Altstadt

Bauarbeiten: Hamburger Traditionsgeschäft gibt auf

Swantje Neven gibt ihren Laden, „Die Teekiste“, an der Mohlenhofstraße im Kontorhausviertel nach monatelangen Bauarbeiten auf.

Swantje Neven gibt ihren Laden, „Die Teekiste“, an der Mohlenhofstraße im Kontorhausviertel nach monatelangen Bauarbeiten auf.

Foto: ANDREAS LAIBLE

In der Altstadt zermürben Renovierungsarbeiten und Auflagen des Denkmalschutzes die Inhaber eines Teeladens.

Hamburg.  Nach 54 Jahren ist nun bald Schluss. Nicht nur das Internet hat den Betreibern des kleinen Ladens „Die Teekiste“ an der Mohlenhofstraße 8 im Kontorhausviertel zu schaffen gemacht, sondern vor allem Baumaßnahmen und Auflagen des Denkmalschutzes. Wieder gibt ein Traditionsgeschäft auf.

Familie Neven betreibt die Teekiste bereits in dritter Generation schon seit 1965. Solange sind sie auch im Viertel, seit 20 Jahren an der Mohlenhofstraße. Zum 30. Mai schließt die Familie nun ihr Geschäft. Was bleibt, ist das Stammhaus in Ahrensburg und ein Online-Handel.

Akelius GmbH saniert das betroffene Haus

Zu zermürbend waren die vergangenen Monate. Umfangreiche Fassadenarbeiten ließen den Umsatz rapide einbrechen – teilweise auf lediglich zehn Prozent, sagt Swantje Neven. Sie hat das Geschäft von Vater Wulf Neven übernommen. Ihr Großvater Ernst Heinrich Neven hatte das erste Tee-Fachgeschäft an der damaligen Ost-West-Straße 1965 gegründet. Seine Söhne Wulf und Jörn haben später „Die Teekiste“ an unterschiedlichen Standorten im Kontorhausviertel geführt.

Doch die Bauarbeiten bringen nun das Aus. Denn hinter Baugerüsten, Planen und Bauzäunen war der kleine Laden fast ein Jahr lang kaum zu sehen. „Selbst Stammkunden liefen einfach vorbei. Laufkundschaft hatten wir überhaupt keine mehr“, sagt Swantje Neven. Das Weihnachtsgeschäft 2017 fiel nahezu aus. Es folgten ein Wassereinbruch und Streit mit ihrem Vermieter. Dieser ist kein Unbekannter: die schwedische Akelius GmbH. Ihr gehören nach eigenen Angaben rund 4000 Wohnungen in Hamburg.

Als das Unternehmen 2016 das Haus an der Mohlenhofstraße kaufte, begann für die Familie das wirtschaftliche Problem, vor allem weil die Fassadenarbeiten viel länger dauerten als geplant – statt drei Monate fast ein Jahr, die Werbetafeln mussten abgenommen werden, so dass das kleine Geschäft kaum noch zu sehen war, die Markise, die als Sonnen- und Wetterschutz diente, musste abmontiert werden, Müllcontainer versperrten den Eingang. „Wir hatten es mit Ratten zu tun. Es stank“, erzählt Swantje Neven. Sogar Steine fielen während der Bauarbeiten herab, darunter Ziegelsteine. „Zum Glück war gerade kein Kunde im Laden.“ An den Vermieter kam sie kaum heran, die Zentrale ist in Berlin. Ein Treffen in Hamburg brachte keine Verbesserung.

Keine Mietererhöhung für Mieter

Akelius schreibt auf Abendblatt-Anfrage: „Einige Häuser benötigen in Abhängigkeit von der jeweiligen Bausubstanz Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, zum Beispiel an den Dächern, Fassaden, oder Treppenhäusern.“ Die Sanierung der denkmalgeschützten Fassade an der Mohlenhofstraße habe von August 2017 bis Juni 2018 gedauert: „Die Instandsetzungsarbeiten sind nun abgeschlossen.“ Eine Mieterhöhung werde es für die Mieter nicht geben. Akelius habe das Ziel, die „Unannehmlichkeiten für unsere Mieter so gering wie möglich zu halten“, heißt es. „So gleichen wir zum Beispiel Umsatzverluste mit einer entsprechenden Mietminderung aus. Wir bedauern, die Teestube dennoch als Mieter zu verlieren.“ Einen neuen Mieter gebe es noch nicht.

Swantje Neven dagegen erlebte die Modernisierungsarbeiten und Gespräche als schlauchend, sie fühlte sich hilflos: „Niemand fühlte sich zuständig, auch nicht beim Bezirksamt Mitte.“ Schwierigkeiten gab es auch mit dem Schriftzug an der Fassade. „Das Denkmalschutzamt hat uns nicht erlaubt, das alte Schild und die Markise wieder anzubringen“, so Frau Neven.

Familie zwischen den Zuständigkeiten der Behörden

Familie Neven und das Denkmalschutzamt standen in Kontakt. Aber während die Familie sich nicht verstanden fühlt, sieht man auf Seiten der Behörde keinen Grund für Missmut: „Das Denkmalschutzamt hat unter anderem die Erlaubnis erteilt, vorübergehend nach eigenem Ermessen Werbung an den Fensterflächen des Ladens zu machen, bis ein einheitliches Werbekonzept für das Kontorhausviertel ausgearbeitet sein wird“, sagt Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde.

Ein solches Werbekonzept werde derzeit mit Denkmalschutzamt und dem Bezirk Mitte für diesen Teil des UNESCO-Weltkulturerbes entwickelt. Wie bereits in der Speicherstadt üblich, sehen derzeit die Vorgaben auch für das Kontorhausviertel und damit auch für die Mohlenhofstraße Schriftzüge in goldenen Einzelbuchstaben vor. Isermann: „Für die Mohlenhofstraße strebt das Denkmalschutzamt eine Lockerung dieser Vorgaben an und ist für eine größere gestalterische Bandbreite offen, was auch das Anbringen von Markisen betreffen würde. Hierüber sind wir gegenwärtig mit dem Bezirk im Gespräch.“