St. Pauli

Radisson-Blu-Direktor: „Wir leben hier wie auf einer Insel“

Direktor Oliver Staas steht auf der Baustelle vor seinem Hotel, das mit 556 Zimmern und Suiten das größte der Stadt ist.

Direktor Oliver Staas steht auf der Baustelle vor seinem Hotel, das mit 556 Zimmern und Suiten das größte der Stadt ist.

Foto: Mark Sandten / HA

Oliver Staas spricht über die Herausforderungen, direkter Nachbar der Großbaustelle des Congress Center Hamburg zu sein.

Hamburg.  Das Leben auf einer Baustelle gehört für Oliver Staas seit fast zwei Jahren zu seinem Alltag. Denn direkt neben dem Radisson Blu Hotel Hamburg am Bahnhof Dammtor wird seit Anfang 2017 das CCH (Congress Center Hamburg) revitalisiert und ein neuer Gebäudetrakt gebaut: „Wir freuen uns darauf, wenn die Bauarbeiten vorbei sind. Wir leben hier wie auf einer Insel. Denn um uns herum wird überall gebaut“, sagt Staas, der das Haus seit acht Jahren leitet, dem Abendblatt.

Wer in Hamburgs höchstem und mit 556 Zimmern und Suiten größtem Hotel aus dem Fenster schaut, der blickt auf Sandberge, Bagger und Kräne. Zur Zeit wird der Rohbau für den neuen Gebäudetrakt des CCH hochgezogen, auch mit dem Innenausbau wurde bereits begonnen. Einen offiziellen Eröffnungstermin gibt es allerdings immer noch nicht. Es war von Ende 2020 die Rede (wir berichteten). Erste Veranstaltungen sollen dem Vernehmen nach im August 2020 im CCH, auch wenn es dann vielleicht noch nicht komplett fertiggestellt ist, abgehalten werden.

Eigentlich war die Eröffnung des 1973 eröffneten Tagungszentrums bereits für September 2019 geplant. Doch wegen Asbest im Beton kam es zu Verzögerungen. Dann wurde auch noch festgestellt, dass die Betondecke der zweistöckigen Tiefgarage brüchig ist. Nun muss diese aufwendig saniert werden. Das ist auch ein Grund dafür, dass der Zeitplan sich weiter nach hinten verschoben hat. Für Oliver Staas und seine Gäste bedeuten die Bauarbeiten einiges an Herausforderungen: Einer der Eingänge steht nicht mehr zur Verfügung. Der verbliebene wiederum ist nur über eine Treppe und deshalb nicht barrierefrei zu erreichen.

Negative Reaktionen

Die große CCH-Garage wird saniert, dem Hotel stehen nur noch 200 Parkplätze zur Verfügung. Im gesamten Haus wurden Lärmmessgeräte aufgebaut: „Wir haben einen Vertrag mit der Stadt, in dem geregelt ist, wie hoch die Lärmemissionen sein dürfen und dass laute Arbeiten erst morgens ab 9 Uhr begonnen werden können. Das funktioniert in der Regel gut“, sagt Staas. Einmal im Monat sitzt der Direktor mit Vertretern der Sprinkenhof GmbH zusammen, die von der Stadt als Projektmanager eingesetzt wurde: „Wir sprechen dann darüber, welche Entwicklungen auf der Baustelle anstehen.“

Das rund 118 Meter hohe Gebäude wurde vor dem Start der CCH-Bauarbeiten exakt vermessen, „damit Schäden dokumentiert werden können, die durch die Bauarbeiten entstehen“, sagte Staas. Den Gästen werde bereits auf der Internetseite des Hotels mitgeteilt, dass momentan in der Nachbarschaft gebaut werde, sagte Staas. Trotz der Baustellensituation ist die Auslastung des Hotels seinen Angaben zufolge konstant bei rund 80 Prozent. Es gebe auch keine Sonderpreise wegen der Baustelle: „Die meisten Kunden haben Verständnis“, sagte Staas.

Doch es gibt auch einige negative Reaktionen auf Bewertungsportalen im Internet – offensichtlich ist doch nicht allen Gästen vorab klar, welche Situation sie erwartet: „Riesen-Baustelle mit Unannehmlichkeiten verbunden und trotzdem den vollen Preis bezahlen ohne vor der Buchung darauf hingewiesen zu werden“, kritisiert ein Gast.

Auch mit der 9-Uhr-Regelung scheint es nicht immer zu funktionieren. So ist auf einem der Portale zu lesen: „Baustellenlärm. Erst nach Beschwerde wurde ein anderes Zimmer angeboten. Arbeitsbeginn auf der Baustelle am Sonnabend 6.30 Uhr.“ Für Staas steht fest: „Wenn es Beschwerden der Gäste wegen der Baustelle gibt, versuchen wir natürlich alles, um die Kunden zufriedenzustellen. Also beispielsweise ein anderes Zimmer anzubieten.“

Nicht nur das CCH soll im neuen Glanz erstrahlen. Nach der Eröffnung stehen Kapazitäten für bis zu 12.000 Personen in 50 Sälen zur Verfügung. Auch das Radisson Blu wird zurzeit neu gestaltet und rund sechs Millionen Euro investiert: „Wir werden unseren Eingangsbereich neu gestalten und die Zimmer werden bereits modernisiert “, sagte Staas.