Geschäftsmodell

Hamburgs erste Friseurin auf zwei Rädern

| Lesedauer: 4 Minuten
Kay Brüggemann
Die 28-jährige Hanna Alt hat auf dem Fahrrad schon Südafrika durchquert und ist von Hamburg nach Istanbul geradelt. Seit 2016 ist sie im Hamburger Westen als mobile Friseurin unterwegs.

Die 28-jährige Hanna Alt hat auf dem Fahrrad schon Südafrika durchquert und ist von Hamburg nach Istanbul geradelt. Seit 2016 ist sie im Hamburger Westen als mobile Friseurin unterwegs.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Mit ihrem „Haarrad“ besucht Hanna Alt täglich vier bis sechs Stammkunden. Auf die Idee kam sie während einer Radtour durch Lesotho.

Hamburg.  Hanna Alt aus Bahrenfeld ist ausgebildete Friseurin und selbstständig, ihr Salon sind die Wohnungen ihrer Kunden. In einem Gebiet zwischen Othmarschen und St. Pauli macht sie Hausbesuche – ausschließlich mit dem Fahrrad: „Ich wollte schon immer Friseurin werden und liebe es Fahrrad zu fahren, also habe ich beides zusammengebracht“, sagt die 28-Jährige und strahlt.

5000 Kilometer hatte sie in den vergangenen Jahren auf Fahrradreisen zurückgelegt, 2015 durch Südafrika, von Johannesburg nach Kapstadt. Und von Hamburg bis nach Istanbul in der Türkei. Nun radelt sie bei Wind und Wetter durch die Straßen Altonas. Mit ihrem Geschäftsmodell will die Jungunternehmerin auch einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Stadt leisten.

Bis zu sechs Stammkunden pro Tag

Und es kommt gut an. Inzwischen hat sie vier bis sechs Stammkunden pro Tag, und sucht sogar nach Verstärkung. „Hamburg ist super für so ein Projekt, die Leute sind sehr offen“, sagt Alt. Lediglich die Fahrradwege könnten besser sein. Nach ihrem Meistertitel im Jahr 2011 war sie für zwei Jahre auf der Aida: Sie arbeitete als Friseurin, führte aber auch im Fahrradtaxi Touristen durch die besuchten Städte.

Nach der Arbeit in verschiedenen Salons kamen dann die Reisen und der Umzug der gebürtigen Hessin in ihre Wahlheimat Hamburg – bis sie im August 2016 „Haarrad“ gründete. Damals wollte sie dem Lärm, dem Arbeitsdruck und der Massenabfertigung in großen Friseursalons entgehen, um unabhängig und professionell arbeiten zu können. Seitdem gehören Fahrrad und Regenhose genauso zum Equipment wie Kamm und Schere. „Ich bin flexibler als vorher, und kann mich viel besser auf meine Kunden konzentrieren“.

Fahrradreise durch Südafrika

Inspiration zu ihrem eigenem Projekt kam auch mit der Fahrradreise durch Südafrika: In Lesotho lernte sie das Projekt „Hands of Life“ kennen: Es unterstützt Jugendliche vor Ort, ein selbstständiges Leben zu führen – und stellt Fahrräder bereit, die sie mobil und unabhängig machen. Sie ermöglichen den Anschluss an Städte, oder erleichtern den Weg zur Schule.

Zurück in Deutschland gelang es Hanna Alt, 250 Fahrräder zu sammeln, die nach Lesotho geschifft wurden. „Der Gründer des Projekts war damals gerade 16 Jahre alt, das hat mich unglaublich inspiriert“, sagt sie. Auch von der letzten „Haarrad“-Weihnachtsfeier wurden Spendenerlöse an „Hands of Life“ geschickt. „Wir stehen bis heute in engem Kontakt“, sagt die Wahlhamburgern und zeigt lachend ein Foto der Jugendlichen mit Haarscheren: „Das wurde mir vor Kurzem geschickt: In der Werkstatt des Projekts wird jetzt auch ein Friseursalon integriert.“

Branche ist unterbezahlt

Mit ihrer eigenen Idee will sie auch Kollegen ermutigen, Initiative zu zeigen: „Die Branche ist insgesamt unterbezahlt“, so die Friseurin. In Hamburg wüsste sie noch von keinem weiteren Projekt dieser Art. „Ich würde das auch nicht als Konkurrenz sehen.“ Die Idee trifft den Zeitgeist – in Berlin gebe es inzwischen auch Friseure auf Fahrrädern.

Nach Jahren des Aufbaus des Kleinunternehmens freut sie sich nun über die Aufmerksamkeit. Schließlich war der Anfang nicht leicht: „Ich dachte mit einer eigenen Internetseite wäre alles getan, musste dann aber noch viele Flyer verteilen und in Fußgängerzonen werben, bis es richtig losgehen konnte“.

Immer etwas neues

Mit dem Wachstum von „Haarrad“ kam auch die Verwaltungsarbeit, an die sich die Inhaberin inzwischen aber gewöhnt hat: „Es kommt immer etwas neues hinzu.“ Zurzeit testet die Unternehmerin zum Beispiel auch ein neues Lastenrad: Es wird Unternehmen im Stadtraum Hamburg zur Verfügung gestellt, um den Autoverkehr zu reduzieren.

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