Hamburg

Quartier der Gegensätze: Wer in die Stadthöfe einziehen soll

Christian Schmidt betreibt bereits zwei Business-Center und wird neuer Mieter in den Stadthöfen zwischen Stadthausbrücke und Bleichenbrücke.

Christian Schmidt betreibt bereits zwei Business-Center und wird neuer Mieter in den Stadthöfen zwischen Stadthausbrücke und Bleichenbrücke.

Foto: Michael Rauhe / HA

Das Ziel ist, bis 2020 alle Ladenflächen vermietet zu haben. Auch Brauhaus und Schlachter sind als Mieter im Gespräch.

Hamburg.  Die Stadthöfe an der Stadthausbrücke sind ein Quartier der Gegensätze: Auf der einen Seite das im Juni dieses Jahres eröffnete Tortue Hotel, zu dessen Mittelpunkt der lebendige Treppenhof gehört. Dort liegen die Terrassen der hauseigenen Bar Noir und das asiatische Restaurant Jin Gui. Nur ein paar Meter weiter im Stadthof herrscht Tristesse. Leere Ladenflächen empfangen hier die Besucher. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch in anderen Ecken des Gebäudeensembles, in dem einst die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt saß.

Der Hamburger Projektentwickler Quantum hat die denkmalgeschützte Immobilie revitalisiert (wir berichteten), erweitert und dort eine Mischung aus Büros, Wohnen, Gastronomie und Einzelhandelsfläche geschaffen. Von einem Investitionsvolumen von 250 Millionen Euro ist die Rede. Eigentümer ist die Ärzteversorgung Niedersachsen.

Zum ersten Mal spricht jetzt Quantum-Projektleiterin Tanja Lucas ausführlich über die Zukunft des Gebäudeensembles: „Wir verfolgen für die Stadthöfe einen ganz besonderen Branchenmix und suchen deshalb jeden einzelnen Mieter für die Einzelhandels- und Gastronomieflächen sorgfältig aus.“

Clevere Food-Konzepte

Quantum ist für die Gewerbevermietung verantwortlich. Das Quartier werde weder Shopping-Center noch klassische Passage, entsprechend sei das Raumangebot nicht auf internationale Ketten, sondern vorzugsweise auf regionale Konzepte zugeschnitten. Der Fokus richte sich auf individuelle Ladenbetreiber, Gastronomen und Dienstleister, die gern aus der innovativen Hamburger Geschäftsszene kommen dürfen, so Lucas. Der eher kleinteilige Zuschnitt der Flächen sei auch den baulichen Strukturen der historischen Gebäude geschuldet.

Die meisten Einheiten sind etwa 100 bis 150 Quadratmeter groß, einige könnten zusammengelegt werden. Individuelle Modeboutiquen, Schmuck und Galerien sowie clevere Food-Konzepte könnten ebenso geeignete Mieter sein wie traditionelles Handwerk, beispielsweise ein Hutmacher oder Herrenschneider, sagt Lucas weiter.

Mit der Vermarktung soll in Kürze begonnen werden. Der Grund: Das Quartier Stadthöfe sei bis jetzt von Straßenbaustellen umgeben und zwei der vier neuen Höfe seien selbst noch Baustelle, so die Projektleiterin. Bislang sind nur der Stadthof und der Treppenhof voll zugänglich.

Weitere Büros und Geschäfte

Der Palaishof, zu dem der historische Zugang vom Neuen Wall erstmals seit Kriegsende wieder möglich sein wird, wird im ersten Halbjahr 2020 fertiggestellt. Hier entstehen hinter den denkmalgeschützten Mauern des Görtz-Palais weitere Büros und Geschäfte. Bis zum Abschluss des Bauprojekts sieht Quantum auch das Zeitfenster zur Belegung der Einzelhandelsflächen.

Der Bleichenhof mit den Flächen der abgerissenen Passage, die nun auch zu den Stadthöfen gehören, soll im Sommer 2019 fertiggestellt werden. Dort dürfte der Schwerpunkt auf ­Gastronomie liegen. Hier wird unter anderen das italienische Gastrounternehmen L’Osteria von Dirk Block inklusive Terrasse am Fleet einziehen. Auch die Münchner Salatmanufaktur dean&david, die sich auf gesundes Essen spezialisiert hat, werde dort eine Fläche anmieten bestätigte Franchisenehmer Martin Stauffenberg auf Anfrage. Das Burgerrestaurant Peter Pane soll auch Interesse an einer Fläche haben. Quantum wollte sich dazu nicht äußern.

Offiziell steht für die Stadthöfe als Mieter das Edel-Fitnessstudio Elbgym fest, das im Frühjahr 2019 eröffnen soll. Außerdem hat sich die Möbelmarke „Poliform“ für einen Flagshipstore eine 350 Quadratmeter große Fläche direkt an der Stadthausbrücke gesichert. Nebenan hat bereits die Buchhandlung Lesesaal mit dem Geschichtsort Stadthaus und einem Literatur-Café eröffnet.

Eröffnung ist für März nächsten Jahres geplant

Herzstück der Stadthöfe mit Blick über die Brückenarkade auf das Fleet ist die ehemalige Wagenhalle mit bis zu acht Meter hohen Decken. Mit rund 850 Quadratmetern ist das die größte Ladenfläche im Gebäudeensemble. Dafür gibt es nach Abendblatt-Informationen eine spektakuläre Idee. Dort könnte ein hanseatischer Marktplatz mit Anbietern aus der Region entstehen – das heißt ein kulinarischer Treffpunkt mit Inseln zum Essen, Trinken und Einkaufen inklusive Brauhaus und Schlachter.

Glauben Sie, dass die Stadthöfe sich zur Attraktion in der Innenstadt entwickeln?

Die 88 Wohnungen in den Stadthöfen seien nahezu voll vermietet, bestätigte die Ärzteversorgung Niedersachsen. Das gilt auch für die rund 15.000 Quadratmeter Bürofläche. „Die Nachfrage war von Beginn an sehr hoch“, sagt Lucas. Dort gehören international tätige Anwaltskanzleien wie Watson Farley & Williams, die VW-Tochter Moia und die Personalberatung Russell Reynolds zu den Mietern. Der neueste Mieter ist Christian Schmidt, der auf rund 1000 Quadratmetern ein CS Business Center betreibt, in dem sich Freiberufler und Unternehmen temporär einmieten können.

Dort stehen rund 60 Arbeitsplätze zur Verfügung. Noch ist die Fläche in der dritten Etage eine Baustelle, die Eröffnung ist für März nächsten Jahres geplant: „Ich war sofort fasziniert von der Mischung aus Historie und Moderne. Zudem hat man aus den Räumen einen Blick auf das Fleet und den Michel“, sagte Schmidt, der bereits Business-Center in der HafenCity und am Mittelweg betreibt.

Beliebter Ort für Veranstaltungen

Seit im Juni das Tortue Hotel in den Stadthöfen eröffnet hat, haben Direktorin Annemarie Bauer und ihr Team keine ruhige Minute mehr: „Wir sind sehr zufrieden mit der Auslastung des Hotels, und vor allen Dingen: Die beiden Bars und Restaurants haben sich in kürzester Zeit zu einem Hotspot für Hamburger und Gäste aus aller Welt entwickelt“, sagt Bauer.

Das Designhotel ist auch ein beliebter Ort für Veranstaltungen und Präsentationen. So kamen am vergangenen Sonntag mehrere Hundert Gäste zu einer Modenschau, der Treppenhof wurde zum Laufsteg. Auch die Hotelmanagerin wünscht sich, dass bald auch die anderen Höfe „bespielt und mit Leben gefüllt werden“.