Nahverkehr

Höhere Preise ab Januar: Warum ist der HVV so teuer?

Wer in Hamburg mit Bus und Bahn fahren will – hier der U-Bahnhof Rödingsmarkt –, muss zum Jahresbeginn wieder deutlich mehr bezahlen.

Wer in Hamburg mit Bus und Bahn fahren will – hier der U-Bahnhof Rödingsmarkt –, muss zum Jahresbeginn wieder deutlich mehr bezahlen.

Foto: Michael Rauhe

Die Preise steigen weit schneller als die Inflationsrate. Tickets kosten deutlich mehr als in Berlin oder München.

Hamburg.  Auch wenn immer wieder zahlreiche Bahnen ausfallen, Busse sich zunehmend verspäten und die Fahrgastzahlen kaum noch steigen – auf eine Sache ist beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV) Verlass: Wenn ein neues Jahr beginnt, werden die Preise erhöht. Auch zum 1. Januar 2019 ist dies wieder so. Im Schnitt steigen die Preise um 2,1 Prozent, und damit so stark wie zuletzt vor vier Jahren.

Im Zehnjahresvergleich wurden die HVV-Preise sogar im Durchschnitt jedes Jahr um 2,5 Prozent erhöht. Ein paar Beispiele für die erhebliche Teuerung: 2009 kostete eine Einzelkarte für eine Zone noch 1,65 Euro – von 2019 an sind 2,30 Euro fällig, eine Steigerung um 39 Prozent. Bei der Tageskarte waren es 2009 6,30 Euro – zehn Jahre später ist das Ticket mit 7,80 Euro um 24 Prozent teurer. Die Monatskarte für das Stadtgebiet ist von 88 Euro im Jahr 2009 auf 109,20 Euro in diesem Jahr gestiegen. Besonders hart trifft es diesmal die Karten für Kinder. Deren Preise erhöhte der HVV gleich um mehr als acht Prozent.

Hamburg ist deutlich teurer als die meisten anderen Städte

Dass generell alles teurer wird, ist bekannt. Das lässt sich mit dem Verbraucherpreisindex veranschaulichen, der vom Statistischen Bundesamt unter anderem anhand der Verkaufspreise im Einzelhandel, den Preisen für Handwerksleistungen und Eintrittspreisen für kulturelle Einrichtungen berechnet wird. Danach stiegen die allgemeinen Verbraucherpreise von 2007 bis 2017 um 13,7 Prozent. Im selben Zeitraum erhöhte der HVV seine Preise im Durchschnitt um 35,9 Prozent. Damit liegt die HVV-Teuerung weit über der allgemeinen Inflationsrate. Interessant in diesem Zusammenhang ist: Der Preis für Superbenzin stieg im Vergleichszeitraum nur um 1,6 Prozent, der für Diesel fiel sogar um 1,2 Prozent.

Im Preisvergleich mit anderen Städten macht der Hamburger Nahverkehr ebenfalls keine gute Figur. Das größte deutsche Onlineportal für Warentests – testberichte.de – verglich am Jahresende 2018 die Preise des öffentlichen Personennahverkehrs in den 39 größten Städten Deutschlands. Die Gesamtwertung für Hamburg: Platz 34 von 39. In den Rubriken Monats- und Einzelfahrtkarten belegte die Hansestadt jeweils den letzten Platz. In keiner der 38 anderen Städte waren die Karten teurer. Der Preis für die Monatskarte im Hamburger Stadtgebiet stieg von 88 Euro im Jahr 2009 auf 109,20 Euro in diesem Jahr. Zum Vergleich: In Berlin kostet die Monatskarte 2019 zum vierten Jahr in Folge 81 Euro. Und ein Münchner zahlt für sein Monatsticket sogar nur 79,10 Euro.

Steigende Kosten werden fast allein von den Fahrgästen aufgefangen

Der HVV begründet seine Preiserhöhungen regelmäßig mit steigenden Personal-, Diesel- und Strompreisen sowie der Verbraucherpreisentwicklung. Diese steigen aber nicht so schnell wie die Ticketpreise. Dass die Fahrkarten teurer werden, liegt auch daran, dass sich die Stadt langsam aus der Finanzierung des bestehenden Netzes zurückzieht. Denn die Einnahmen aus dem Ticketverkauf allein decken nicht die Betriebskosten der Strecken. Der Verkehrsverbund wird deshalb unter anderem von der Stadt Hamburg gefördert.

Wenn es zum Beispiel Taktverdichtungen gibt oder neue Buslinien, werden diese durch die Stadt mitfinanziert. Aufgrund höherer Ausgaben steigen aber auch die Betriebskosten der alten Strecken. Hier bleiben die Zuschüsse der Hansestadt allerdings seit Jahren unverändert. Die steigenden laufenden Kosten werden also fast allein von den Fahrgästen aufgefangen. Während die Fahrgastzahlen von 2007 bis 2017 lediglich um 26 Prozent stiegen, erhöhten sich die Einnahmen durch Ticketverkäufe in derselben Zeit um 62 Prozent.

Opposition drängt auf günstigere Angebote

SPD und Grüne haben den kommenden Preiserhöhungen des HVV zugestimmt. „Niemand ist glücklich, wenn etwas teurer wird“, sagt Dorothee Martin. Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD hält die Tarifanpassung aber für nötig und verweist auf eine größere Kapazität zum aktuellen Fahrplanwechsel. Ihre Partei werde sich aber künftig genau anschauen, ob einzelne Gruppen von Preiserhöhungen ausgenommen werden können.

Die Opposition drängt seit Langem auf günstigere Angebote. „Wir haben schon vor Jahren eine Fahrpreisbremse gefordert“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dennis Thering. Doch den Kostenstopp hätten SPD und Grüne abgelehnt. Zuletzt wollte seine Fraktion durchsetzen, wenigstens für Kinder und Senioren Tickets günstiger anzubieten. Aber auch das sei abgelehnt worden. „Der HVV muss attraktiv bleiben – dazu gehört, die Fahrpreise nicht ständig anzuheben“, sagt der CDU-Politiker. Im Rahmen der Inflation sei das Anpassen der Preise zwar in Ordnung. Aber es werde weit übers Ziel hinausgeschossen. Thering sagt: „Wenn wir Menschen dazu bringen wollen, vom Auto auf Bus und Bahn umzusteigen, müssen die Tickets günstiger werden.“