Hamburg

Sadistische Störung: Elf Jahre Haft für Vergewaltiger

58-Jähriger soll auch in Sicherungsverwahrung. Warum durfte er unbegleitet die Psychiatrie verlassen?

Hamburg. Von 1986 an war Frank Sch. rund 30 Jahre seines Lebens in der Psychiatrie untergebracht. Fünf Frauen hat er vergewaltigt, stets auf brutale, sadistische Weise. Bei vier weiteren hat er es versucht, eine Hamburgerin tötete er sogar. Aus einem früheren Urteil geht hervor, dass er „im Auto mit Vorfreude Jagd auf Frauen machte“,.

Für seine letzte Tat, die der Freigänger nach dem üblichen Muster einer sadistischen Inszenierung beging, hat ihn das Landgericht am Freitag zu elf Jahren Haft verurteilt – ein Jahr mehr als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Außerdem ordnete es Sicherungsverwahrung an, weil der Angeklagte eine dauerhafte Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, so das Gericht. Die Urteilsbegründung war, wie der gesamte Prozess, mit Rücksicht auf dies Sexualsphäre von Täter und Opfer nur teilweise öffentlich.

Zwei Stunden langes Martyrium

Mehr als zwei Stunden dauerte das Martyrium seines Opfers, eine 45 Jahre alte Prostituierte. Er hatte sie am 25. April auf dem Steindamm angesprochen. Als es beim vereinbarten Akt auf einer Baustelle an der Alexanderstraße (St. Georg) nicht lief wie geplant, überwältige der 58-Jährige die Frau. Er würgte und schlug sie, er fesselte und knebelte sie, er beleidigte, demütigte und vergewaltigte sie, setzte dabei eine Flasche und ein Brotmesser ein. Danach warf er seinem Opfer zehn Euro zu mit den Worten: „Die hast du dir schon mal verdient.“ Die Frau, die Todesängste ausstand, ging sofort zur Polizei. Nach einem DNA-Abgleich führten Beamte den Serien-Vergewaltiger aus der Psychiatrie in Ochsenzoll ab. Sein Opfer leidet noch heute unter der Tat – körperlich wie seelisch.

Schwerverbrecher durfte die Klinik unbegleitet verlassen

Was den Fall so besonders macht, ist der Umstand, dass der Schwerverbrecher von Ende 2015 an die Klinik verlassen durfte – so auch am Tattag. Zunächst waren es begleitete Ausgänge, dann unbegleitete. Von September 2017 an arbeitete er 30 Stunden pro Woche in einer Fahrradwerkstatt. Nach Erkenntnissen des Gerichts sei die Klinik „sehr sorgsam und kleinschrittig vorgegangen“. Der Insasse habe sich vorbildlich verhalten, die Klinik habe ihn behutsam an die Vollzuglockerungen herangeführt. Tatsächlich habe er seine Therapeuten „massiv getäuscht“ und hintergangen.

Schon einmal war er auf Bewährung aus der Psychiatrie entlassen worden, das war 1994. Kein halbes Jahr später erdrosselte er eine Mitpatientin in deren Hamburger Wohnung. „Sie hatten zwei Chancen und sind krachend gescheitert“, sagte Richter Bernd Steinmetz. Eine von der Verteidigung beantragte psychiatrische Unterbringung kam nicht infrage, weil das Gericht eine auch nur verminderte Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt ausschloss. Der Gutachter habe eine Paraphilie in Form einer sado-sexuellen Störung diagnostiziert, jedoch keine Persönlichkeitsstörung. Die Kammer habe nicht den geringsten Zweifel, dass Frank Sch. am 25. April genau wusste, dass er ein großes Unrecht beging, dass er die Frau „gezielt und geplant“ vergewaltigte. Die Tat, so Steinmetz, sei „abgelaufen wie nach einem Skript“.