Hamburg

Untreue: Mieter zeigen Hamburgs übelsten Vermieter an

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Nico Binde
Margret Stephan ist eine Bewohnerin des Hauses Grindelallee 80. 
Seit Jahren soll sie mit Schikanen zum Auszug gedrängt werden

Margret Stephan ist eine Bewohnerin des Hauses Grindelallee 80. Seit Jahren soll sie mit Schikanen zum Auszug gedrängt werden

Foto: Michael Rauhe

Vattenfall stellt Bewohnern der Grindelallee Wärme ab. Mieterverein: Vermieter hat Zahlung unterschlagen.

Hamburg.  Keine Heizung, kein Warmwasser: Nachdem die Mieter eines Altbaus an der Grindelallee über Jahre mit Schikanen wie Buttersäure im Flur, verklebten Türschlössern oder Kothaufen vor dem Keller aus ihren Wohnungen gedrängt werden sollten, hat der Konflikt mit dem Vermieter nun eine neue Stufe erreicht. Den Bewohnern wurden ohne eigenes Verschulden das warme Wasser und die Heizungen abgedreht.

Der Mieterverein zu Hamburg wirft Sven B., dem Eigentümer der Immobilie, vor, Vorauszahlungen seiner Mieter nicht an den Versorger Vattenfall weitergeleitet, sondern veruntreut zu haben. Laut Rechtsanwalt Rolf Bosse handelt es sich um Rückstände in Höhe von knapp 23.000 Euro. „Die Mitteilung erfolgte leider, nachdem die Mieten für April fällig wurden“, so der Anwalt des Mietervereins. „So konnten die Mieten nicht statt an den Vermieter zur Abwendung der Unterbrechung der Wärmeversorgung an Vattenfall ausgezahlt werden.“ Der Mieterverein empfiehlt den Bewohnern des Hauses nun dringend, Strafanzeige wegen Untreue gegen Sven B. zu erstatten.

Wiederholt wurde gegen den Eigentümer ermittelt

Wie das Abendblatt bereits im Februar berichtete, ist es nicht das erste Mal, dass es Ärger mit dem Haus und seinem Eigentümer gibt. Mieter, Mieterverein und der Bezirk Eimsbüttel sind überzeugt, dass Vermieter Sven B. das Gebäude an der Grindelallee 80 systematisch verkommen lassen will, um es „entmietet“ für einen höheren Preis verkaufen zu können.

Schon vor Monaten wurde das Haus etwa durch den Bezirk für unbewohnbar erklärt. „Es wurden illegale Wohnungen und fehlender Brandschutz festgestellt“, so das Amt. Um die Mieter, teils seit mehr als 40 Jahren im Haus, vor dem Zwangsauszug zu schützen, wurde der Wohnraum vom Amt wieder nutzbar gemacht. Bei weiterer Untätigkeit des Vermieters wurde eine Enteignung nicht ausgeschlossen.

Beim Mieterverein zu Hamburg ist Immobilienfachwirt Sven B. kein Unbekannter. Anwalt Rolf Bosse nennt ihn „Vermieter der schlimmsten Sorte“. Nahezu ein Dutzend Häuser gehöre ihm in Hamburg. Mehrfach sei er dadurch aufgefallen, sanierungsbedürftige Häuser zu kaufen und bestehende Mietverhältnisse zu beenden. Er sei „Entmieter statt Vermieter“, so Bosse. Die Beschwerden seien dabei immer gleich: Leerstand, Verfall, fehlende Treppenhausreinigung, mangelnde Instand­setzungen und auch immer wieder: Heizungsausfälle.

Vermieter will das Haus im Mai „leer“ verkaufen

Wiederholt wurde wegen Unterschlagung, Untreue und Betrug gegen Sven B. ermittelt, bestätigte Nana Frombach von der Staatsanwaltschaft Hamburg. Erst kürzlich ließ das Finanzamt seine Mieteinnahmen pfänden. Sven B., berichten Mieter, sei zudem nur selten zu erreichen. Für Medien ist er seit Jahren gar nicht zu sprechen. Das Abendblatt hat mehrfach versucht, mit Sven B. zu reden.

Was das Haus an der Grindelallee betrifft, „ist der Eigentümer nun anscheinend auch mit den Vorauszahlungen seiner Mieter für die Wärmeversorgung nicht redlich umgegangen“, so der Mieterverein: „Wir erwarten vom Bezirk Eimsbüttel und von den Kauf­interessenten für die Immobilie, dass diese sich dafür einsetzen, dass unverzüglich wieder Wärme und Warmwasser im Gebäude vorhanden sind.“ Die Mieter müssten derzeit erneut unverschuldet unter den Versäumnissen des Vermieters leiden. „Momentan befinden sie sich im Bermudadreieck der Unzuständigkeiten“, sagt Anwalt Bosse. Weder das Amt noch Vattenfall oder der Vermieter zeigen Ambitionen, den Versorgungsengpass zu beheben.

Laut Mieterverein hat Eigentümer Sven B. unterdessen seinen Plan konkretisiert, das Haus zu verkaufen. Angeblich soll es abgerissen werden, um einem Neubau mit Studentenwohnungen Platz zu machen. Im bereits aufgesetzten Entwurf des Kaufvertrags für das Haus stehe nach Angaben des Mietervereins allerdings, dass der mögliche Kaufinteressent das Gebäude leer übernehmen werde, obwohl gültige Mietverträge für das Haus bestehen. Schon für den Mai dieses Jahres sei der Verkauf angestrebt.

Schon im Februar hatte Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins, den Bezirk Eimsbüttel dagegen aufgefordert, das Wohnraumschutz­gesetz müsse stärker ausgeschöpft werden: „Das Amt muss das Haus unter Treuhänderschaft stellen, die Mängel beheben und dem Vermieter in Rechnung stellen.“ Wer auf solch unlautere Art bestehende Mietverhältnisse zu beenden versucht, den dürfe man nicht gewähren lassen.