HafenCity

Neuer Schwung für das Hotel in der Elbphilharmonie

Das Westin hatte keinen guten Start. Die erfahrene Direktorin Madeleine Marx soll nun vor allem Hamburger Gäste gewinnen.

Hamburg.  Die Elbphilharmonie ist weltweit bekannt. Nicht ganz so bekannt ist, dass Hamburgs neues Wahrzeichen auch ein großes Hotel beherbergt. In dem Gebäude mit der imposanten Glasfassade hat seit einem Monat Madeleine Marx eine tragende Rolle – als Direktorin des Hotels The Westin Hamburg. Das befindet sich auf der Ostseite der Elbphilharmonie. Die Hamburgerin ist für 195 Zimmer, 39 Suiten und 150 Mitarbeiter verantwortlich. Das vor zwei Jahren eröffnete Hotel hatte keinen guten Start. Negative Gästekommentare in den Bewertungsportalen im Internet, Schlangen beim Frühstück und teils unzufriedene Bankettkunden. Im März wurde bekannt, dass die bisherige Direktorin Dagmar Zechmann ihren Posten geräumt hat.

Ein Nachfolger wurde gesucht – schnell war Madeleine Marx im Gespräch. Die Hotelfachfrau, die ihre Ausbildung im Vier Jahreszeiten an der Binnenalster absolvierte, ist seit mehr als 30 Jahren in der Branche. Zuletzt war sie fast vier Jahre lang Direktorin im Scandic Hamburg Emporio am Dammtorwall. Davor hatte Madeleine Marx schon 27 Jahre lang für den Marriott-Konzern gearbeitet, war unter anderem Chefin des Renaissance Hotels an den Großen Bleichen.

Bisher spielte Haus keine große Rolle

Inzwischen hat Marriott auch die Westin-Kette übernommen. Damit schließt sich der Kreis. Madeleine Marx: „Ich habe mich im Scandic sehr wohlgefühlt, aber als ich das Angebot von Westin bekam, war ich natürlich begeistert.“ Es sei ein Privileg, ein Hotel in der Elbphilharmonie zu führen. Das Ziel ist klar: „Mein Anliegen ist es, das The Westin zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt zu machen.“

Bislang spielt das Haus trotz seiner einzigartigen Lage keine große Rolle bei den Hanseaten: „Das wird sich ändern. Ich möchte, dass die Hamburger dieses Hotel in ihr Herz schließen. Das schaffen wir natürlich nur, indem wir exzellente Gastgeber sind.“ Was das heißt, hat Madeleine Marx schon als Jugendliche gelernt. Denn ihre Eltern Dieter und Rose Pauly, die viele Jahre Dehoga-Präsidentin war, haben bis 2004 das legendäre Fischrestaurant Sellmer in Eppendorf geführt. Und Madeleine Marx hat schon früh in dem Familienbetrieb mitgeholfen.

Die neue Westin-Chefin setzt auf Teamwork: „Jeder einzelne Mitarbeiter ist sehr wichtig für uns, und Erfolg werden wir nur gemeinsam haben.“ Ideen für die Zukunft hat Madeleide Marx viele: Ein Hamburger High Tea, bei dem zum Beispiel Matjessalat mit Roter Bete gereicht wird, wurde eingeführt. Demnächst soll die Speisekarte im Restaurant The Saffron erweitert werden: „Wir können nicht nur hochpreisige Gerichte anbieten, sondern müssen auch leckere Burger und das traditionelle Clubsandwich servieren.“ Außerdem soll es künftig diverse Events geben, zu denen natürlich auch die Hamburger eingeladen sind. Wichtig ist Madeleine Marx auch, dass das The Westin kein „steifes Luxushotel“ ist, sondern „ein eher lässiges Life­stylehaus mit hohem Komfort“.

Sie ist ein Workaholic

Die Direktorin steht in der Eigner-Suite in der 19. Etage, mehr als 100 Meter über der Elbe. Sie lässt den Blick aus den bodentiefen Fenstern über den Hafen schweifen und sagt: „Ich liebe meinen Beruf, gerade weil man immer wieder vor neuen Herausforderungen steht und kein Tag wie der andere ist.“

Auch wenn Madeleine Marx ein Workaholic ist, nimmt sie sich bewusst Auszeiten und kehrt der glamourösen Hotelwelt den Rücken. Eine ihrer letzten Reisen führte sie nach Südostasien, genauer nach Myanmar. Dort stand eine Trekkingtour auf dem Programm: „Wir sind von einem Ort zum anderen gewandert inklusive Rucksack. Übernachtet wurde bei Einheimischen, oft gab es kein Wasser und Strom in den Häusern.“

Aber das machte Madeleine Marx nichts aus: „So lernt man Land und Leute, die übrigens ein köstliches Essen machen, kennen. Außerdem schadet es ja auch nicht, mal auf einer Luftmatratze im Schlafsack zu übernachten.“ Wenn sie in Hamburg ein paar freie Minuten hat, geht es an die frische Luft. Kraft tankt Madeleine Marx, die in Eppendorf lebt, beim Joggen an der Alster. Oder sie verbringt Zeit mit ihrem 20 Jahre alten Sohn Lennart, der Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Die beiden verbindet auch die Leidenschaft für das Skifahren.

Bleibt die Frage. Hätte es eine Alternative zu ihrem heutigen Beruf gegeben? Madeleine Marx lacht: „Vielleicht wäre ich Schauspielerin geworden. Aber irgendwie muss man das ja in der Hotellerie auch sein.“