Prozess in Hamburg

Bei Freigang: Sexualtäter und Totschläger vergewaltigt Frau

Die Asklepios-Klinik Nord in Ochsenzoll: Hier war Frank Sch. in den vergangenen 20 Jahren untergebracht.

Die Asklepios-Klinik Nord in Ochsenzoll: Hier war Frank Sch. in den vergangenen 20 Jahren untergebracht.

Foto: Thorsten Ahlf / HA

Obwohl der Täter einschlägig vorbestraft ist, wird sein Vollzug gelockert. Dann wird er rückfällig – und geht äußerst brutal vor.

Hamburg. Zunächst schien Frank Sch. ein ganz normaler Freier zu sein – man hatte sich auf einen Akt gegen Geld geeinigt. Was dann geschah, konnte die 45 Jahre alte Prostituierte unmöglich vorhersehen.

Unvermittelt packte der 57-Jährige sie auf einer Baustelle an der Alexanderstraße (St. Georg), schleuderte sie zu Boden, hielt ihr den Mund zu, würgte sie. Nachdem sie sich auf seinen Befehl hin ausgezogen hatte, fesselte er ihre Hände mit Kabelbindern auf dem Rücken, knebelte sie mit Kleidungsstücken. Sie solle bloß still sein, wenn sie nicht sterben wolle, befahl er ihr. Dann verging sich Frank Sch., nach Abendblatt-Informationen auf teils sadistische Weise. Sein Opfer muss ein Martyrium durchlitten haben.

Täter ist einschlägig vorbestraft

Der mutmaßliche Vergewaltiger der 45-Jährigen ist ein einschlägig verurteilter Triebtäter und Totschläger. Die letzten Jahrzehnte hat Frank Sch. in geschlossenen psychiatrischen Einrichtungen verbracht, seit 1998 befindet er sich in der Asklepios-Klinik Nord (Ochsenzoll) im Maßregelvollzug. Am 25. April dieses Jahres – dem Tag, an dem er über die Frau herfiel – hatte er Freigang. Am kommenden Mittwoch wird der Fall vor dem Landgericht verhandelt. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den 57-Jährigen Anklage wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung erhoben.

Es ist bei Weitem nicht die erste Verhandlung gegen den Mann. Bereits 1986 verurteilt ihn ein Gericht wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu sechs Jahren Haft, in dem Urteil ordnet es auch die Unterbringung in der Psychiatrie an, im Landeskrankenhaus Neustadt. Nachdem der Vollzug der Strafe 1993 zur Bewährung ausgesetzt und Frank Sch. entlassen wird, tötet er im 1994 eine Bekannte in deren Wohnung – er hatte sie zuvor im Landeskrankenhaus Neustadt kennengelernt. 1995 verurteilt ihn ein Gericht wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft und ordnet die erneute Unterbringung an.

Offenbar kommt erst Jahre später heraus, dass Frank Sch. 1994 auch noch eine Radfahrerin vergewaltigt hat. Unter Einbeziehung des Totschlagurteils verurteilt ihn das Landgericht Hamburg 1998 zu 14 Jahren Haft (und Unterbringung). Jährlich muss überprüft werden, ob Frank Sch. in der Psychiatrie bleiben muss – jährlich wird dies von den Strafvollstreckungskammern bejaht.

Von Dezember 2015 an wurde der Vollzug gelockert

Doch von Dezember 2015 an erhält der Mann Vollzugslockerungen – zunächst begleitete Ausgänge, dann auch unbegleitete, erst nur eine Stunde pro Woche, dann immer mehr. Seit September 2017 stehen ihm 30 Stunden pro Woche zur Verfügung, damit er als Praktikant in einer Fahrradwerkstatt arbeiten kann. Über diese 30 Stunden hinaus hat er noch Anspruch auf weitere stundenlange, unbegleitete „Park- und Stadtausgänge“. Ein Übergang in den offenen Vollzug wird erwogen, aber nicht umgesetzt.

Zuletzt entscheidet im März 2018 eine Hamburger Strafvollstreckungskammer, dass die Unterbringung fortdauern soll. Außerhalb der Klinikmauern, so die Einschätzung, stelle Frank Sch. nach wie vor dauerhaft eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Eine Prognose, die sich im April dieses Jahres bitter bewahrheitet hat – sofern die Vorwürfe zutreffen. Nach der Tat war Frank Sch. in die Klinik zurückgekehrt. DNA hatte die Ermittler des Fachdezernates für Sexualdelikte zu dem Mann geführt, weil dessen genetischer Fingerabdruck bereits wegen seiner früheren Straftaten bei der Polizei in einer Datenbank gespeichert ist.