn investiert 15 Millionen Euro

Konkret geht es um die drei Haltestellen Fuhlsbüttel Nord, Fuhlsbüttel und Klein Borstel sowie den Streckenabschnitt zwischen Fuhlsbüttel Nord und Ohlsdorf. Die Hochbahn investiert rund 15 Millionen Euro, um die U-1-Haltestellen Fuhlsbüttel Nord und Klein Borstel barrierefrei auszubauen und den Bahnsteig der Haltestelle Fuhlsbüttel mit einem taktilen Leitsystem auszustatten. Mehr noch: Zwischen Fuhlsbüttel Nord und Ohlsdorf werden umfangreiche Erneuerungsarbeiten durchgeführt. Dazu gehören 4900 Schwellen, 3,5 Kilometer Stromschiene, 2,8 Kilometer Schiene, 700 Meter Kabeltrasse und drei Weichen.

Claudia Finger, Projektleiterin bei der Hochbahn, und Volker Schmidt, Fachbereichsleiter Hochbau bei der Hochbahn, stehen an der Haltestelle Fuhlsbüttel Nord. Gerade kommt eine Bahn aus Richtung Nordwesten, um über den Hauptbahnhof nach Großhansdorf weiterzufahren. Pünktlich. Wer als Fahrgast in Fuhlsbüttel Nord auf barrierefreie Wege angewiesen ist, stößt bislang auf Hindernisse.

Doch mit dem Umbau im Sommer soll alles besser werden. „Hier führen wir die aufwendigsten Arbeiten durch“, sagt Volker Schmidt. Die Bahnsteige, ergänzt Claudia Finger, werden um 20 Zentimer erhöht und auf der gesamten Länge des Bahnsteigs stufenfrei. Außerdem entstehen ein Aufzug hinter dem Schalterhallengebäude und ein Blindenleitsystem. Je nach Standort kann der Bau eines Aufzugs bis zu einer Million Euro kosten, inklusive der Technik im Wert von rund 150.000 Euro. Während die Haltestelle Fuhlsbüttel bereits über Barrierefreiheit verfügt, bekommt im Sommer auch Klein Borstel einen Aufzug, neue Bahnsteige und ein komplett saniertes Treppenhaus.

Bis 2021 sollen 95 Prozent der Haltestellen barrierefrei sein

Nach Hochbahn-Angaben setzt das Unternehmen mit diesen Maßnahmen einen wichtigen Meilenstein. Derzeit seien 80 Prozent der Hochbahn-Haltestellen barrierefrei. Bis zum Jahr 2021 werden es 95 Prozent sein. Volker Schmidt: „Der barrierefreie Ausbau ist ohne Alternative. Unser Ziel ist es, möglichst viele Maßnahmen im Sommer 2019 zu bündeln, um die Beeinträchtigung für unsere Fahrgäste so gering wie möglich zu halten.“

Auch an weiteren Stellen des Hamburger U-Bahn-Systems läuft der barrierefreie Ausbau auf Hochtouren. Noch in diesem Jahr, heißt es, würden die U-1-Haltestellen Lohmühlenstraßen, Ritterstraße, Wandsbeker Chaussee, Alter Teichweg sowie die U-2-Haltestelle Joachim-Mähl-Straße und die U-3-Haltestelle Landungsbrücken fertiggestellt.

Im Rahmen des Senatsprogramms für den beschleunigten barrierefreien Ausbau des U-Bahn-Systems wurden bislang 200 Millionen Euro investiert. Grundsätzlich gehören zur Barrierefreiheit drei Elemente: der Einbau eines Aufzugs, die Erhöhung der Bahnsteige und Orientierungshilfen für Blinde und sehbehinderte Menschen. Notrufsäulen, Knöpfe und alle Beschilderungen werden kontrastreich gestaltet, damit sie leichter und deutlicher erkennbar sind.

Ein Expressbus soll im U-Bahn-Takt fahren

Für die Dauer der Arbeiten vom 3. Juni bis 25. August sind alle drei Haltestellen (Fuhlsbüttel Nord, Fuhlsbüttel und Klein Borstel) gesperrt. Ein „Express-Bus“ fährt im Takt der U-Bahn von Ohlsdorf nach Fuhlsbüttel Nord und zurück. Die Fahrtdauer beträgt zehn Minuten. „Pro U-Bahn-Zug fahren zwei Express-Busse und zusätzlich alle zehn Minuten ein ,normaler‘ Ersatzverkehrsbus, der an allen Haltestellen hält“, sagt Hochbahn-Sprecher Kreienbaum.

Rund 1,2 Millionen Fahrgäste nutzen täglich die Busse und U-Bahnen der Hochbahn. Das Streckennetz ist 104 Kilometer lang. Der Grundtakt auf allen Linien beträgt tagsüber mindestens zehn Minuten, ab 23 Uhr 20 Minuten.