Hamburg

Abschiebung verhindert: Junger Flüchtling darf bleiben

Mohammad Moussa Abdu Wadi Abdelmoneim macht zurzeit ein Praktikum bei bei Bäcker Junge.

Mohammad Moussa Abdu Wadi Abdelmoneim macht zurzeit ein Praktikum bei bei Bäcker Junge.

Foto: ANDREAS LAIBLE / HA

Der 19-jährige Mohammad Moussa Abdu Wadi Abdelmoneim kann seine Ausbildung bei einem Bäcker beginnen – und ist überglücklich.

Hamburg. Das Bangen hat ein Ende: Der junge Ägypter Mohammad Moussa Abdu Wadi Abdelmoneim kann seine Ausbildung in Hamburg beginnen. Die Härtefallkommission der Hamburgischen Bürgerschaft hatte die Petition des von Abschiebung bedrohten 19-Jährigen am Donnerstag behandelt. „Wir haben für das Ersuchen eines Härtefalls gestimmt und bitten den Senat, eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen“, sagte der Ausschussvorsitzende Ekkehard Wysocki (SPD) auf Anfrage des Abendblatts. Zu inhaltlichen Aspekten wollte er sich nicht äußern. Jetzt geht der Fall zur Prüfung zurück in die Ausländerbehörde. In der Regel werde dem Votum der Härtefallkommission entsprochen, so der Abgeordnete.

Was sich kompliziert anhört, bedeutet für Abdelmoneim, dass er in Deutschland eine Zukunft hat. „Ich bin so froh und erleichtert. Ich kann es kaum in Worte fassen“, sagte der junge Mann. Schon seit Tagen habe er kaum geschlafen. „Ich war aufgeregt und traurig, weil ich nicht wusste, wie mein Leben weitergeht.“ Abdelmoneim, wie er von seinen Freunden genannt wird, war nach dem Tod der Eltern mit 15 Jahren als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling nach Hamburg gekommen. Er integrierte sich schnell, spricht hervorragend Deutsch und erhielt mit seinem guten Hauptschulabschluss sofort einen Ausbildungsvertrag als Fachverkäufer bei der Bäckerei-Kette Junge. Sein Traumjob.

Mehr als 50.000 unterzeichneten eine Online-Petition

Weil er aber die für die Identitätsprüfung erforderliche Geburtsurkunde nicht im vorgegebenen Zeitrahmen vorgelegt hatte, verweigerte ihm die Ausländerbehörde trotz der Lehrstelle eine Ausbildungsduldung nach der sogenannten 3+2-Regelung. Damit sollen Arbeitgeber die Möglichkeit bekommen, ausländischen Staatsbürgern eine Lehre anzubieten und sie danach zwei Jahre zu beschäftigen — unabhängig davon, über welchen Aufenthaltsstatus sie verfügen. Die behördliche Entscheidung wurde gerichtlich bestätigt. Abdelmoneims letzte Chance, in Deutschland bleiben zu können und eine Ausbildung zu machen, war die Anerkennung als Härtefall. Seine Geschichte hatte für Aufsehen und Unverständnis gesorgt, mehr als 50.000 Menschen unterzeichneten eine Online-Petition für ein Aufenthaltsrecht.

„Die Freude bei uns ist sehr groß“, sagte Junge-Sprecher Gerd Hofrichter nach der positiven Entscheidung der Kommission. Der künftige Ausbildungsbetrieb hatte immer betont, dass eine Lehrstelle für den jungen Ägypter freigehalten werde. Im Moment absolviert Abdelmoneim im Rahmen eines Berufsvorbereitungsjahrs an drei Tagen in der Woche ein Praktikum in einer Filiale in Wandsbek. „Er ist fester Teil des Teams und bei den Kunden sehr beliebt“, so Hofrichter. „Er kann zum 1. August seine Ausbildung bei uns starten.“

Für den jungen Mann kommt die lang erwartete Entscheidung gerade rechtzeitig. Am heutigen Freitag läuft seine aktuelle Duldung aus. „Jetzt gehe ich ohne Angst zu meinem Termin bei der Ausländerbehörde“, sagt Abdelmoneim und lacht. Sehr glücklich.