Hamburg

Wirtschaft ist größtenteils zufrieden mit Tschentscher

Peter Tschentscher (SPD), Hamburgs Erster Bürgermeister

Peter Tschentscher (SPD), Hamburgs Erster Bürgermeister

Foto: Christian Charisius / dpa

Die Handelskammer hat Unternehmen gefragt, wie sie den Bürgermeister nach 100 Tagen im Amt bewerten. Offensive für digitale Bildung.

Hamburg. Die Hamburger Wirtschaft hat dem neuen Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach genau 100 Tagen im Amt ein überwiegend gutes Zeugnis ausgestellt. Einer Umfrage der Handelskammer zufolge sind 36 Prozent der Unternehmen mit der Arbeit des Senats zufrieden und nur 14 Prozent unzufrieden. 40 Prozent sind unentschieden – also teils zufrieden, teils nicht. Zehn Prozent hatten gar keine Meinung. An der Umfrage hatten sich 366 Unternehmen beteiligt.

„Wir stehen mit Peter Tschentscher und seinem Senat in einem gutem Dialog und erleben ihn als der Wirtschaft sehr zugewandt“, sagt Handelskammer-Hauptgeschäftsführerin Christi Degen. So hätten die Unternehmen ihn auch schon in den sieben Jahren als Finanzsenator kennengelernt.

"Hamburg braucht mehr Dynamik"

Obwohl es Hamburg gut gehe, gelte es dennoch, neue Akzente in der Wirtschaftspolitik zu setzen, so Degen: „Hamburg braucht mehr Dynamik.“ Wichtigste Handlungsfelder aus Sicht der befragten Unternehmen seien Verkehr, Stadtentwicklung und Infrastruktur (von 67 Prozent genannt), Berufliche Bildung und Schule (45 Prozent) sowie Digitalisierung (42 Prozent).

„Der dringendste Handlungsbedarf besteht im Bereich der digitalen Infrastruktur“, so Degen. Es müssten zumindest alle Gewerbegebiete und der Hafen mit Glasfaser versorgt werden, damit den Betrieben ein leistungsfähiges Internet zur Verfügung stünde.

Passend dazu fordert die Kammer in einem Positionspapier, Hamburg zu einem „Leuchtturm für Digitale Bildung“ zu machen. „Digitale Kompetenz wird immer mehr zur Schlüsselqualifikation im Berufsleben und für den Erfolg für Unternehmen“, sagte Vizepräses André Mücke. „Der künftige Erfolg des Standortes Hamburg entscheidet sich also bereits in den Klassenräumen.“

Schulen brauchen gute digitale Infrastruktur

Leider sehe Deutschland auf dem Feld nur noch die „Rücklichter der führenden Nationen“ aus Skandinavien oder Estland, so Mücke. Da der Senat bereits einige richtige Weichen gestellt habe, stehe Hamburg im bundesweiten Vergleich zwar relativ gut dar, nicht aber international. Daher müsse man sich jetzt schleunigst auf den Weg machen, um wieder Anschluss zu finden.

Konkret fordert die Kammer unter anderem, dass junge Menschen sicher im Umgang mit gängigen Datenverarbeitungs- und Kommunikationsanwendungen sein müssten, dass sie Funktionsweise, Chancen und Risiken des Internets kennen, dass sei ein Grundwissen über die Funktionsweise technischer Geräte haben sowie Verständnis für die digitale Wertschöpfung.

Um das zu erreichen, bräuchten die Schulen zunächst eine vernünftige digitale Infrastruktur (leistungsfähiger Internetzugang, Laptops, Tablets). Die 3,5 Milliarden Euro aus Bundesmitteln, von denen Hamburg bis zu 120 Millionen erhalten werde, seien ein guter Anfang, so Mücke.

Schreiben von Hand weiterhin wichtig

Ferner gelte es, die Lehrpläne und Unterrichtsmethoden anzupassen und die Lehrer weiterzubilden. Ausdrücklich fordere die Kammer kein Schulfach Digitalisierung, so Mücke: „Es gibt ja auch kein Schulfach Buch.“ Vielmehr müsse je nach Fach und Thema entschieden werden, welche Lernmethode die sinnvollste ist. Schreiben von Hand sei weiterhin wichtig.

In die Entscheidungen darüber wolle die Kammer der Schulbehörde zwar nicht reinreden, sagte Mücke. „Wir stehen aber jederzeit als Resonanzraum und Sparringspartner zur Verfügung.“