Demografie-Konzept 2030

So plant Hamburg für ein lebenswertes Alter in der Stadt

Für Senioren muss das Umfeld stimmen. Auch komfortable Gehwege gehören dazu, und nicht Stolperwege wie hier im von vielen Älteren bewohnten Poppenbüttel.

Für Senioren muss das Umfeld stimmen. Auch komfortable Gehwege gehören dazu, und nicht Stolperwege wie hier im von vielen Älteren bewohnten Poppenbüttel.

Foto: Andreas Laible

Hausbesuche und Nachbarschaftszentren sollen künftig ein selbstständiges Leben bis ins hohe Alter ermöglichen.

Hamburg ist zwar mit einem Altersdurchschnitt von 42,1 Jahren das Bundesland mit den jüngsten Einwohnern und erfreut sich einer Zuwanderung von jährlich 30.000 meist jüngeren Menschen. Aber auch hier wird die Zahl der Senioren in den kommenden Jahren deutlich steigen.

Darauf will sich der Senat mit seinem „Demografiekonzept 2030“ einstellen, das er bereits 2014 aufgelegt und jetzt aktualisiert und ergänzt hat. Um die Stadt auch für die wachsende Zahl von Senioren noch lebenswerter zu machen, sollen „demografiefeste Quartiere“ eingeführt werden, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag im Rathaus. „Wenn wir Lebensqualität bewahren und steigern und demografische Veränderungen bewältigen wollen, müssen wir uns auf das unmittelbare Lebensumfeld der Menschen konzentrieren: das Quartier“ , so Prüfer-Storcks. „Nur wenn die Menschen dort alles zum Leben finden, können sie im Alter in der eigenen Wohnung bleiben.“

Dafür soll etwa die Ausweitung des Programms „Hamburger Hausbesuch für Seniorinnen und Senioren“ auf die ganze Stadt sorgen, das in Eimsbüttel und Harburg bereits läuft.

Besuche mit Infos für Senioren

Dabei können Senioren ab 80 Jahren sich von „geschulten Besuchspersonen“ der Behörde „über die vielfältigen präventiven gesundheitlichen Angebote“ informieren lassen, ebenso wie über „Hilfen bei gesundheitlichen Problemen, gegen Vereinsamung, bei Pflegebedürftigkeit oder für Unterstützungsbedarf im Haushalt“. Auf Wunsch werden auch Hilfen vermittelt.

Zudem fördert der Senat mit 1,2 Millionen Euro pro Jahr das Programm „Wohnen bleiben im Quartier“ und das „Wohn- und Versorgungskonzept LeNa – Lebendige Nachbarschaft“, das „ lebenslanges und generationenübergreifendes Wohnen im eigenen Quartier“ durch passgenaue Unterstützung ermöglichen soll. Dafür werden Wohnanlagen altersgerecht gestaltet, Pflegedienstleister direkt eingebunden und Nachbarschaftstreffs eingerichtet.

Bevölkerungsentwicklung beobachten

Auch will der Senat künftig die Bevölkerungsentwicklung bis in einzelne Quartiere hinein genau erheben. Mit der „Initiative Urbanes Leben“ soll jeweils einem Viertel pro Bezirk „ein kleinräumiges Demografie-Monitoring“ eingeführt werden , bei dem Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zur Altersstruktur und zu Migrationsbewegungen erhoben werden. Schon jetzt ist bekannt, dass einzelne Bezirke und Stadtteile sich nach Altersdurchschnitt deutlich unterscheiden. Nach Bezirken haben Bergedorf, Altona und Harburg den höchsten Anteil an Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Nach Stadtteilen sind es beispielsweise Lurup und Osdorf, Neuallermöhe, Sinstorf und Billbrook, aber auch die Walddörfer mit Volksdorf und Bergstedt.

Den höchsten Anteil an 65-jährigen und älteren Menschen an der Bevölkerung hat laut Senat unter den Bezirken mit weitem Abstand Wandsbek, gefolgt von Eimsbüttel. Unter den Stadtteilen treten dabei Poppenbüttel und Wellingsbüttel, Rissen und Blankenese sowie Marmstorf und Niendorf hervor. Auch im bis 2030 prognostizierten Bevölkerungswachstum unterscheiden sich die Stadtteile deutlich.

Alternative Wohnformen für Senioren

Den stärksten Zuwachs wird laut Senat Wilhelmsburg erfahren, während in Groß-Flottbek die Bevölkerung leicht abnimmt. „Hamburg ist eine attraktive und wachsende Stadt“, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). „Damit das so bleibt und alle daran teilhaben können, setzen wir seit 2014 die langfristige Strategie Hamburg 2030 um. Wir können uns über die steigende Lebenserwartung freuen. Immer mehr Menschen bleiben länger aktiv. Darauf stellen wir uns als moderne Stadt ein. Wir investieren in Barrierefreiheit, fördern Pflegeeinrichtungen und bauen alternative Wohnformen für Senioren aus.“

Zwei Millionen Einwohner erwartet

Hinzu komme die starke Zuwanderung. Der globale Trend zum Leben in der Stadt halte an, so der Senat. Es werde erwartet, dass die Zahl der Einwohner in Hamburg bis 2030 von jetzt mehr als 1,8 Millionen auf dann bis zu zwei Millionen steige. Im Jahr 2035 werden in Hamburg 425.000 Menschen älter als 65 Jahre alt sein – das entspricht einem Zuwachs von 90.000. 120.000 von ihnen sind dann sogar über 80 Jahre. „Die zentrale Herausforderung durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft ist aber nicht nur die Schaffung von altersgerechtem Wohnraum, sondern auch die Gewinnung von Menschen, die pflegen“, so die Gesundheitsbehörde. „In den vergangenen Jahren wurde die Ausbildung in Hamburg stetig und messbar gesteigert. Noch nie haben so viele Menschen im Pflegeberuf gearbeitet wie heute.“

FDP kritisiert Konzept

Die FDP hält das Konzept für ungenügend. Das Senatspapier „entpuppt sich als eine Aneinanderreihung von Selbstverständlichkeiten und bereits bekannter Notwendigkeiten“, sagte FDP-Gesundheitspolitikerin Jennyfer Dutschke. „Selbst hierbei bleibt Senatorin Prüfer-Storcks vage und lässt völlig offen, bis wann ihre Absichtserklärungen umgesetzt sein sollen. Herausforderungen des demografischen Wandels werden so nicht zeitnah bewältigt, sondern bestenfalls verwaltet.“