Prozess

Doppelmord am Jungfernstieg: Passant schildert grausame Tat

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Foto: dpa

Ein wichtiger Augenzeuge bleibt dem Prozess um den Mord an einer Mutter und ihrer kleinen Tochter jedoch fern.

Hamburg.  Im Prozess um den Mord an einer Mutter und ihrer Tochter am Jungfernstieg hat ein Zeuge schreckliche Details geschildert. Der Angeklagte habe sich mit einem orangefarbenen Gegenstand in der Hand über den Buggy des Mädchens gebeugt, sagte ein Ingenieur, der am Tattag beruflich in Hamburg war, im Hamburger Landgericht. „Ich hielt das für eine Mohrrübe.“ Doch der Gegenstand sei nicht zum Mund, sondern mit einer Schnittbewegung zur Kehle geführt worden. „Plötzlich spritzte das Blut. Erst da habe ich realisiert, dass es ein Messer war.“

Unmittelbar danach habe der Täter ihn direkt angeschaut, berichtete der Mann weiter. „Ich habe noch nie einen solchen Blick gesehen.“ Entschlossen und kaltblütig habe er gewirkt. „Mein Gedanke war: Der bringt uns alle um.“ Aus Angst sei er weggerannt und habe Passanten und Mitarbeiter eines Geschäfts gebeten, die Polizei zu rufen.

Angeklagt ist ein früherer Partner der getöteten Frau. Der 34-Jährige aus Niger hatte zum Prozessauftakt gestanden, seine Ex-Freundin und die gemeinsame Tochter am 12. April 2018 mit einem Messer getötet zu haben.

Die Frau und ihr Ex-Partner sollen in der S-Bahn gestritten haben

Am Morgen hatten die Richter eigentlich einen anderen wichtigen Zeugen befragen wollen: den letzten Lebensgefährten der Mutter, der auch am Tatort war. Doch der ebenfalls aus Afrika stammende Mann erschien nicht. Stattdessen wurde ein Beamter gehört, der bei der Vernehmung des Mannes bei der Polizei dabei war. Er habe den Beamten geschildert, wie der Vater des Mädchens plötzlich zu ihnen in die S-Bahn gestiegen sei. Die Frau und ihr Ex-Partner sollen sich gestritten haben. Alle seien am S-Bahnhof Jungfernstieg ausgestiegen, sagte der Polizist. Die Mutter habe ihren Partner gewarnt, er müsse weglaufen, da er sich illegal in Deutschland aufhalte. Denn sie wolle nun die Polizei rufen, weil der Vater nur mit dem Mädchen Kontakt haben dürfe, wenn die Termine zuvor mit dem Jugendamt vereinbart seien.

Dann habe der Angeklagte zuerst seine Tochter im Buggy mit einem Messer attackiert und danach die Mutter angegriffen. Die Frau starb wenig später im Krankenhaus.