Nach Plänen auf Sylt

„Bordellkönig“ muss für fünf Jahre ins Gefängnis

Der Bordell-Betreiber (l.) mit seinem Anwalt vor dem Landgericht

Der Bordell-Betreiber (l.) mit seinem Anwalt vor dem Landgericht

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Der 65-jährige soll mit Hells Angels paktiert und Frauen ausgebeutet haben. Zuvor träumte er von einem Großbordell auf Sylt.

Stuttgart.  Er war als „Bordellkönig“ bekannt, plante zwischenzeitlich ein großes Etablissement auf Sylt – nun ist der Rotlichtunternehmer Jürgen Rudloff nach schweren Vorwürfen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart sprach den 65-Jährigen ihn am Mittwoch der Beihilfe zum Menschenhandel, der Zuhälterei und des Betrugs schuldig.

Auch der Presse- und Marketingchef der Bordellkette „Paradise“ aus Süddeutschland bekam eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Ein dritter Angeklagter, ein steuerlicher Berater, wurde wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt.

Außen „Vorzeigebordell“, innen schwere Misshandlungen

Nach außen arbeiteten die Betreiber am Image eines sauberen, ehrlichen Vorzeigebordells. Tatsächlich hätten die Rockergruppen Hells Angels und United Tribuns dem Großbordell in Leinfelden-Echterdingen Prostituierte zugeführt. Die Frauen wurden von ihren Zuhältern in vielen Fällen bedroht, geschlagen und erniedrigt, wie der Vorsitzende Richter feststellte. Ziel sei es gewesen, die teils noch unter 21 Jahre alten Prostituierten gefügig zu machen.

Darüber hinaus sollen Investoren von den Bordellbetreibern laut Staatsanwaltschaft um Geldbeträge in Höhe von 3,1 Millionen Euro geprellt worden sein, die angeblich in neue Großprojekte hätten fließen sollen – stattdessen finanzierte der 65-Jährige damit offenbar seinen luxuriösen Lebensstil.

Rudloff plante ein Großbordell auf Sylt

Vor fünf Jahren hatte Rudloff mit seinen Plänen für einen „Gentlemen’s Club“ für große Aufregung auf Sylt gesorgt. Für rund 2,5 Millionen Euro wollte Rudloff damals angeblich das ehemalige Kino Strandburg zu einem Rotlichtetablissment umbauen. Nach heftigen Protesten von Bürgern, Parteien und der damaligen Inselbürgermeisterin Petra Reiber hatte Rudloff die Pläne jedoch schließlich zurückgezogen, hieß es.

Auch der aktuelle Prozess ging auf das Jahr 2014 zurück, als eine Razzia im Rockermilieu erste Hinweise auf Straftaten des „Bordellkönigs“ hervorbrachten. Laut verschiedenen Medienberichten geht aus der Anklage hervor, dass etliche Frauen Tätowierungen mit den Vornamen ihrer Zuhälter getragen und von Bedrohungen ihrer Familien berichtet haben. Im Prozess hatte Rudloff ein Geständnis abgelegt, um die erwartete Haftzeit zu verkürzen.