St. Pauli

Razzia in Hells-Angels-Treff nach Messerattacke

Nach dem blutigen Angriff auf zwei Männer hat die Polizei ein bei den Rockern beliebtes Lokal in der Silbersackstraße durchsucht.

Hamburg. Nach einer blutigen Messerattacke vor knapp einer Woche auf St. Pauli ist die Polizei in der Nacht zum Sonnabend um 1.15 Uhr zu einer Razzia ausgerückt. Im Visier der Ermittler stand ein Lokal in der Silbersackstraße, in das die zehn bis zwölf Täter geflüchtet waren und das offenbar regelmäßig von ihnen frequentiert wird. Das teilte die Polizei am frühen Sonnabendmorgen mit.

Bei dem Laden handelt es sich um die Kneipe "Champions Coffee", einem polizeibekannten Treffpunkt der Hells Angels. Nach Angaben der Polizei wurden bei der Razzia neun Personen überprüft und drei Messer sichergestellt.

Hintergrund des Streits könnte Einparkvorgang gewesen sein

Bei der Auseinandersetzung in der Nacht zum vergangenen Sonntag waren zwei 21 Jahre alte Männer verletzt worden. Sie erlitten Kopfverletzungen, einer von ihnen auch eine Messerstichverletzung. Die Täter flüchteten zunächst in ein Lokal, aus dem sie vor Ankunft der Polizeibeamten unerkannt entkamen.

Während es zunächst geheißen hatte, Hintergrund der Tat sei ein Streit der beiden 21-Jährigen mit einer Frau gewesen, könnte es nach Angaben der Polizei nun um eine Auseinandersetzung beim Einparken gegangen sein. "Nach den bisherigen Erkenntnissen soll es durch die Tätergruppierung nach einem Einparkvorgang in der Silbersackstraße zunächst zu einer mutmaßlichen Fahrerflucht gekommen sein", sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth. "Den Umstand, dass einer der Geschädigten kurze Zeit später telefonierte, nahm die Tätergruppierung offenbar zum Anlass, die beiden Männer zu attackieren."

Zill: "Für diese Art der Selbstjustiz werden wir keinen Raum zulassen"

Die Polizei bestätigte, dass die Täter dem Rockermilieu zugeordnet werden können. Deshalb übernahmen Beamte der Fachdienststelle für Milieukriminalität (LKA 65) die weiteren Ermittlungen. "Die Täter haben offenbar gemeint, das Recht in die eigene Hand nehmen zu können", sagte Polizeipressesprecher Timo Zill. "Diese Art der Gewalt wird von der Polizei Hamburg nicht toleriert. Wir werden dem mit umfangreichen Maßnahmen entgegen treten, auch um die Tat vollumfänglich aufzuklären."

Zill kündigte, dass die Razzia nur ein erster Baustein gewesen sei. "Weitere Maßnahmen werden folgen", sagte er. "Klar ist: für diese Art der Selbstjustiz werden wir keinen Raum zulassen."