Hamburg

Premiere im Schmidt: Lustiges zum Schöntrinken

Szene aus Käthe holt die Kuh vom Eis

Szene aus Käthe holt die Kuh vom Eis

Foto: Markus Danne

Komödie „Käthe holt die Kuh vom Eis“ bietet feinen Humor und Schenkelklopfer. Jetzt im Schmidt am Spielbudenplatz.

Hamburg.  „Wenn ich einmal traurig bin, trink ich einen Korn“, singt William Danne. Er ist die Sauerländer Titelheldin in „Käthe holt die Kuh vom Eis“, Dannes neuem Stück mit Musikeinlage, das er geschrieben und im Schmidt Theater inszeniert hat. Auch bei der absurden Handlung helfen ein oder zwei Lütte.

Der Hof der handfesten Bäuerin Käthe ist bankrott. Daher beherbergt sie vier Großstädter auf Urlaub: die treudoofe, von laktoseintoleranten Kindern geplagte Erzieherin Leonie (Elena Zvirbulis) sowie den Taugenichts Rascal (Evangelos Sargantzo), der halb aus dem Hipster-Film „Oh Boy“ entlehnt, halb einer Berlin-Mitte-Soap entsprungen scheint. Dazu kommen Jürgen (Johann Anzenberger), ein notgeiler Falco-Verschnitt, und Vivienne (Raphaela Groß-Fengels), eine verkappte Revuesängerin im Körper einer Insolvenzverwalterin.

Abwechselnd unterstützen und sabotieren die vier die Dreharbeiten einer veganen Version des Märchens „Rotkäppchen“, das als YouTube-Erfolg den Hof retten soll. Die Metaebene des Stücks im Stück bietet Hirnfutter, falls man bei billigen Wortwitzen („Chill mal“ wird mit „Schiel mal“ und „Code“ mit „Kot“ verwechselt) nicht auf seine Kosten kommt.

Mit Ententanz für Publikum

Die Darsteller bleiben in den engen Grenzen der Stereotypen, doch auf Angebote zum Mitmachen („Macht mal alle Mäh“) geht das Publikum geradezu enthusiastisch ein. Es erfordert etwas guten Willen, sich auch den Ententanz schönzutrinken. Dabei ist Danne eigentlich gerade da gut, wo feinerer Humor die Schenkelklopfer ablöst.

Die beiden von Christian Burkhardt komponierten Songs, „In dieser heilen Welt“ (eine Art Disney-Hymne mit Heimatfilmromantik) und „Komm zu Käthe“ (das musikalische Finale, von dem nichts haften bleibt), wirken trotz gesanglich beachtlicher Leistungen von Groß-Fengels und Zvirbulis neben den Slapstick-Einlagen blass.

Am Ende rettet das Internet den Hof. Deus ex Machina auf die moderne Art. Nach rund anderthalb Stunden Unterhaltung ist man bereit, der Welt wiederzubegegnen. Vielleicht sollte man mal ins Sauerland fahren. Scheint jedenfalls guten Schnaps zu geben.

„Käthe holt die Kuh vom Eis“ nächste Vorstellungen Mi 20.6., 19.00, Do 21.6. und 22.6., jeweils 20.00, Schmidt, Spielbudenplatz 24,/25, Karten ab 14,30: T. 31 77 88 99