Recherchebüro Correctiv

Justiz ermittelt gegen Hamburger Journalisten

Das Correctiv-Logo ist zu sehen.

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Foto: dpa

Oliver Schröm im Visier der Staatsanwaltschaft. Konkret geht es um Recherchen zu umstrittenen Cum-Ex-Geschäften.

Hamburg.  Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen Oliver Schröm, den Chefredakteur des Recherchebüros Correctiv, mit dem auch das Abendblatt zusammenarbeitet, „wegen des Verdachts der Anstiftung zum Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen und unbefugter Verwertung” nach Paragraf 17 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb.

Konkret geht es um Recherchen für eine Geschichte über umstrittene Cum-Ex-Geschäfte, die Schröm 2014 für den „Stern“ anstellte. Bei Cum-Ex-Geschäften lassen sich Anleger eine einmalig gezahlte Kapitalsteuer mehrfach zurückerstatten. Nach Ansicht der Bundesregierung ist diese Praxis illegal. In Europa soll sich der Schaden, der durch Cum-Ex-Geschäfte entstanden ist, auf mehr als 55 Milliarden Euro belaufen.

Schröm hatte im Umfeld der Schweizer Privatbank Sarasin recherchiert und war von dem Geldhaus angezeigt worden. Die Staatsanwaltschaft Zürich stellte im März, vier Jahre nach Beginn der Ermittlungen, ein sogenanntes „Strafübernahmeersuchen“ an die Staatsanwaltschaft Hamburg, die spätestens seit Mai selbst ermittelt.

Unterstützung für Correctiv-Chef

Der Journalist hatte davon nach eigenen Angaben erst im Oktober durch Zufall erfahren: Ein ihm bekannter Mann habe sich bei ihm gemeldet. Dieser sei von der Staatsanwaltschaft vernommen worden, um herauszufinden, ob er ein Informant Schröms sei.

Der Correctiv-Chef hat den Vorgang, den die Staatsanwaltschaft bestätigt, nun öffentlich gemacht. Seine Organisation hat zudem einen Brief an Bundesjustizministerin Katarina Barley und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (beide SPD) geschrieben, in dem es heißt: „Wir fordern Sie auf, die Strafverfolgung gegen Journalisten zu beenden und stattdessen die wahren Schuldigen vor Gericht zu bringen: Die Menschen, die unsere Steuern gestohlen haben.“

Schröm und Correctiv wissen in dieser Angelegenheit die Journalisten-Organisationen DJV und dju an ihrer Seite. Auch der Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick von Bündnis 90/Die Grünen unterstützt den 54-Jährigen.