Novum bei Hamburger CDU

Warum diese Frauen Union Männer in den Vorstand holt

Sie brechen Gender-Grenzen auf: Richard Seelmaecker (v. l.), Melanie Herfort, Caroline Mücke-Kemp, Jens Wolf und Stephan Gamm

Sie brechen Gender-Grenzen auf: Richard Seelmaecker (v. l.), Melanie Herfort, Caroline Mücke-Kemp, Jens Wolf und Stephan Gamm

Foto: Caroline Mücke-Kemp

Als bundesweit erster Kreisverband lässt die Frauen Union Hamburg-Nord auch männliche Parteifreunde mitwirken. Was dahintersteckt.

Hamburg.  Es wirkt zunächst wie eine dieser Mann-beißt-Hund-Geschichten, doch der Hintergrund ist durchaus ernst: Galt bislang als ausgemacht, dass die Hamburger CDU Probleme hat, Frauen in Ämter und Mandate zu bringen (so sind nur zwei von 20 Bürgerschaftsabgeordneten Frauen), drehen die weiblichen Parteimitglieder den Spieß nun um: Die Frauen Union Hamburg-Nord hat – nach eigener Aussage als erster und einziger deutscher Kreisverband – drei Männer für den Kreisvorstand kooptiert: die Bürgerschaftsabgeordneten Stephan Gamm, Richard Seelmaecker und Jens Wolf.

„Im Jahr 2019 gibt es für uns keine reinen Männer- oder Frauenthemen mehr“, sagte Caroline Mücke-Kemp, die als Kreisvorsitzende der Frauen Union in Nord bestätigt wurde. Die 27 Jahre junge Mutter wird künftig von Melanie Herfort als Stellvertreterin unterstützt. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht alle an und kann in der Politik unter Beteiligung beider Geschlechter vorangebracht werden.“

Frauen "ebenso leistungsstark wie Männer"

Gamm, Seelmaecker und Wolf seien erfahrene Abgeordnete, von denen sich die Frauen Union inhaltliche und organisatorische Unterstützung erhoffe. „Frau­en sind ebenso leistungs- und durchsetzungsstark wie Männer, und bei vorurteilsfreier Zusammenarbeit erzielen wir beste Ergebnisse nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Politik“, sagte Seelmaecker. Das wolle er „auch in der CDU Hamburg“ deutlich machen.

Maßnahmen gegen Ämterhäufung

Daneben hat die Frauen Union auch einige inhaltliche Vorstöße beschlossen, die helfen sollen, dass mehr Frauen in der Partei Verantwortung übernehmen. Unter anderem soll die weit verbreitete Ämterhäufung ein Ende haben. Jedes CDU-Mitglied soll maximal zwei Ämter in der Partei innehaben dürfen. So werde endlich Platz frei für engagierte Frauen, sagt Caroline Mücke-Kemp. Außerdem fordert sie, dass auch Doppelbesetzungen von Ämtern wie Kreis- oder Ortsvorsitz möglich sein müssten. So eine Verteilung der Arbeit auf mehrere Schultern würde die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und politischem Engagement erhöhen.