Drama bei Zwangseinweisung

Tödlicher Brandanschlag: Nachbarn planen Erinnerungsort

Kriminalbeamte gehen zu einer ausgebrannten Wohnung im Hamburger Stadtteil Eißendorf (Archiv)

Kriminalbeamte gehen zu einer ausgebrannten Wohnung im Hamburger Stadtteil Eißendorf (Archiv)

Foto: dpa

Nach der Tragödie bei der versuchten Zwangseinweisung eines psychisch Kranken soll nun ein Gedenkort in Eißendort entstehen.

Hamburg. Der entsetzliche Brandanschlag des psychisch gestörten Tim D. (28) beschäftigt die Anwohner in Eißendorf weiterhin: Auf Wunsch von Nachbarn soll ein kleiner Erinnerungsort vor dem Mehrfamilienhaus entstehen, an dem Blumen abgelegt und um den getöteten Beamten Orhan K. (50) getrauert werden kann. Der Verstorbene hinterlässt eine Ehefrau und drei Kinder. Unterdessen werden die genauen Umstände der Tat vom Montag immer klarer.

Wie die Oberstaatsanwältin Nana Frombach bestätigte, waren die beiden Mitarbeiter des sogenannten Zuführungsdienstes mit dem Betreuer von Tim D. noch in die Wohnung des 28-Jährigen gelangt. „Ein Zimmer war jedoch verschlossen und es soll nach Benzin gerochen haben“, sagte Frombach. Daraufhin entschlossen sich die Männer offenbar, die Tür einzutreten. Danach soll Tim D. die Beamten mit einer brennbaren Flüssigkeit – möglicherweise Spiritus – übergossen haben. In der Folge kam es zu einer Verpuffung.

Rettung in der Dusche

Der 50-jährige Orhan K. zog sich noch seine Jacke aus und rannte durch das Treppenhaus ins Freie, bevor er auf einer Grünfläche zusammenbrach und verstarb. Sein 59 Jahre alter Kollege konnte sich in der Dusche selbst löschen und rettete so offenbar sein eigenes Leben.

Tim D. schloss sich zunächst in der Küche ein und sprang schließlich aus einem Fenster. Ein Gebüsch vor dem Haus bremste den Fall des Mannes aus dem dritten Obergeschoss offenbar ab; er zog sich eine Lungenquetschung zu, schwebt aber ebenso wie der 59-jährige Beamte nicht mehr in Lebensgefahr. Insgesamt 60 Feuerwehrleute konnte den Brand kurze Zeit später löschen. Die Flammen waren kurzzeitig auch auf das darüberliegende Dachgeschoss übergeschlagen.

Vater wird umquartiert

Laut einem Sprecher des Wohnungsunternehmens SAGA können trotz des Brandes alle anderen Mieter in dem Gebäude wohnen bleiben. „Einer Mutter mit Kleinkind hat SAGA dennoch den Wunsch erfüllt, ausziehen zu können. Sie erhält in der Nähe eine neue Wohnung.“ Auch der Vater von Tim D., der mit seinem Sohn zusammen an der Wuesthoffstraße lebte, wird in eine andere Wohnung umquartiert. „Es wird etwa zwei Monate dauern, bis die ausgebrannte Wohnung wiederhergestellt ist“, so der Sprecher. Ob die Kosten dafür später etwa durch eine Versicherung ersetzt werden, ist noch nicht bekannt.

Laut der Oberstaatsanwältin Nana Frombach hat ein Ermittlungsrichter inzwischen einen sogenannten Unterbringungsbefehl gegen Tim D. erlassen. Er wird nach seiner medizinischen Behandlung möglicherweise in die forensischen Psychatrie in Ochsenzoll eingewiesen.