Wohnungsmarkt

Sternekoch verlässt Hamburg – wegen hoher Mieten

Laurin Kux erkochte im Jellyfish einen Michelin-Stern. Nun startet der Küchenchef in Münster neu durch – dort sei vieles günstiger

Laurin Kux erkochte im Jellyfish einen Michelin-Stern. Nun startet der Küchenchef in Münster neu durch – dort sei vieles günstiger

Foto: Roland Magunia

Laurin Kux arbeitet in einem der besten Restaurants der Stadt. Doch er findet für seine Familie keine bezahlbare Bleibe.

Hamburg.  Wenn Laurin Kux (27) daran denkt, wie er an zurückliegenden Wochenenden an der Elbe angeln war, wird er traurig. Denn seine Zeit in Hamburg und damit die Zeit für sein geliebtes Hobby ist abgelaufen. Der gebürtige Münsteraner kam als ambitionierter Koch in die gehobene Gastronomie, verdiente sich seine Sporen zunächst im Petit Delice, zog dann weiter nach Eimsbüttel ins Fischrestaurant Jellyfish. Und erkochte dort als Küchenchef, der er seit Beginn 2016 war, den ersten Michelin-Stern.

Alles lief bestens. Nicht nur die Karriere, auch die Familie gedieh: Zusammen mit seiner Frau bekam er drei Kinder. Und ein Problem, das viele Eltern kennen: die lange, zermürbende, meist aussichtslose Suche nach einer größeren Bleibe. „Wir wären gerne in Hamburg geblieben, aber wir finden leider keinen bezahlbaren Wohnraum für uns als fünfköpfige Familie“, sagte Kux dem Abendblatt. Bisher habe die Familie auf 68 Quadratmetern in Niendorf gelebt, wollte dort gerne wegen der Kita bleiben. „Das wird auf Dauer natürlich zu eng. Für unsere finanziellen Möglichkeiten hat sich aber in dem Stadtteil nichts Neues ergeben.“

Für Familien mit Kindern ist die Situation besonders kritisch

Er verlässt nun Hamburg und kehrt in seine Heimatstadt Münster zurück. Im dortigen Restaurant Ackermann wird Kux auch künftig als Küchenchef arbeiten, gehobene deutsche und internationale Speisen kreieren. „Die wünschen sich frischen Wind in der Küche. Ich freue mich auf die neue Aufgabe.“ „Aus familiären Gründen“, lautet die offizielle Begründung, die Jellyfish-Inhaber Hauke Neubecker bestätigt. Berufliche Differenzen oder gar Groll zwischen beiden habe es nicht gegeben.

Für Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg ist die Geschichte des Sternekochs ein weiterer Beleg dafür, wie angespannt der Hamburger Wohnungsmarkt derzeit ist: „Im Moment haben wir quasi keinen Leerstand bei Mietwohnungen. Zur gleichen Zeit stagniert die Fluktuation: Nur sechs Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger ziehen pro Jahr um. Das verknappt das Angebot zunehmend.“ Bei einem entspannten Wohnungsmarkt liege die Umzugsquote bei 15 Prozent. Für Familien mit mehreren Kindern sei die Situation besonders kritisch, da der Wohnungsbestand bei Vier- oder Fünfzimmermietwohnungen ohnehin gering sei. „Diese Wohnungen findet man fast nur in Gründerzeithäusern in Winterhude, Eppendorf, Harvestehude und Rotherbaum mit entsprechend hohen Mieten“, so Chychla.

Eine 90 Quadratmeter große Wohnung in zentraler Lage bekäme man heute nicht mehr unter 1600 Euro warm. „Heute muss man etwa 30 Prozent eines Monatsgehalts für Miete berechnen. Um solch eine Miete aufbringen zu können, müsste ein Haushalt also 5000 Euro zur Verfügung haben.“

Auch Durchschnittsverdiener von Wohnungsnot betroffen

Ein weiteres Problem bei größeren Wohnungen sei die zunehmende Verdrängung: „In einer Großstadt wie Hamburg leben viele gut verdienende Singles oder Paare, die sich die Mieten für größere Wohnungen leisten können. Diese Gutverdiener belegen Wohnraum, der sonst Familien zur Verfügung stünde.“ Eine drastische Erhöhung der Mietpreise ziehe sich aber generell durch alle Preissegmente. Dadurch seien zum ersten Mal nicht nur Geringverdiener und Sozialhilfeempfänger von der Wohnungsnot betroffen, sondern auch Durchschnitts- oder Besserverdiener wie Laurin Kux.

Hinzu komme, dass Vermieter nicht unbedingt zugunsten von Familien entscheiden. Stichwort Abnutzung: „Vermiete ich an eine Familie mit Kindern, die die Wohnung naturgemäß schneller abnutzt, oder an einen Single, der viel unterwegs ist und die Wohnung kaum nutzt?“, fragt Siegmund Chychla. Auch um eventuellen Stress mit den Nachbarn zu vermeiden, würden sich Vermieter oder Eigentümer oft gegen Familien entscheiden.

Als Familie fühlt man sich bei Vermietern nicht willkommen

Diese Erfahrung hat auch der Küchenchef gemacht. „Wir hatten nicht das Gefühl, dass wir als Familie willkommen sind. Bei einer Besichtigung eines 160 Quadratmeter großen Hauses sagte der Makler, dass das Haus viel zu klein für uns sei. Und eine Sechszimmerwohnung wurde schließlich an ein älteres Ehepaar vergeben.“ In Münster hat die Familie nun eine Neubauwohnung bezogen, die zwar etwas teurer, aber dafür auch 100 Quadratmeter größer ist als die Hamburger Wohnung. „Sie liegt fußläufig zur Kita und zu meinem Arbeitsplatz“, sagt Laurin Kux. „Vieles ist hier günstiger, von den Lebensmitteln bis zum Babysitter.“

Neuer Küchenchef im Jellyfish wird übrigens zum 1. Mai Stefan Barnhusen. Der 30-Jährige war zuletzt Sous-Chef im Gourmet-Restaurant auf Schloss Elmau in Oberbayern.