Stickoxide

Altonaer protestieren mit Staubsaugern gegen Dieselabgase

Anwohner demonstrieren für mehr Dieselfahrverbote.

Anwohner demonstrieren für mehr Dieselfahrverbote.

Foto: Roland Magunia

Eine Anwohnerintiative hat gegen schlechte Luftverhältnisse demonstriert. Die Aktivisten fordern mehr Tempo-30-Zonen.

Hamburg.  Mit einer symbolischen Luftreinhalteaktion hat am Mittwoch eine Anwohnerinitiative in Hamburg-Altona gegen Dieselabgase protestiert. Die rund 30 Mitglieder der Umweltgruppe hantierten in weiße Overalls gekleidet mit Staubsaugern an der Stresemannstraße, wo seit Ende Mai ein Durchfahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge gilt.

"Da kommt noch so eine Dreckschleuder“, grölt eine Aktivistin als ein Lkw den Demonstrationszug passiert. „Vollidioten!“, ruft ein vorbeifahrender Autofahrer zurück. Ausgestattet mit Schutzanzügen, Atemmasken und Staubsaugern haben sich Aktivisten der Initiative „Reine!Luft!Altona!“ an der Messstation in der Stresemannstraße zu einer Performance versammelt. Über ihren Köpfen erstreckt sich ein Banner mit der Aufschrift „Placebos helfen nicht“, aus einer Musikbox tönen laute Staubsauger-Geräusche.

Durch Dieselfahrverbote werden andere Straßen mehr belastet

Gründlich „saugen“ sie die Luft rund um die Messstation und wedeln mit ihren Saugern hinter den vorbeifahrenden Autos her. Was das ganze soll? „Man kann uns vorwerfen, dass die Reinigung nicht sonderlich sinnvoll war“, sagt die Demonstrantin Jutta Persson danach. Aber: „Unser Placebo ist deutlich preiswerter als die Dieselfahrverbote“.

Seit dem Beschluss im Mai 2018 wurden Teile der Stresemannstraße zwar entlastet, die Stickoxidbelastung lag in den vergangenen Monaten aber – abgesehen vom Juni – immer noch über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm. „Durch die Dieselfahrverbote werden andere Straße mehr belastet“, sagt eine Demonstrantin. Die Initiative setzt sich vornehmlich aus Altonaer Anwohnern zusammen. Sie sprechen sich nicht generell gegen Dieselfahrverbote aus, im Gegenteil: Sie wollen mehr.

Bewohner des Seniorenstifts klagen über Abgase

„Wir wollen Katalysatoren für Pkw und Lkw, die unter der Euro-6-Norm sind, finanziert von der Autoindustrie“, sagt Silvia Singmann. Zudem fordert die Initiative mehr Messstationen (momentan sind es vier in ganz Hamburg) und ein Durchfahrverbot für den Lkw-Transitverkehr durch die Stadt. Weitere Durchgangsstraßen sollten zu Tempo-30-Zonen erklärt werden.

Charlotte Lill lebt im Seniorenstift an der Max-Brauer-Allee. Sie und ihre Mitbewohner spüren die Abgase ganz besonders. „Wir haben alles, was man sich gesundheitlich nicht wünscht: Herzinfarkte, Asthma, Schlaganfälle. Das sind alles Krankheiten, die durch die Luftverschmutzung verschlimmert werden, diese Stoffe zusammen machen uns krank und kränker.“

Reine!Luft!Altona! möchte wachsen. In Zukunft planen sie, mit noch viel mehr Menschen auf die Straße zu gehen. „Damit der Senat Rücksicht auf die Bürger und Bürgerinnen nimmt und nicht nur auf die Autoindustrie“, sagt Sprecherin Alexandra Grimm.