Abendblatt-Serie

So schützen Sie sich vor Taschendieben

Hamburg ist ein Paradies für Taschendiebe. (Symbolbild)

Hamburg ist ein Paradies für Taschendiebe. (Symbolbild)

Foto: dpa

Teil 4. Was der neueste Trick von Ronaldo mit den Langfingern zu tun hat – und was die Polizei rät, um Handy und Geldbörse zu sichern.

Hamburg.  „Unachtsamkeit“, sagt Kriminalhauptkommissar Marc Pröhl, „ist eine Einladung für jeden Taschendieb.“ Und „Gelegenheit macht Diebe.“ Diese zwei alten Weisheiten stimmen noch immer. Und eigentlich ist Hamburg ein echtes Taschendieb-Paradies, weil die Gelegenheiten immer mehr werden. Hafengeburtstag, Harley Days, Cy­classics, Weihnachtsmärkte und, und, und ... Auch in der Statistik bildet sich das ab: Taschendiebstahl ist trotz Rückgängen in den vergangenen Jahren, ein Delikt, in dem die Fallzahlen höher sind als 2001, als Hamburg die größte Zahl an Straftaten in der Nachkriegsgeschichte registrierte. Es liegt auch an der boomenden Stadt und an den vielen Veranstaltungen. „Aber“, weiß Pröhl, der als Leiter des LKA 116 für die Bekämpfung von Taschendiebstahl in der Innenstadt und auf dem Kiez zuständig ist, „man kann sich schützen“.

Taschendiebstahl – alte Tricks in immer neuen Varianten

„Taschendiebe suchen das Gedränge, den Körperkontakt“, sagt er. Professionelle Täter gehen dabei gezielt vor. Meistens sind sie zu zweit, manchmal zu dritt oder sogar zu viert. „Sie suchen sich ihre Opfer genau aus“, weiß Pröhl. „Wirkt jemand gestresst und abgelenkt, ist er für sie ein gutes Ziel. Das gilt auch für Betrunkene. Sie werden besonders oft bestohlen. Auch deswegen gehört der Kiez neben den großen Veranstaltungen zu einem Brennpunkt dieser Kriminalitätsform.

Benutzt werden „alte Tricks“ in immer neuen Variationen. Dabei kommt es auf das Opfer an, welchen Trick die Täter anwenden. Momentan ist der „Fußballtrick“ verbreitet. Er kommt zum Einsatz, wenn jüngere Opfer bestohlen werden sollen. „Kennst du den neusten Trick von Ronaldo?“, fragt der Täter, um ihn dann gestenreich und mit vollem Körperkontakt zu zeigen, während sein Komplize dem abgelenkten Opfer die Geldbörse oder das Handy aus der Tasche zieht. Andere Varianten sind der „Antanz-Trick“ oder der „Wiege-Trick“, bei dem das Opfer angehoben wird, weil man das Gewicht schätzen will. In anderen Fällen wird mit Karten nach dem Weg gefragt, wobei die Stadtkarte die Taschen des Opfers verdeckt, während ein Komplize unter der Karte durchlangt.

„Man kann schon sagen, dass sich die Tricks nicht grundsätzlich ändern“, sagt Pröhl.

Bei Verdacht des Taschendiebstahls den Täter ansprechen

Hat man den Verdacht, dass man bestohlen werden soll, sollte man den Täter „ansprechen“. Nicht aggressiv, wie Pröhl rät, sondern so, dass möglichst andere Personen darauf aufmerksam werden. Taschendiebe würden dann in der Regel sehen, dass sie sich aus dem Staub machen, „aber bitte dabei nicht den Helden spielen“, sagt der Hauptkommissar.

Denn das kann sehr gefährlich werden. Der Grund: Taschendiebe wollen nicht ins Gefängnis. Und die Chance, dass sie inhaftiert werden, ist mittlerweile groß, wenn sie in Hamburg erwischt werden. „Der Großteil der Festgenommenen, für die wir den Erlass eine Haftbefehls anregen, kommt mittlerweile auch in Untersuchungshaft“, sagt Pröhl. Das wollen Täter um jeden Preis vermeiden. Deswegen würden vermutlich auch nicht wenige versuchen, eine Flucht zu erzwingen.

„Gelegenheiten“ müssen für Taschendiebe aber nicht immer mit Orten und Veranstaltungen verbunden sein. Es sind auch die sprichwörtlichen alltäglichen Gelegenheiten, die Langfinger in Aktion treten lassen. „Die alltäglichen Nachlässigkeiten, oft kleine Dinge, sind ein Geschenk für jeden Taschendieb“, sagt Pröhl.

Nur so viel Geld mitnehmen, wie man braucht

Er würde in einem Restaurant niemals seine Jacke mit einer Geldbörse einfach über die Lehne des Stuhls hängen. „Der Täter setzt sich dahinter, hängt seine Jacke ebenso über den Stuhl und greift durch den Ärmel seiner Jacke in die Tasche der fremden Jacke“, sagt er.

Was kann man tun? „Es gibt ein paar Dinge, die man beherzigen sollte“, sagt der Kriminalhauptkommissar. Geld sollte man nur so viel mitnehmen, wie man braucht. Eine Geldbörse oder andere Wertgegenstände gehören nicht in die Hose, sondern in die Innentasche einer Jacke.

Einen Rucksack sollte man im Gedränge nie auf dem Rücken, sondern vor dem Bauch tragen. Für EC-Karten sollte nie ein Zettel mit der PIN eingesteckt werden.

„Es gibt tatsächlich Leute, die schreiben die PIN direkt auf die Karte“, weiß Pröhl. Überhaupt sollte man mit der EC-Karte vorsichtig umgehen. Beispielsweise beim Abheben von Geld. Pröhl: „Es gibt Täter, die beobachten ihr Opfer am Geldautomaten und bestehlen es erst, wenn sie die Geheimzahl vorher erspäht haben.

Wenn das Handy gestohlen wird, spielen sich Dramen ab

Ist man bestohlen worden, gibt es zumindest Hoffnung, dass man seine Papiere wie Ausweis oder Führerschein wieder zurückerhält. „Ein Taschendieb nimmt möglichst schnell das Geld heraus und wirft die Börse dann weg, weil ihm durch sie die Tat zugeordnet werden könnte“, sagt Pröhl.

Es kommt immer wieder vor, dass solche Portemonnaies gefunden werden, sie aber nicht als gestohlen gemeldet wurden. Diese Lässigkeit wundert den Hauptkommissar. Wenig lässig gehen Opfer dagegen mit einem Taschendiebstahl um, wenn das Handy Beute wurde.

„Gerade bei jüngeren Leuten ist dort das halbe Leben drauf, die Urlaubsfotos, die Kontakte“, weiß der Polizist. Dann spielen sich schon mal Dramen ab. Auch hier hat er einen Rat. Weil das Handy neben Bargeld die Lieblingsbeute von Langfingern ist, sollte man zumindest die Daten gesichert haben und regelmäßig ein Backup machen. Mittlerweile lassen sich Handys auch aus der Ferne sperren – oder sogar orten.

Die Serie

Teil 1: Wie sicher ist Hamburg?

Teil 2: Wie schütze ich mich vor Einbrüchen?

Teil 3: Wie schütze ich meine Kinder?

Teil 4: Wie schütze ich mich vor Taschendiebstahl?

Teil 5: Wie schütze ich mein Fahrrad und mein Auto?

Wie schütze ich mich vor Betrug?