Hamburg

Polizei fasst mutmaßlichen Serien-Einbrecher

Der 30-Jährige könnte 60 Taten begangen haben. Ein verlorenes Handy brachte die Ermittler auf seine Spur.

Hamburg.  Die Soko Castle heißt neuerdings LKA 19 – an der Durchschlagskraft der Anti-Einbrecher-Elite-Einheit der Polizei hat die Umwandlung in eine Dienststelle nichts geändert. Stolz melden die Ermittler jetzt ihren nächsten Coup: Sie haben einen Einbrecher gefasst, der alleine oder mit Komplizen für eine Serie von rund 60 Einbruchstaten im Stadtgebiet verantwortlich sein könnte. Am 2. Mai verhafteten sie den Verdächtigen, Muka A. (30), in seiner Wohnung am Ausschläger Billdeich (Rothenburgsort).

Auffällig: Viele der mehr als 60 Einbrüche spielten sich im näheren Umfeld von Bahnstationen ab – möglicherweise dienten S- und U-Bahnen dem Täter oder den Tätern als Fluchtmittel. Nach Angaben der Polizei kam es im März zunächst entlang der U-Bahn-Linie 1, im Bereich der Bahnhöfe Berne und Meiendorfer Weg, zu einer Häufung von Einbrüchen. „Diese wurden von den Ermittlern zu einer Serie zusammengefasst“, sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth.

Glücklicher Zufall, dass Polizei auf seine Spur kam

Es war vor allem die spezielle Begehungsweise, der Modus Operandi, der die Beamten einen Tatzusammenhang vermuten ließ. Ähnliche Fälle registrierte die Polizei sodann auch im Bereich zwischen den Stationen Trabrennbahn und Ohlstedt. Bei den Taten sei vorrangig Bargeld gestohlen worden, so Abbenseth. In vielen Fällen sei es jedoch beim Versuch geblieben.

Auch Einbrüche rund um die S-Bahnstationen Nettelnburg und Neugraben konnten die Beamten der Serie zuordnen, drei allein im Bereich Neugraben. Auf die Spur von Muka A. brachte sie schließlich ein glücklicher Zufall: Nach einem Beutezug in Neugraben verlor der 30-Jährige in der Nacht vom 16. auf den 17. April sein Handy. Damit konnten die Beamten seinen Namen und seinen Aufenthaltsort ermitteln. Als sie vor zwei Wochen Muka A. verhafteten, durchsuchten sie auch mehrere von ihm angemietete Zimmer – dabei stellten sie Beweismittel und Diebesgut sicher, unter anderem Schmuck.

Elite-Einheit verzeichnet viele Ermittlungserfolge

Zwar gilt der 30-Jährige bisher nur für zwei versuchte Einbrüche und einen vollendeten Einbruch in Neugraben als dringend tatverdächtig. Doch seit seiner Verhaftung hat es stadtweit keinen Einbruch mehr gegeben, der die Handschrift von Muka A. trägt. „Die Ermittler prüfen daher auch, inwieweit der Tatverdächtige und mögliche Mittäter gegebenenfalls für alle dieser etwa 60 Taten verantwortlich sind“, so Abbenseth weiter. Um Muka A. alle 60 Taten gerichtsfest nachzuweisen, liegt allerdings noch viel Arbeit vor den Ermittlern.

Seit drei Jahren eilt die Elite-Einheit von einem spektakulären Ermittlungserfolg zum nächsten. Im Sommer 2017 klärte sie eine Serie mit 200 Einbrüchen auf und machte eine dreiköpfige Bande dingfest. 2016 erwischte sie Arjan I, Spitzname „Die Katze“. 170 Taten ordneten ihm die Ermittler zu, 33 wies ihm das Gericht nach. Im Dezember 2017 wurde er zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Seit Gründung der Soko Castle Mitte 2015 geht die Zahl der Einbrüche in Hamburg rapide zurück. Verzeichnete die Polizei 2015 mit 9006 Taten noch einen traurigen Rekord, registrierte sie 2017 einen Rückgang um 36 Prozent auf 5769 Einbrüche.

„Der Erfolg der Soko „Castle“ setzt sich im LKA 19 fort“, sagte Frank-Martin Heise, Chef des Landeskriminalamtes. „Wir bleiben den international agierenden Einbrechern auf den Fersen.“