U-Bahn-Netz

U 4 soll bis auf den Kleinen Grasbrook fahren

Blick auf den Kleinen Grasbrook, wie er einmal aussehen soll.

Blick auf den Kleinen Grasbrook, wie er einmal aussehen soll.

Foto: Hosoya Schaefer Architects

SPD und Grüne wollen die Strecke der U-Bahn-Linie verlängern. Mit einem Bürgerschaftsantrag sollen die Vorplanungen

Hamburg.  Beim Ausbau des Hamburger U-Bahn-Netzes wollen SPD und Grüne einen weiteren Schritt gehen. Wie aus einem Bürgerschaftsantrag der Regierungsfraktionen hervorgeht, der dem Abendblatt exklusiv vorliegt, soll die U 4 von der Station Elbbrücken bis auf den Kleinen Grasbrook verlängert werden.

Ziel ist es, den dort geplanten neuen Stadtteil optimal an den öffentlichen Nahverkehr anzubinden. In dem Antrag, der am 13. Februar in der Bürgerschaft beschlossen werden soll, wird der Senat aufgefordert, die „entsprechenden Vorplanungsmittel zur Verfügung zu stellen“. Es sollten mögliche Trassenverläufe geprüft und Flächen für die U-Bahn freigehalten werden.

Neuen Stadtteil Kleiner Grasbrook „optimal anbinden“

„Auf dem nördlichen Teil des Kleinen Grasbrooks wird in den 20er Jahren ein neuer Stadtteil entstehen – ein Ort des Geistes, der Innovation und der Moderne“, heißt es in dem Antrag. „Der rot-grüne Senat will mit diesem Stadtentwicklungsvorhaben mitten im Herzen Hamburgs neue Quartiere schaffen, die eine gesunde Mischung aus Wohnen, Leben und Arbeiten bieten – inklusive Wohnraum für 6000 Menschen und einer guten Nahversorgung mit Schulen, Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten. Auf dem nördlichen Teil des Grasbrook sollen zwischen 8000 und 16.000 Arbeitsplätze entstehen.“

Dafür sei es „unabdingbar, dass der nördliche Teil des Kleinen Grasbrooks über den öffentlichen Nahverkehr optimal angebunden wird“, schreiben die Antragsteller. „Die Weiterführung der U-Bahn-Linie 4 zu den Elbbrücken eröffnet die ernsthafte Option für den vielfach erklärten Wunsch eines Sprungs über die Elbe – mit Zwischenhalt auf dem nördlichen Teil des Kleinen Grasbrooks.“ Durch eine frühzeitige Planung des U-Bahn-Anschlusses sei es möglich, „Synergien zu schaffen und Mehrkosten zu vermeiden“.

Bisher gibt es weder einen Zeitplan – noch eine Kostenschätzung

Die bereits im Zuge der Olympia-Bewerbung geplante Anbindung des Kleinen Grasbrooks an die U-Bahn war nach deren Scheitern gestoppt worden. Zuletzt war die Wiederaufnahme der Planungen aber häufiger gefordert worden – etwa von Oberbaudirektor Franz-Josef Höing. „Eine U-Bahn ist am besten geeignet, die vielen Menschen dorthin zu bringen und wieder abzuholen“, sagte Höing im vergangenen Sommer.

Auf einen Zeitplan oder gar eine Kostenschätzung will man sich vor Beginn der ersten Planungen zwar weder in der Koalition noch bei der Hochbahn einlassen. Es heißt aber, der U-Bahn-Bau könne gegen Ende 20er Jahre beginnen. Wenn alles reibungslos läuft, sei von einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag für den Anschluss auszugehen, hieß es. Valide Aussagen seien aber dazu heute noch nicht möglich.

Hochbahn ist opmistisch, was den Sprung über die Elbe angeht

Mit allzu großen technischen Problemen rechnet man aber nicht. „Es gibt technisch herausfordernde Projekte als den Sprung über die Elbe, sagte Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum dem Abendblatt. Zu beachten ist allerdings, dass die Freihafenelbbrücke, die südlich der U4-Station Elbbrücken über die Norderelbe führt, saniert oder neu gebaut werden muss.

Der Senat wird daher im rot-grünen Bürgerschaftsantrag aufgefordert, „die Hamburger Hochbahn, die Hamburg Port Authority und die HafenCity Hamburg damit zu beauftragen, durch eine Abstimmung der Planungen der Projekte für die Schienenanbindung des nördlichen Teils des Kleinen Grasbrooks, die Sanierung bzw. den Neubau der Freihafenelbbrücke als auch für das Gesamtvorhaben mögliche Synergien zu nutzen“.

Fahrrad-Infrastruktur soll ebenfalls frühzeitig entwickelt werden

Parallel soll der neue Stadtteil auch an den Radverkehr angebunden werden. SPD und Grüne fordern den Senat auf, „zu ermitteln, auf welchem Weg (Freihafenelbbrücke, mögliche U-Bahn-Brücke) der Radverkehr am besten auf den nördlichen Teil des Kleinen Grasbrooks sowie nach Osten auf die Veddel und weiter nach Süden Richtung Wilhelmsburg/Harburg geführt werden kann, und dies ggfs. bei der U-Bahn-Planung zu berücksichtigen“.

Für die Vorsitzenden der Regierungsfraktionen Dirk Kienscherf (SPD) und Anjes Tjarks (Grüne) ist die Planung ein wesentlicher Teil des Sprungs über die Elbe. „Bei der Entwicklung neuer Stadtteile muss frühzeitig die Anbindung an den ÖPNV sowie eine bestmögliche Radverkehrsinfrastruktur mitgeplant werden“, sagte Tjarks. Der Kleine Grasbrook verfüge „aufgrund seiner citynahen Lage und der Nähe zum Wasser über ein riesiges Potenzial“, so Tjarks.

„Und genau dies werden wir erschließen“, kündigt Tjarks an. „Wir realisieren den Sprung über die Elbe, binden die Veddel mit dem neuen Stadtteil an die City an und schaffen mit dem Moldauhafen, dem Freihafen und dem Hafentor drei Quartiere, die modernes Wohnen und Arbeiten mit einer hohen Lebens- und Aufenthaltsqualität verbinden. Darin liegt auch ein Wohlstandsversprechen für die Zukunft unserer Stadt.“

Interessen des Hafens werden „besonders berücksichtigt“

SPD-Fraktionschef Kienscherf sagte: „Eine Haltestelle ‚Grasbrook‘ ist für ganz Hamburg ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Dekade des Schnellbahnausbaus“. Die Vorplanungen stellten „mit der Prüfung der Trassenverläufe und der Fortführung der neu errichteten Haltestelle ‚Elbbrücken‘ über eine neue Elbbrücke hinweg nach Süden wichtige Weichen“.

Koalition und Senat würden „dabei darauf achten, dass die neue Haltestelle so platziert wird, dass die Option einer weiteren Verlängerung nach Süden erhalten bleibt.“ Dabei sei „ganz klar, dass auch die Interessen des Hafens besondere Berücksichtigung finden“.