Zwischenruf

Was mich heute noch aufregt

Die Autorin ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts

Die Autorin ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts

Foto: HA / A.Laible

Hamburg. Letztens hat mich jemand gefragt, worüber ich mich eigentlich noch so richtig aufregen kann. Mir ist auf Anhieb gar nichts eingefallen. So vieles, was andere ad hoc auf die Palme bringt, treibt mir nicht einmal ansatzweise den Puls hoch.

Wenn der Schulranzen in den Ferien wochenlang unausgepackt in der Ecke liegt, lässt mich das inzwischen kalt. Solange der Inhalt der Brotdose noch nicht wegkrabbelt, bleibe ich gelassen. Schimmelkulturen von einem Zentimeter Höhe sind spannend zu betrachten. 13 Jahre nach der Einschulung des ersten Kindes hat man ja schon manches gesehen und erlebt.

Es gibt aber Leute, die sich etwa darüber aufregen, dass andere die Pappe der Klopapierrolle auf dem Halter lassen und die Rolle nicht auswechseln. Das ist für mich eine solche Nichtigkeit, dass ich nicht verstehe, warum andere Schilder aufhängen, auf denen auf Englisch ein Spruch steht, der übersetzt lautet: „Jeder will die Welt ändern, aber niemand die Klopapierrolle.“ Nö, ich will gar nicht die Welt retten, und Hauptsache, die Reserverolle ist in greifbarer Nähe!

Mit negativen Emotionen sparsam umgehen

Andere geraten auch in Brass, wenn sie im Schnellbus auf der Mönckebergstraße fahren und plötzlich zuckelt da ein alter Mann auf seinem Elektrorollstuhl auf der Fahrbahn dahin. Dabei winkt er immer wieder mit dem linken Arm, um dem Bus zu bedeuten, er solle überholen. Das lässt die Busfahrerin auf der wuseligen Straße aber lieber sein. Aber es gibt tatsächlich Fahrgäste, die diese Verzögerung, dieser alte Mann auf seinem Elektromobil, rasend macht.

Man muss mit seinen negativen Emotionen in dieser hektischen Zeit sparsam umgehen, finde ich. Was mich wirklich aufregt? Wenn Leute mir mit ihrem Auto so dicht auffahren, dass ich ihre Scheinwerfer in meinem Rückspiegel nicht mehr sehen kann. Da ist es auch mit meiner Gelassenheit vorbei. Aber so was von!