Bürgerschaftswahl

Umfrage: Grüne in Hamburg auf neuem Rekordkurs

Knappes Rennen: Bürgermeister-Duo Katharina Fegebank (Grüne) und Peter Tschentscher (SPD)

Knappes Rennen: Bürgermeister-Duo Katharina Fegebank (Grüne) und Peter Tschentscher (SPD)

Foto: Roland Magunia / HA

Studie der Universität sieht Öko-Partei bei Bundestagswahl in Hamburg vor SPD und bei Bürgerschaftswahl knapp dahinter.

Hamburg. Stellen die Grünen womöglich zur Bürgerschaftswahl eine eigene Kandidatin für das Bürgermeisteramt auf? Dazu jedenfalls rät ihnen Politikwissenschaftler Prof. Kai-Uwe Schnapp – für den Fall, dass sich seine aktuellen Umfrageergebnisse langfristig verfestigen sollten. „Noch ist es wohl zu früh“ so Schnapp. „Wenn sich die Lage so stabilisiert, sollten sie aber schon jemanden für das Amt des Bürgermeisters aufstellen. Denn natürlich stellen klassischerweise die beiden stärksten Parteien Kandidaten für das Spitzenamt auf.“

Hintergrund dieser Aussage ist die aktuelle Umfrage der Uni Hamburg, die Schnapp geleitet hat. Danach werden die Grünen auch in Hamburg immer stärker. Wäre jetzt Bürgerschaftswahl, so kämen sie mit 29 Prozent auf ein neues Rekordergebnis – und lägen nicht mehr weit hinter der SPD, die 35 Prozent der Stimmen erhalten würde. Bei einer Bundestagswahl würden die Grünen in Hamburg sogar mit 32 Prozent deutlich stärker abschneiden als die SPD, die hier auf nur 24 Prozent käme.

Methodik weiter verfeinert

Das ist das Ergebnis der Uni-Umfrage, die dem Abendblatt vorliegt. Dafür wurden zwischen dem 6. Januar und dem 2. März 2019 insgesamt 1069 repräsentativ ausgewählte Hamburgerinnen und Hamburger zu unterschiedlichsten Themen befragt. Die Stichprobe wurde vom GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Mannheim gezogen, das laut Uni für alle wichtigen wissenschaftlichen Umfragen in Deutschland die Stichproben erstellt. Damit habe die Uni ihre Methodik in ihrer nun bereits fünften Umfrage seit 2012 immer weiter verfeinert, sagte Studienleiter Schnapp dem Abendblatt.

Allerdings könne es ein paar Verzerrungen geben, da sich die Befrager als Mitarbeiter der Uni vorstellten. „So reagieren etwa Grünen-Anhänger und höher Gebildete eher positiv auf die Uni, AfD-Anhänger dagegen neigen dazu, die Befragung abzulehnen und aufzulegen“, so Schnapp. „Deswegen ist es wahrscheinlich, dass wir die Grünen leicht überschätzen und dass wir die AfD unterschätzt haben. Nach unseren Zahlen würde die AfD im Moment nicht in die Bürgerschaft einziehen. Ich bin aber sicher, dass die tatsächliche Wählerschaft der AfD in Hamburg auch im Moment über fünf Prozent liegt.“

Größtes Reservoir an Stammwählern

Bei der Sonntagsfrage zur Bürgerschaftswahl ergibt die Uni-Umfrage insgesamt folgendes Ergebnis: SPD 35 Prozent, Grüne 29, CDU 15, Linke 9, FDP 6 und AfD 4 Prozent. Wäre am Sonntag dagegen Bundestagswahl, dann würden die Grünen mit 32 Prozent stärkste Kraft in Hamburg, gefolgt von SPD mit 24, CDU mit 20, FDP mit 10, Linken mit 8 und AfD mit 3 Prozent. Bei der langfristigen Parteineigung dagegen hat in Hamburg weiterhin die SPD die Nase vorn.

Auf die Frage „Neigen Sie allgemein einer bestimmten Partei zu, und wenn ja welcher?“, nannte 26,2 Prozent die SPD. 20,1 Prozent gaben die Grünen an, 13,5 Prozent die CDU, 5,3 Prozent die Linke, 3,5 Prozent die FDP und 1,6 Prozent die AfD. Damit zeigt sich, dass SPD und Grüne noch über das größte Reservoir an Stammwählern verfügen. Die ungebundenen Wähler machten insgesamt allerdings den größten Anteil aus: 29,4 Prozent der Befragten sagten, sie neigten allgemein keiner bestimmten Partei zu.

Wohnraum ist ein drängendes Problem

Die Uni befragte die Hamburger auch, wo sie sich selbst politisch verorten. Dabei konnten die Befragten sich auf einer Skala von links (1) bis rechts (11) einordnen. Im Durchschnitt ordneten sich die Befragten dabei mit 4,5 deutlich links der Mitte ein. Bei der Frage nach dem für sie wichtigsten Thema nannten 36 Prozent der Befragten Wohnraum als drängendstes Problem. Es folgten die Themen Verkehr (18 Prozent), Infrastruktur (7), Soziales und Umwelt (je sechs Prozent).

Auf die Frage, welche Partei das von ihnen genannte Problem am besten lösen könne, nannten 21,7 Prozent die SPD, es folgen Grüne (15,5), CDU (7,2), Linke (4,7), FDP (3,0) und AfD (1,9). Eine sehr große relative Mehrheit von 44,8 Prozent allerdings traut gar keiner Partei die Lösung ihres Hauptproblems zu.

Massives Problem der CDU

„Insgesamt bildet unsere Umfrage den jüngsten Trend ab“, sagte Politikwissenschaftler Schnapp. „Die Grünen holen gegenüber der SPD in Hamburg weiter stark auf, bei einer Bundestagswahl wären sie in Hamburg bereits stärkste Kraft. Die CDU hat weiterhin ein massives Problem in Hamburg. Bei den dauerhaften Parteibindungen liegt die SPD dagegen vorn, ebenso bei den zugeschriebenen Lösungskompetenzen für die wichtigsten Probleme in Hamburg.“

Am morgigen Donnerstag lesen Sie hier die Umfrageergebnisse zu Bekanntheit und Beliebtheit der Spitzenpolitiker.