Prozess in Hamburg

Escort-Dame vergewaltigt? Essener Freier vor Gericht

An einer Bordellbar warten Prostituierte auf Kundschaft

An einer Bordellbar warten Prostituierte auf Kundschaft

Foto: Picture-Alliance /Oliver BerG

Der 46-Jährige soll die Prostituierte auf St. Pauli gewürgt und zum Oralverkehr gezwungen haben. Angeklagter spricht von „Deal“.

Hamburg. Pacta sunt servanda, „Verträge sind einzuhalten“. Vor dem Treffen mit der Escort-Dame, sagt der Angeklagte Sinan A., habe er schließlich über seine Vorlieben gesprochen, darüber, dass er beim Schäferstündchen eine härtere Gangart bevorzuge. Monika T. sei mit den Konditionen einverstanden gewesen – und Deal sei nun mal Deal.

Für zwei Stunden im Zimmer eines Hotels an der Seewartenstraße habe man sich auf 260 Euro geeinigt. Doch es kam ganz anders. Während des Treffens soll der 46-Jährige die Escort-Dame gewürgt und vergewaltigt haben. Sinan A. bestreitet das. Am Mittwoch hat sich das Schöffengericht mit dem Fall befasst.

Monika T. schildert das Geschehen anders

Die Tat liegt bereits vier Jahre zurück. Er habe im März 2015 eine Messe in Hamburg besucht, sagt der in Essen lebende Angeklagte. Im Internet sei er auf die Escort-Dame gestoßen. „Es war mein erstes Mal, nie zuvor habe ich so etwas gemacht.“ Für ihn sei es schwierig, darüber zu sprechen. „Es ist beschämend.“ Am Abend des 17. März suchte die 45-Jährige den schon betrunkenen Mann in seinem Hotelzimmer auf. Während des Akts, der „absprachegemäß“ etwas körperlicher ablief, sei sie plötzlich aufgesprungen, sagt Sinan A. „Wir haben diskutiert und sind ziemlich laut geworden.“ Sie habe ihm dann das Geld vor die Füße geworfen, woraufhin er die nackte Frau aus dem Zimmer geschmissen habe, ihre Sachen hinterher. Sexuell erfüllend sei der Abend für ihn nicht gelaufen. „Wenn ich sie respektlos behandelt haben sollte, dann tut es mir leid“, sagt Sina A. Doch vergewaltigt habe er sie nicht.

Ganz anders hat Monika T. das Geschehen der Polizei geschildert, ihre Version deckt sich im Wesentlichen mit der Anklage. Ihre Aussage macht die 45-Jährige, die nach der Tat psychologischen Beistand benötigte, gestern auf Antrag ihrer Anwältin hinter verschlossenen Türen. Wie aus der Anklage hervorgeht, zog Sinan A. derart fest an ihren Haaren, dass es schmerzte. Als sie gehen wollte, verschloss er die Tür, schubste sie aufs Bett, würgte sie und zwang sie zum Oralverkehr. Erst auf ihr „Bitten und Flehen“ hin, so die Anklage, habe Sinan A. die 45-Jährige entkommen lassen.

"Sexuelle Gewalttaten haben nichts mit Sexarbeit zu tun"

Es sei die erste Strafanzeige überhaupt, die Monika T. trotz einer „Vielzahl von Kunden“ gegen einen Freier gestellt habe, sagt die Staatsanwältin. Ob der Angeklagte seine Aussage nicht noch einmal überdenken wolle? Sinan A. hingegen beteuert: Er sei niemand, der eine Frau so nötigen würde. Auf keinen Fall.

Wie viele Übergriffe es in Hamburg auf Prostituierte gibt, ist nicht bekannt. „Sexuelle Gewalttaten haben nichts mit Sexarbeit an sich zu tun – jeder und jede hat das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Mit einer Verletzung dieses Rechts macht man sich in Deutschland strafbar“, sagt die Sprecherin des Berufsverbands Sexarbeit, Josefa Nereus. Der Prozess wird am 20 März fortgesetzt.