Abendblatt-Serie

Wie schütze ich mich vor Betrug? Das rät die Polizei

Betrug an der Haustür gibt es noch. Doch das Internet bietet den Tätern ein viel größeres Betätigungsfeld

Betrug an der Haustür gibt es noch. Doch das Internet bietet den Tätern ein viel größeres Betätigungsfeld

Foto: petrborn / Getty Images/iStockphoto

Letzter Teil: Täter setzen auf immer neue Tricks. Häufig nutzen sie die Sehnsüchte oder Ängste ihrer Opfer skrupellos aus.

Wo viel Licht, da auch Schatten. Während die Zahl der Einbrüche im Vorjahr deutlich zurückging, ist die Zahl der Betrugstaten regelrecht explodiert. 32.553 Betrugsdelikte hat die Hamburger Polizei im Vorjahr bearbeitet. Dieses Jahr dürfte es noch dicker kommen: Allein in den ersten sechs Monaten wurden mehr als 20.000 Fälle erfasst, das entspricht einem Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13,6 Prozent.

Hinter „Betrug“ verbirgt sich ein Sammelsurium von Delikten in kaum noch überschaubaren Varianten: der Enkeltrickbetrug, der „falsche Polizist“, der massenhafte Waren(kredit)- und der Sozialleistungsbetrug beispielsweise. Die Kriminellen seien extrem erfinderisch, sagt Wiro Nestler vom LKA 32 (Fachstab Kriminalprävention).

Zu schaffen macht den Beamten insbesondere der steile Anstieg bei Betrügereien im Internet. Auf Verkaufsplattformen oder Kleinanzeigen-Portalen gehen jedes Jahr Tausende Hamburger unseriösen „Händlern“ auf den Leim. Dabei ließe sich der große Katzenjammer vermeiden, wenn denn nicht so oft die Gier über den Verstand siegen würde. Wer etwa bei einem neuen MacBook für 300 Euro zuschlägt, das normalerweise mehr als 1000 Euro kostet, darf sich über Abzocke nicht wundern.

Polizei rät dringend von Bargeld-Transferdiensten ab

„Um sich vor solchen Taten zu schützen, kann es schon helfen, den gesunden Menschenverstand einzuschalten“, sagt Wiro Nestler. Besondere Vorsicht sei bei Marken-Angeboten geboten. „Ein Angebot, das zu gut ist, um wahr zu sein, ist es meist auch“, sagt Nestler. Hilfreich sei auch ein genauer Blick auf die Bewertungsprofile. Für eine gewisse Sicherheit bürgen bei gewerblichen Anbietern zudem von der Initiative D 21 unterstützte Gütesiegel. Aber: „Diese können auch missbräuchlich verwendet werden, um bei Käufern Vertrauen zu erwecken“, sagt Nestler. Bei der Zahlung rät die Polizei von Bargeld-Transfer-Diensten wie Western Union oder Money Gram dringend ab. Zudem sollten sich Käufer immer für einen versicherten Versand der Ware entscheiden.

Eine Spielart davon, der Warenkreditbetrug, geriet vor zwei Jahren in die Schlagzeilen, nachdem es mehrere Hamburger Politiker erwischt hatte. Die Masche: Ein Betrüger, häufig Erstbesteller, kauft im Internet eine Ware im Namen einer realen Person „auf Rechnung“. Der Betrüger nimmt die Sendung an der Haustür oder in einer Packstation in Empfang. Und wer soll dafür zahlen? Natürlich diejenigen, auf deren Namen die Ware bestellt wurde. Die Internet-Versandhäuser könnten den Schmu leicht unterbinden, indem sie bei Erstbestellern die Bestellung auf Rechnung unterbinden. Sie tun es bloß nicht. Die Polizei rät, bei ungerechtfertigten Rechnungen umgehend zu widersprechen und Anzeige zu erstatten.

Täter locken mit Traumjob und Schnäppchen-Wohnungen

Für Betrüger ist das anonyme Internet ein Glücksfall. Das Risiko aufzufliegen, ist gering, der Aufwand auch. Da locken die Täter mit Wohnungen zum Schnäppchenpreis, mit falschen Geldversprechen oder mit dem Traumjob.

Eines haben alle Varianten gemein: Die Betroffenen müssen mit viel Geld in Vorleistung treten, um die tolle Wohnung, den Gewinn oder den Job zu kriegen. Es ist ein Geschäft mit der Gier. Oder im Fall gefälschter Abmahnschreiben eines mit der Angst.

Eine weitere populäre Spielart sind automatisierte Anrufe, in denen es heißt, der Angerufene habe bei einem Gewinnspiel das große Los gezogen. Er müsse nur unter einer genannten Telefonnummer zurückrufen oder Notarkosten zahlen. Ein Rückruf kostet dann saftige Sondergebühren. Einfacher Tipp: Legen Sie bei solchen Anrufen sofort auf, rufen Sie keinesfalls zurück.

Immer wieder nutzen Betrüger gezielt die Gefühle ihrer meist älteren Opfer aus, um an Bares zu kommen. Auf Enkeltrickbetrüger fallen zwar kaum noch Menschen herein, aber wenn doch, dann verlieren sie ein Vermögen. Die Masche „falscher Polizist“ ist noch perfider, weil sich die Täter den Vertrauensbonus zunutze machen, den Amtsträger genießen. Tipp: Lassen Sie sich an der Haustür den Dienstausweis zeigen und prüfen Sie ihn genau! Im Zweifel wenden Sie sich an die Polizei. Ruft die Polizei unter der Nummer „110“ an, sind Betrüger mit gefälschter Nummer am Werk. „Echte“ Beamte rufen niemals von der Notrufnummer aus an.

Alte Dame verlor 30.000 Euro nach „Schockanruf“

Nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten Schockanrufer, die sich am Telefon mitunter als Polizisten ausgeben. Ein falscher Beamter tischte kürzlich einer 77-Jährigen folgende Legende auf: Ihre Tochter habe einen Unfall mit einem Sachschaden von 63.000 Euro verursacht. Um sie vor dem Gefängnis zu bewahren, müsse sie unverzüglich einen Teil der Summe zahlen. Der Betrüger dirigierte die alte Dame dreisterweise direkt vor die Davidwache – dort übergab sie einer Komplizin 30.000 Euro.

Love Scammer treiben die Masche, Menschen durch vorgetäuschte Gefühle auszunehmen, auf die Spitze. Sie nutzen die Sehnsucht nach der großen Liebe aus. Ist das Vertrauen erst mal hergestellt, täuschen sie einen finanziellen Engpass vor, der „kurzfristig“ überbrückt werden müsse. Die Polizei rät: Überweisen Sie grundsätzlich kein Geld an Menschen, die Sie nicht persönlich kennen.

Das Abendblatt, die Polizei und der Weiße Ring veranstalten am Sonntag im Museum der Arbeit (Wiesendamm 3) von 11 bis 17 Uhr das „Sicherheitsforum für Hamburg“ mit vielen Experten. Tickets sind für 9 Euro (zuzügl. Gebühren) unter abendblatt.de/leserservice,
Tel. 30 30 98 98 und in der Abendblatt-Geschäftsstelle (Großer Burstah 18–32) erhältlich.