Prozess

Anwalt veruntreut eine halbe Million Euro

Der Hamburger Anwalt nutzte im Untreue-Prozess kuriose "Tricks". Einmal fiel er filmreif vom Stuhl, um eine Krankheit zu simulieren.

Hamburg. Die Leute hatten Peter D. vertraut. Ihm, einem Anwalt, der die Dinge in ihrem Sinne richten sollte und natürlich treu nach dem Gesetz. Doch das Geld kam niemals bei den Menschen an, für die es bestimmt war. Weder beim Verein SOS-Kinderdorf, dem eine Dame 232.000 Euro hatte vermachen wollen, noch bei einem Mann, der sein Pflichtteil von gut 270.000 Euro aus einem Erbe hatte bekommen sollen.

503.000 Euro veruntreut

Die insgesamt mehr als 503.000 Euro, die Anwalt Peter D. an seine Mandanten hätte weiterleiten müssen, hat der 55-Jährige veruntreut und für sich behalten. Davon ist das Schöffengericht, vor dem sich der Hamburger verantworten musste, überzeugt. Deshalb verurteilte ihn das Gericht zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Darüber hinaus erhält Peter D. ein Berufsverbot von fünf Jahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Man könne nur spekulieren, sagte der Vorsitzende Richter, warum der Anwalt so viel Geld gebraucht habe, „dass eine halbe Million Euro versickert ist“. Zeugen hatten geschildert, dass sie Peter D. mit Erbangelegenheiten beauftragt hatten. Als es darum ging, dass sie die ihnen zustehenden Summen ausgezahlt bekommen wollten, habe der Anwalt sie immer wieder hingehalten. Bis heute haben sie ihr Geld nicht bekommen. Zu den Vorwürfen hatte Peter D. sich an keinem der drei Verhandlungstage geäußert.

Krank gespielt

Vielmehr hatte er versucht, wegen angeblicher Krankheit dem Verfahren zu entgehen. Einmal war er bühnenreif vom Stuhl gerutscht, ein anderes Mal hatte er sich einer Amtsarzt-Untersuchung entziehen wollen, indem er sich in seiner Wohnung verbarrikadierte und unter einem Tisch verkroch. Erstaunlich war dabei, dass er parallel zu diesem Prozess in einem anderen Verfahren als Verteidiger auftrat – und dort vor dem Schwurgericht jeweils kurz vor und kurz nach seiner vorgeblichen Verhandlungsunfähigkeit putzmunter im Gerichtssaal saß.