Hamburg Airport

Wenn die Senatorin dem Ramp Agent Löcher in den Bauch fragt

Hallo Cockpit? Ramp Agent Nadine Beels (l.) und Senatorin Melanie Leonhard unter einem Jet am Airport

Hallo Cockpit? Ramp Agent Nadine Beels (l.) und Senatorin Melanie Leonhard unter einem Jet am Airport

Foto: Andreas Laible / HA

Arbeitssenatorin Melanie Leonhard sieht sich Berufsfelder am Flughafen an. Es geht um Fachkräftemangel und Mindestlohn.

Hamburg.  Na prima! Flug LH8 aus Frankfurt hat Verspätung. Hamburg hat Wetter. Ausgerechnet heute. An Parkposition 3B sollte jetzt eigentlich die Lufthansa-Maschine „Wetzlar“ planmäßig nach ihrem Linienflug andocken, um schulbuchmäßig bei Sonnenschein abgefertigt zu werden. Doch stattdessen schüttet es wie aus Eimern, vor der Fluggastbrücke wartet unplanmäßige Leere. Eine halbe Stunde noch, heißt es im Bus auf dem Rollfeld.

In diesem Bus wartet auch Melanie Leonhard auf Sommertour. In ihrer Funktion als Arbeitssenatorin will sie Einblicke in Berufsfelder am Hamburg Airport erhalten. 15.000 Jobs sichert der Flughafen, 2000 Menschen arbeiten direkt in der Unternehmensgruppe, 60 offene Stellen gibt es derzeit. Fachkräftemangel, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Mindestlohn, das sind Themen, die Leonhard interessieren. Zuvor wurde der Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration – wie ihr Titel vollständig heißt – eine dekorative Warnweste gereicht. Vorschrift, auf dem Rollfeld sind alle gleich.

Mehr als 50 unterschiedliche Berufe

Beim Warten im Bus macht die Senatorin das einzig Sinnvolle: Sie fragt Ramp Agent Nadine Blees diverse Löcher in den Bauch. Geplant war, dass die Mutter von zwei Kindern währenddessen unter einem Flugzeugrumpf hantiert und ihren Job erklärt. Jetzt halt theoretisch: Ramp Agents seien die Leute, die mit ihren Teams die Flugzeuge nach deren Ankunft entladen, beladen, tanken, mit der Crew sprechen, Essen nachfüllen, kurzum: die Maschine wieder startklar machen. Ein verantwortungsvoller Beruf, je nach Airline mal mehr, mal weniger stressig.

Mehr als 50 unterschiedliche Berufe werden am Hamburger Flughafen angeboten, in sechs davon wird auch ausgebildet. Gesucht werden grundsätzlich Handwerker, gern Elektriker oder Mechatroniker für die Werkstätten. Aber auch bei den Arbeitern des Bodenpersonals macht sich durchaus ein Fachkräftemangel bemerkbar. Laut Flughafensprecherin liege das nicht an der Bezahlung. Dafür spreche auch die lange Verweildauer der Angestellten: 13 Jahre halten die Mitarbeiter im Schnitt dem Airport die Treue.

Bewegliche Arbeitszeitmodelle

Als großer Gesellschafter des Airports steht auch die Stadt Hamburg in der Pflicht, die mitunter schwere Arbeit angemessen zu bezahlen. Erst jüngst sagte der Senat zu, in städtischen Unternehmen künftig einen Mindestlohn von 12 Euro zu zahlen. „Davon sind natürlich auch viele Bereiche am Flughafen betroffen“, verspricht Melanie Leonhard.

Dann rollt LH8 aus Frankfurt endlich dröhnend heran. Was es braucht, um Ramp Agent zu werden, will die Senatorin wissen. Nadine Blees, gelernte Luftverkehrskauffrau, sagt, man sollte eine gewisse Luftfahrtbegeisterung mitbringen, Englisch sprechen, Mathe können und schichttauglich sein. „Schichttauglich?“, fragt Leonhard, selbst Mutter eines kleinen Sohnes. Von 4.45 Uhr bis zur letzten Maschine, antwortet Blees. Mit ihren beiden Kindern könne sie ihre Arbeitszeit aber inzwischen flexibel planen. Der Airport unterstützt laut Eigenauskunft die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, etwa mit beweglichen Arbeitszeitmodellen.

Frauenquote am Airport liegt bei 23 Prozent

Unter der Lufthansa-Maschine wird derweil nicht nur senatorabel genickt, sondern auch anständig gewirbelt. Melanie Leonhard hat sich die „Micky Mäuse“ genannten Ohrenschützer auf den Kopf gesetzt, stöpselt mal hier ein Kabel ein, spricht mal da mit dem Kapitän und guckt sich noch das Cockpit an. Obwohl verschnupft, verzichtet sie auf Schirm und Cape. Berührungs- oder Erkältungsängste? Zeigt sie nicht.

Die Frauenquote am Airport liegt bei 23 Prozent. Gerade die körperlich fordernden Bodendienste seien eine Männerdomäne. Das ist bei der nächsten Station, der Werkstatt für die Startbahnbefeuerung, nicht anders. 7000 Lampen in mehr als 50 Farben und Ausführungen werden hier gewartet, erklärt Nico Gisecke. „Damit die Feuer ein harmonisches Bild für die Piloten ergeben“, sagt Leiter Oliver Körting. Wieder fragt Melanie Leonhard, Doktor der Geschichte, vertiefend nach. Neben der Information, dass es Bewerber braucht, ergibt sich auch ein hübscher Rambo-III-Dialog. Frage Leonhard: „Was macht dieses Licht?“ Antwort Gisecke: „Es leuchtet rot.“

Für einen ersten Blick auf die Berufe am Airport langt das der Senatorin. Ziel war, Jobs kennenzulernen, die man als Passagier nicht sieht. Ausbildung oder duales Studium biete der Airport. Und auch Quereinsteiger sollten sich nicht scheuen. Ramp Agent Nadine Blees hatte gesagt, das meiste lerne man ohnehin beim „Training im Job“.

Infos unter: www.karriere.ham.airport.de