Meinung
Kommentar

Die Luft muss sauberer werden

Umweltsenator ist gefordert: Sein Plan geht nicht auf

Was auch immer Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) angetrieben hat, als er quasi im Alleingang das bundesweit erste Dieselfahrverbot verhängte (und dann darauf beharrte, dass es „Durchfahrtsbeschränkung“ heißen müsse): Seine Ziele hat er allesamt verfehlt. Ja, er wollte wohl die Automobilindustrie unter Druck setzen, etwas für die arglosen Käufer von Dieselautos erreichen. Das ist ehrenwert, hat aber nicht geklappt. Umtauschprämien? Dürftig. Nachrüstung? Fehlanzeige. Fazit: Die Industrie lässt sich nicht beeindrucken – jedenfalls nicht von einem Hamburger Umweltsenator.

Saubere Luft für die Anwohner: Das war das lokale Ziel des Verbots. Der Grenzwert für Stickstoffdioxid sollte endlich eingehalten werden. Hat auch nicht geklappt. Vielleicht lag es an der Witterung, vielleicht auch nicht. Absehbar ist, dass die Fachleute auch nach Ablauf eines Jahres zu keinen vertieften Erkenntnissen kommen werden. Dazu war der Sommer 2018, der just mit dem ersten Tag des Fahrverbots einsetzte, in jeder Hinsicht zu außergewöhnlich.

Deshalb muss Kerstan seinen Luftreinhalteplan jetzt überdenken – und nicht erst im Sommer 2019. Viele Einzelmaßnahmen sind nach wie vor viel zu weit von der Verwirklichung entfernt. Wir brauchen viel mehr Elektrobusse. Was ist mit den schmutzigen Schiffsabgasen? Cruise Days sind immer auch Hochtage der Stickstoffdioxidbelastung. Wie hält man Laster raus aus der Stadt?

Das alles ist mühselig, da geht es um kleine Schritte, die sich vielleicht nur ein wenig vergrößern lassen. Am Rande dieses Wegs stehen keine Kameras wie im Mai, als der Senator das bundesweit erste Fahrverbot in Kraft setzte. Auf Kerstan wartet harte Arbeit.