Medien

Warum das Abendblatt wirklich eine große Familie ist

Foto: Berndt Röttger

Ganz schön privat, diese Kennenlerngeschichte eines Redakteurs und einer Redakteurin? Für das Abendblatt völlig normal.

Klar, ich könnte jetzt über einen Raketenstart in Französisch-Guyana schreiben oder über ein Interview mit einem Außenminister, bei dem ich auf meine Fragen gefühlt minutenlang keine Antworten bekam, oder über einen Start im Cockpit eines A380 ...

All das wären zwar nette Geschichten – aber es wäre nicht ehrlich, sie als meinen Abendblatt-Moment zu beschreiben. Sie sind weit davon entfernt. Mein bedeutendster Abendblatt-Moment ist eine Begegnung fürs Leben, ein Augenblick, der alles veränderte. Die Zeitung für den Tag wurde zum Ort fürs Leben.

Sie schrieb, ich redigierte ihre Texte...

Gerade einmal 26 Jahre alt war ich nach Hamburg und zum Abendblatt gekommen. Maike Leuchtmann schrieb als freie Mitarbeiterin fürs Abendblatt – und ich redigierte als Produktionsredakteur (unter anderem) ihre Texte. Ich wusste nichts über sie – und wollte doch alles über sie wissen. Aber wie sieht der Weg zu einem Gespräch jenseits der Textkritik aus? Ich hatte keine Ahnung – aber ich griff irgendwann zum Telefon und rief sie an ihrem Schreibtisch an. Ich fragte, ob sie mit mir Pizza essen mag. Das muss Maike ziemlich irritiert haben. Sie konnte sich nur vorstellen, dass ich noch eine Rückfrage zu ihrem Text hatte. Also keine Pizza.

Aber: Wenig später erzählte sie, sie wolle Freundinnen in Berlin besuchen. Und ich? Ich suchte in Bruchteilen einer Sekunde nach einem Grund, auch nach Berlin zu fahren. Und hörte mich schon sagen: „Ich besuche am Wochenende Freunde in Berlin. Soll ich dich mitnehmen?“ Ja, ich hatte Freunde in Berlin. Aber meinen Besuch musste ich noch anmelden­ ...

Also fuhren wir nach Berlin. Und hatten während der Fahrt in meinem Auto die ersten Stunden für Gespräche jenseits der Textkritik.

Ein Autounfall änderte alles

Wieder in Hamburg: Ein erstes abendliches Treffen und ein Abschied vor der Kneipe, deren Name eine Telefonnummer ist, die ich mir lange nicht merken konnte. Maike fuhr mit Freunden über Silvester nach Norwegen, wo die Eltern ihrer besten Freundin eine Hütte in den Bergen hatten.

Ich beendete das Jahr 1990 an der Außenalster und dachte während des Feuerwerks an Maike im fernen Norwegen. Nicht ahnend, dass sie gar nicht auf der Hütte feierte ...

Zwei Tage später wurde ich morgens aus dem Bett geklingelt. Die unbekannte Stimme am anderen Ende der Leitung stellte sich als Maikes Vater vor und erklärte mir, was passiert war. Ein Autounfall. Normalerweise brauche ich morgens eine Weile, um wach zu werden. Jetzt nicht. Ich rief sofort in der Redaktion an, sagte meinem Chef, dass ich nicht kommen kann – und flog nach Oslo. Ein paar Stunden später stand ich in einem kleinen norwegischen Ort an ihrem Krankenhausbett – und blieb, bis wir nach ein paar Tagen gemeinsam nach Hamburg fliegen konnten.

Als ich zurückkam, wusste die ganze Redaktion, warum ich Hals über Kopf weggeflogen bin. Und alle fragten mich: Wie geht es Maike? Äh, sagte ich gerade die ganze Redaktion? Dachte ich. Stimmte aber nicht ganz. Drei Jahre später, kurz vor unserer Hochzeit, trafen Maike und ich auf dem Parkplatz am Verlag einen Kollegen aus der Wirtschaftsredaktion. Wir gingen zusammen in Richtung Eingang. Plötzlich blieb er stehen und sagte mit ernster Stimme: „Jetzt weiß ich, warum ich euch so oft auf dem Parkplatz zusammen sehe.“ Wir mussten alle lachen­ ...

Abendblatt-Redaktion: So viele sind miteinander verheiratet

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende: Unser Sohn ist natürlich ein Abendblatt-Kind: Auf seinem Strampler prangte groß das grüne Logo unserer Zeitung. Beim Frühstück saß er bei mir auf dem Schoß und schaute sich die Bilder an, während ich die Zeitung las. Irgendwann fragte er: Was steht da unter dem Bild? Und schließlich wurde die Zeitung am Frühstückstisch in drei Teile geteilt. Der Polizeireporter wurde sein Patenonkel und die Sonntagnachmittage, die er in der Redaktion spielte, kann ich nicht mehr zählen.

Sie werden sich jetzt vielleicht sagen: Das ist aber alles ganz schön privat. Ja, das ist es. Aber das ist das Abendblatt für viele von uns – Herzensangelegenheit, Privatsache, ja und für manchen auch der magische Ort für die Liebe des Lebens.

Mein erster Chefredakteur vor fast 30 Jahren hatte seine Frau in der Redaktion kennengelernt, mein heutiger ebenfalls. Es gibt Ehen in den Ressorts und auch dazwischen. Aktuell gibt es in der Abendblatt-Redaktion (mindestens) sieben Paare und (bald) zehn Kinder. Insgesamt erinnere ich mich in all den Jahren an weit mehr als 20 Paare und Familiengründungen in der Redaktion, in der Spitze waren 15 Prozent der Kolleginnen und Kollegen miteinander verheiratet. Das Abendblatt ist halt eine Familienzeitung . . .