Hamburg

Mordfall Juliete H.: Ehemann wegen Totschlags angeklagt

In diesem Hochhaus an der Eckernförder Straße lebte Juliete H. mit ihren Kindern. Sie wurde in ihrer Wohnung mit einem Messer getötet.

In diesem Hochhaus an der Eckernförder Straße lebte Juliete H. mit ihren Kindern. Sie wurde in ihrer Wohnung mit einem Messer getötet.

Foto: André Zand-Vakili

Die vierfache Mutter war in ihrer Wohnung in Altona erstochen worden, mutmaßlich von ihrem Ehemann. Neue Details bekannt.

Hamburg. Seine tote Mutter entdeckte der 11 Jahre alte Junge nach der Schule in der gemeinsamen Wohnung an der Eckernförder Straße, es war der blanke Horror. Übersät mit 50 Stichen und Schnitten lag Juliete H. im Schlafzimmer in einer riesigen Blutlache, mutmaßlich erstochen von ihrem eigenen, von ihr getrennt lebenden Ehemann, dem Vater des 11- Jährigen. Gegen Marc H. hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage erhoben, wegen Totschlags (Az 66/10 Js 141/18).

Um einen Mord handelt es sich aus Sicht der Anklage nicht. „Die Anklage geht von Totschlag aus, weil nach dem Ergebnis der Ermittlungen keines der gesetzlichen Mordmerkmale erfüllt ist“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach.

Mordfall Juliete H.: Ehemann gesteht tödliche Stiche

Am Morgen des 5. Dezember besuchte Marc H. seine Noch-Ehefrau, um ein Tablet abzuholen, das er seinem Sohn geliehen hatte. Die Ermittler werfen dem 50 Jahre alten, bisher nicht vorbestraften Mann vor, zunächst in einen verbalen Streit mit seiner Noch-Ehefrau geraten sein. Darin soll es vor allem um Julietes H.‘S neuen Lebensgefährten gegangen sein. Als die 42-Jährige eine sexuelle Anspielung machte, ihr neuer Freund sei „wenigstens ein richtiger Mann“, soll der 50-Jährige ein mitgeführtes Messer gezückt und seiner Ehefrau unter „Inkaufnahme tödlicher Verletzungen“ 50 Stich- und Schnittwunden zugefügt haben. Die Frau erlitt unter anderem schwerste bis tödliche Verletzungen an der Leber, dem Zwerchfell und der Halsschlagader.

Kurz nach der Tat nahm die Polizei Marc H. in seiner Wohnung an der Elsässer Straße (Dulsberg) fest – die tödlichen Stiche räumte er später ein. Inwieweit ein Affekt bei der Tat eine Rolle spielt, dazu wird ein psychiatrischer Sachverständiger im Prozess Stellung nehmen. Nach seiner vorläufigen Einschätzung soll Marc H.‘s Steuerungsfähigkeit jedenfalls nicht derart herabgesetzt gewesen sein, dass er im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte. Auf Anfrage wollte sich seine Verteidigerin zu den Vorwürfen gegen ihren Mandanten nicht äußern.

Kinder der getöteten Juliete H. sind traumatisiert

Wie das Abendblatt erfuhr, leben drei der vier 7, 11, 14 und 18 Jahre alten Kinder jetzt bei ihrem Onkel, dem Bruder der getöteten Juliete H. Sie sollen schwerst traumatisiert sein. Die zwei jüngsten sind die leiblichen Kinder des Beschuldigten, die beiden älteren stammen aus einer früheren Beziehung der Ghanaerin. Nach Abendblatt-Informationen hatte Marc H. vor allem ein Problem damit, dass Juliete H. ihre zwei ältesten Kinder aus Afrika kurz nach der Hochzeit nach Deutschland geholt hatte. Ihnen gegenüber sei er „feindlich gesonnen und aggressiv gewesen“ – auch oder vor allem deshalb hätten sich die Eheleute zerstritten.

Vorangegangen waren dem tödlichen Streit mehrere gewalttätige Übergriffe des Beschuldigten. 2016 hatten die beiden geheiratet – kurz danach fing es an. „Es gibt zahlreiche Beiakten, die Misshandlungen durch Marc H. belegen“, so eine mit dem Fall vertraute Quelle, die anonym bleiben möchte. Dokumentiert ist beispielsweise ein Vorfall vom 6. September 2017. Damals schlug Marc H. seiner Frau ins Gesicht, quälte sie mit einem Elektroschocker und würgte sie.

Marc H. könnte lebenslange Haft drohen

Nach dem Vorfall zog Juliete H. in ein Frauenhaus und erwirkte unter anderem einen Gewaltschutztitel gegen ihren Mann. Er durfte sich ihr auf 50 Meter nicht nähern und keinen Kontakt zu ihr aufnehmen. Seinen Sorgerechtsstreit legte das zerstrittene Paar im Herbst 2017 vorläufig bei. Um zur De-Eskalation beizutragen, unterschrieb Marc H. eine Sorgerechtsvollmacht und verzichtete einstweilig auf den Umgang mit den Kindern. Allerdings hatte sich das Verhältnis zur Kindsmutter vor der Bluttat offenbar wieder etwas entspannt: Wie Gerichtssprecher Kai Wantzen bestätigte, sah Marc H. seine Kinder am Wochenende, mit seinem Sohn ging er regelmäßig Schwimmen.

Für den Fall zuständig ist die Große Strafkammer 21 des Hamburger Landgerichts unter Vorsitz von Richterin Jessica Koerner. Ausreichend repräsentiert sind in dem Prozess die zahlreichen Opfer der brutalen Tat: Die nächsten Angehörigen der Getöteten, ihre vier Kinder und ihr Bruder, treten in dem Verfahren als Nebenkläger auf. Marc H. drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre, unter Umständen sogar eine lebenslange Haft.