Stage Entertainment

Neues Musical in Hamburg – Stage sucht schon Darsteller

In New York, hier am Richard Rodgers Theatre, ist das neue Musical für Hamburg ein absoluter "Blockbuster".

In New York, hier am Richard Rodgers Theatre, ist das neue Musical für Hamburg ein absoluter "Blockbuster".

Foto: imago/Levine-Roberts

Im April soll das Casting beginnen. Am Broadway läuft das Musical seit 2015 mit großem Erfolg. Besonderheit: Es wird viel gerappt.

Hamburg. Deutschlands Musical-Hauptstadt soll neben „Mary Poppins“, „König der Löwen“, „Aladdin“ und demnächst „Tina“ eine neue Show bekommen. Schon im April beginnt in Hamburg das Casting für das Musical „Hamilton“, im Herbst 2020 soll die Premiere gefeiert werden. Stage Entertainment sucht aktuell per Facebook und auf der unternehmenseigenen Casting-Seite nach Darstellern.

Auf Abendblatt-Anfrage bestätigte Stage-Entertainment-Sprecher Stephan Jaekel, man plane, das Stück in Hamburg „frühestens ab Herbst 2020 zu präsentieren“. Allerdings steht die Stage noch vor einer Herausforderung: „Wir wissen noch nicht, ob wir ,Hamilton‘ in einem unserer bestehenden Hamburger Theater zeigen werden. Wir suchen in der Stadt auch nach alternativen Standorten, die müssten allerdings Platz für etwa 1600 Zuschauer bieten.“ Nach Abendblatt-Informationen wäre auch der Neubau eines Theaters beziehungsweise der Umbau eines bestehenden Gebäudes zu einem Theater eine Option.

Das seit 2015 am New Yorker Broadway gespielte Stück über einen der amerikanischen Gründungsväter gilt dort als beste Show seit Langem. Der Publikumszuspruch ist enorm. Auch in London feierte „Hamilton“ bereits Premiere. In Hamburg wird getreu dem Konzept der Show ein „ethnisch gemischtes Ensemble“ gesucht.

Kritik: Eine reine weiße Geschichte?

Besonders gefragt sind laut Casting-Aufruf des Unternehmens neben männlichen und weiblichen Schauspielern und Tänzern „exzellente deutschsprachige Sänger und Rapper“. Die Figur George Washington etwa solle gleichermaßen „singen und rappen“. Was zunächst vor allem ein Hinweis darauf ist, dass der Export aus New York nach Deutschland möglichst originalgetreu erfolgen soll – sieht man mal vom Sprachtransfer ab.

Ein Ereignis wurde „Hamilton“ in seinem Herkunftsland nicht nur, weil es eine uramerikanische Geschichte erzählt, sondern vor allem, weil es wohl das erste Hip-Hop-Musical ist. Hip-Hop gilt als erfolgreichste Pop-Spielart der Gegenwart. Deshalb wurde der Einzug des Genres auf den Broadway von vielen als überfällig betrachtet.

Die afroamerikanischen Wurzeln des Hip-Hop spiegelten sich wiederum in der New Yorker Besetzung, sie war ganz überwiegend nicht weiß. Dies sorgte auch für Kritik: Es sei eine rein weiße Geschichte, die in dem Stoff erzählt werde. Das stimmt insofern, als zur Zeit der sogenannten „Gründungsväter“ der USA ethnische Minderheiten politisch keine Rolle spielten.

Hamilton ist für Hamburg ein Coup

Seine nach damaligen Maßstäben dubiose Herkunft als unehelicher Sohn einer hugenottischen Auswandererin, die es in die Karibik verschlagen hatte, machte ihn zwar in den amerikanischen Kolonien zunächst zum Außenseiter. Aber er hatte eben doch die „richtige“ Hautfarbe, um zu reüssieren. Hamilton nahm an der Seite George Washingtons am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teil.

Als Jurist gilt er neben Washington und James Madison als einer der Väter der amerikanischen Verfassung. Er war Bank-Gründer und der erste Finanzminister der Vereinigten Staaten. Und er war in einer epischen Freund-Feind-Beziehung mit dem Politiker Aaron Burr verstrickt. An den in einem Duell mit diesem zugezogenen Verwundungen starb Hamilton 1804 schließlich.

Stoff genug für ein Musical, das zahlreiche Preise gewann, unter anderem den Pulitzer (in der Kategorie „Drama“). Gefeiert wurden Musik – neben Hip-Hop auch Jazz, Pop, R ’n’ B – und Choreografie. „Hamilton“ kombiniere den historischen Bogen mit Detailfreude, lobte der „Guardian“ nach der London-Premiere. Für Hamburg ist die „Hamilton“-Akquisition ein Coup. „Die Stadt festigt damit den Ruf, neben New York und London die bedeutendste Musicalmetropole zu sein“, sagt Sascha Albertsen von Hamburg Tourismus.

Hamilton: Ein anspruchsvolles Stück

So wenig der Stoff eine europäische, gar deutsche Geschichte erzählt, so attraktiv sind die amerikanischen Aufsteigergeschichten auch diesseits des Atlantiks. Außerdem ist Hamilton eine Figur, die nicht nur zur Identifikation einlädt, sondern anhand derer Geschichte erzählt werden kann. Das macht die Stage-Erwerbung zum anspruchsvollen Stück im Portfolio.

Auch wenn „Hamilton“ auf Deutsch laufen soll, rückt ein altes Thema ins Blickfeld: Seit Jahren wird darüber diskutiert, ein englisches Musical zu zeigen. „Das wäre eine große Bereicherung für Hamburg. Die Anzahl der internationalen Gäste wächst von Jahr zu Jahr und damit hoffentlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein englischsprachiges Stück profitabel produziert werden kann“, sagt Albertsen.