Hamburg

Europa leuchtet – auf einem Kraftwerk in Hammerbrook

Am Donnerstag wurde die EUROPA-Lichtinstallation eingeweiht – ein Schriftzug aus 33 Neonröhren in etwa  24 Metern Höhe auf dem Kraftwerk Bille.

Am Donnerstag wurde die EUROPA-Lichtinstallation eingeweiht – ein Schriftzug aus 33 Neonröhren in etwa 24 Metern Höhe auf dem Kraftwerk Bille.

Foto: ANDREAS LAIBLE

Installation mit 33 Neonröhren sendet eine Botschaft. Und es entsteht eine Mischung aus Gewerbe, Gastronomie und Kultur.

Hamburg.  Europa ist drei Meter hoch und leuchtet. Auf dem alten Bille-Kraftwerk strahlen seit Donnerstagabend in 24 Metern Höhe die sechs Buchstaben in den Nachthimmel, weithin sichtbar vom Heidenkampsweg, aus der S-Bahn nach Bergedorf oder dem ICE nach Berlin. Verantwortlich für die Lichtinstallation von Caro Baumann und Johannes Schele aus Berlin ist der Investor MIB Coloured Fields GmbH.

„Europa ist unser Herzensanliegen“, sagt Bertram Schultze, Geschäftsführer der MIB. „Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte: Das sind die Grundwerte der EU und dafür leuchtet Europa.“

Senator Brosda knipste das Licht an

Hamburg ist der achte Ort, in dem die Installation aus 33 Neonröhren zu sehen ist – erstmals auf einem Gebäude angebracht. Kultursenator Carsten Brosda knipste das Licht an: „Die Installation erinnert daran, wie wichtig die EU ist, sie ist ein strahlender Hinweis, dass Europa keine Selbstverständlichkeit ist.“

Nebenbei soll der Schriftzug aber auch für ein Projekt leuchten, das Leben in den wilden Hamburger Osten bringen soll. Das backsteinerne Kraftwerk Bille, um die Jahrhundertwende errichtet und bis 1938 erweitert, soll zu einem Schmuckstück in dem Stadtteil werden. Noch vor wenigen Jahren sollte das Fabrikensemble der Abrissbirne geopfert werden, der Denkmalschutz rettete das letzte historische Kraftwerk in Hamburg kurz vor knapp.

Mischung aus Gewerbe, Gastronomie und Kultur

Nun soll am Bullerdeich eine Mischung aus Gewerbe, Gastronomie und Kultur entstehen. Noch bedarf es einiger Phantasie, um sich ein Kulturzentrum vorstellen zu können. Denn in den vergangenen Jahrzehnten hatten die Nachnutzer das Kraftwerk heruntergewirtschaftet, Trockenbauwände eingezogen, Holzverschläge eingebaut, die Substanz verfallen lassen. Auf dem zweiten Blick aber deutet das Gebäudeensemble mit einer Bruttogeschossfläche von rund 20.000 Quadratmetern an, was in ihm steckt. Man erkennt alte Fliesen, historische Treppenhäuser, originale Industriearchitektur.

Veranstaltungen für 1200 Leute

Unter einem Glasdach, getragen von Stahlträgern, liegt die Kesselhalle. Sie soll Platz bieten für Veranstaltungen für 1200 Leute. „Sie ist das Herzstück. Hier fangen wir in diesem Jahr an“, sagt Schultze. „Wir haben Großes vor.“ Das ganze Objekt soll bis 2024 entwickelt sein. 20 Millionen Euro will die Gesellschaft investieren, ein Teil kommt aus Fördertöpfen des Bundes. „Solche Orte brauchen zehn Jahre Zeit“, sagt Schultze. 2014 hat das Leipziger Unternehmen das Kraftwerk erworben. Nicht alles lief nach Plan – die Oldtimer-Erlebniswelt vor Ort scheiterte. Das ficht Schultze nicht an. „Noch ist zwar nicht viel saniert. Aber das wird ein quirliger Ort mit einer urbanen Nutzung“, verspricht er.

Ort für Kreative

Schultze möchte, dass junge kreative Unternehmen hier eine Heimat finden und zugleich Kultur Besucher von außen locken. „Wenn die kritische Masse erst einmal da ist, geht es ganz schnell.“ MIB hat gezeigt, wie es funktionieren kann: Der Entwickler hat mit der Baumwollspinnerei in Leipzig und der Nürnberger AEG Waschmaschinenfabrik zwei Industriebauten erfolgreich revitalisiert.

Noch aber liegt das Kraftwerk Bille in einem Meer der Monotonie, zwischen Gewerbeflächen, Brachflächen, Industriebauten. Die Bomber der Operation Gomorrha hatten Hammerbrook und Rothenburgsort im Juli 1943 zerstört, das Kraftwerk Bille blieb fast als einziges Gebäude weitgehend verschont. Urbanität ist dort nie wieder entstanden, nur eine Peripherie im Herzen Hamburgs. Geht es aber nach den Visionen der Stadtplaner, soll sich das bald ändern: Rothenburgsort und Hammerbrook sollen wieder auferstehen.

Neue grüne Achse

Wo das Kraftwerk Bille steht, wird sich dereinst der Elbe-Alster-Grünzug entlangziehen, eine grüne Achse, die Radfahrer rasch in die Stadt bringen soll. Die Leerflächen in den Büro- und Gewerbestadtteilen sollen belebt werden, wie Wurzeln wachsen Wohnquartiere dem Kraftwerk auf der Mitte zwischen den beiden S-Bahn Stationen entgegen. Im Norden entstehen zwischen Münzviertel und Mittelkanal 2000 Wohnungen, im Süden ist Wohnbebauung am Entenwerder Park geplant. Und im Osten soll der Billebogen zur „neuen Speicherstadt“ werden.

Das Kraftwerk stünde dann mitten im Leben. Dementsprechend viele Pläne gibt es für den Standort. „Wir fassen jedes Bauteil an“, verspricht Frauke Woermann, Projektleiterin im Kraftwerk Bille. „Die Mischung der Architektur macht diesen Ort aus.“ Aus dem fünfgeschossigen Wandlerwerk, einem Industriebau der späten 20er-Jahre, kann man bis zur Elbphilharmonie blicken, das oberste Geschoss des Zählerwerks mit seinen Rundbogenfenstern wird schon jetzt für Veranstaltungen genutzt. Die Erdgeschossflächen sollen als Galerien, Showroom und Gastronomie für die Öffentlichkeit zugänglich sein, die Bille hinter der Kohlehalle wird mit einem Anleger erschlossen.

Undergroundfestival „Hallo Festspiele“

Bislang gibt es vor Ort eine Agentur, ein Fotostudio und einige Ateliers. Zudem bespielen immer wieder Künstler das Areal, etwa mit dem Undergroundfestival „Hallo Festspiele“. Auch an diesem Wochenende gibt es dort einige faszinierende Installationen zu sehen, wie etwa ein digitaler Wasserfall (der Bitfall von Julius Popp) oder „Die Rückkehr des Hirten“ der Spanierin Christina Moreno Garcia.

Ausstellung geöffnet: Freitag bis Sonntag,
25. bis 27. Januar, 15 - 19 Uhr, Eintritt frei, Bullerdeich 14a