Demos am Sonntag

Prallen Rechte und Linke in Hamburg aufeinander?

Teilnehmer bei einer "Merkel muss weg!"- Kundgebung im vergangenen Jahr.

Teilnehmer bei einer "Merkel muss weg!"- Kundgebung im vergangenen Jahr.

Foto: dpa Picture-Alliance / Markus Scholz / picture alliance/dpa

Rechte Demo ab 13 Uhr am Dammtor. Antifa mobilisiert zu Gegenprotest. Verfassungsschutz warnt vor Extremisten auf beiden Seiten.

Hamburg. Die Polizei rüstet sich für brisante Demonstrationen: Unter dem Motto „Michel, wach endlich auf!“ wollen Rechte am Sonntag ab 13 Uhr auf dem Dag-Hammarskjöld-Platz am Bahnhof Dammtor protestieren. Sicherheitsbehörden ordnen die Organisatoren dem rechtsextremen Milieu und den früheren „Merkel muss weg“-Demonstrationen zu. Das „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ hat bereits eine Gegendemonstration angemeldet.

Wie der Polizeisprecher Florian Abbenseth auf Anfrage sagte, rechneten die Anmelder bei beiden Protestzügen mit etwa 500 Teilnehmern. Während die „Michel“-Kundgebung am Ort bleiben soll, wollen die Gegendemonstranten bereits von 11 Uhr an vom Hachmannplatz in St. Georg zum Bahnhof Dammtor ziehen. Voraussichtlich wird erneut ein Großaufgebot der Polizei nötig sein, um beide Lager zu trennen.

Rechte protestieren gegen angebliche Islamisierung

Der Aufruf zu der rechten Demo wird über eine Facebook-Seite mit dem Titel „Heimat - Patriotismus - Zukunft“ verbreitet. Als Themen der Kundgebung waren auf einem digitalen Flyer zunächst die „die Klimawandel-Religion“ und Diesel-Fahrverbote aufgeführt worden. Jedoch solle auch gegen „Islamisierung“, angebliche „tägliche Messerattentate“, eine „Masseneinwanderung“ demonstriert werden.

Ein Sprecher des Verfassungsschutzes sagte, dass das Impressum auf der Facebook-Seite mit dem der früheren „Merkel-muss-Weg“-Internetseite identisch sei. „Nach unseren Erkenntnissen handelt es sich um denselben rechtsextremistischen Personenkreis“.

Beide Lager fahren Mobilisierung deutlich hoch

Seit dem Wochenende hätten die Organisatoren die Mobilisierung für die Kundgebung deutlich intensiviert. Auch Gruppen der islamfeindlichen Pegida-Bewegung riefen bundesweit zur Teilnahme an der Demonstration auf. Die Sicherheitsbehörden hatten bereits vor den „Merkel muss Weg“-Demonstrationen energisch gewarnt. Auch infolge der Gegenproteste ging die Teilnehmerzahl dabei im vergangenen Jahr immer weiter zurück, ehe die Kundgebungen schließlich eingestellt wurden. Bei der neuen Demonstration soll nun unter anderem der Blogger Michael Stürzenberger als Redner auftreten, der früher die islamfeindliche Partei „Die Freiheit“ anführte.

Der Verfassungsschutz weist daraufhin, dass auf der anderen Seite auch linksextremistische Gruppen für die Gegenproteste mobilisierten. „Demokraten sollten wachsam sein, sich nicht von gewaltorientierten Extremisten vereinnahmen zu lassen“, sagte ein Sprecher des Verfassungsschutzes.

Ab 13.30 Uhr findet am Sonntag auch das Heimspiel des FC St. Pauli gegen Arminia Bielefeld im Millerntorstadion statt. Die Polizei wird voraussichtlich mit einem sehr großen Aufgebot rund um beide Einsatzorte präsent sein. „Wir führen eine fortwährende Lagebeurteilung durch“, sagte ein Polizeisprecher.