Hamburg

Trauerfeier für Jürgen Heuer: Scholz hält emotionale Rede

Im Michel nahmen Hunderte Trauergäste Abschied von dem NDR-Journalisten, der im Februar in Hamburg gestorben war.

Hamburg.  Er galt als ein „exzellenter Kenner des Politikgeschehens“ in der Hansestadt: Einen Monat nach dem Tod des NDR-Redakteurs Jürgen Heuer haben sich Politik, Medien und Angehörige am Freitag bei einer Trauerfeier im Hamburger Michel von den dem Fernsehjournalisten verabschiedet.

Der langjährige Chef des landespolitischen Ressorts des NDR-„Hamburg Journals“ und Vorsitzende der Landespressekonferenz war am 23. Februar nach langer Krankheit im Alter von nur 56 Jahren gestorben. Bis zuletzt hatte er gegen den Krebs gekämpft und unbeirrt seien Platz auf der Pressetribüne in der Bürgerschaft eingenommen. Als Redner bei der Trauerfeier in der Hauptkirche Sankt Michaelis waren Hamburgs früherer Bürgermeister und jetziger Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sowie NDR-Intendant Lutz Marmor.

Emotionale Rede von Olaf Scholz

„Wenn ein Mensch stirbt, der uns etwas bedeutet, dann ist es für uns immer zu früh. Aber beim Abschied von Jürgen Heuer wiegt dieses ,zu früh’ doch besonders schwer.“ Es waren zu Herzen gehende Worte, mit denen Olaf Scholz Abschied von einem großen Journalisten nahm. „Mehr als 30 Jahre waren die Anfangsmelodie des Hamburg Journals und das Gesicht von Jürgen Heuer untrennbar miteinander verbunden. Seine Berichte boten Hunderttausenden in unserer Stadt sachliche Information, Orientierung und Vertrauen“, sagte Scholz auf der Trauerfeier im Michel.

Vor mehreren Hundert Trauergästen hob Scholz vor allem Heuers Gabe hervor, die politische Lage kritisch zu analysieren, sie in wenigen klaren Worten auf den Punkt zu bringen und dabei immer fair zu blieben: „Wenn Regierungen stürzten oder Landesbanken taumelten, dann wollte man als Hamburger die schlechten Nachrichten zumindest zuerst von Jürgen Heuer erfahren“, so Scholz. „Nicht weil er die Dinge beschönigt hätte. Aber weil er das richtige Maß kannte. Weil er ein guter Journalist war.“

Heuer erlebte sechs Bürgermeister

Unter den Trauergästen waren auch der künftige Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), Hamburgs zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne), Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD), die Bundestagsabgeordnete Aydan Özoguz (SPD), der Kabarettist Eberhard Möbius, Hamburgs künftiger Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), Justizsenator Till Steffen (Grüne), Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) und Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust.

Heuer hatte seit 1997 das landespolitische Ressort des „Hamburg Journals“ geleitet, und er war 22 Jahre lang ehrenamtlicher Vorsitzender der Landespressekonferenz, dem Bindeglied zwischen Hamburgs Rathausjournalisten und der Politik. Er erlebte sechs Bürgermeister. Aus der Bürgerschaft berichtete er auch in Live-Einblendungen von seinem „Balkon“ aus, wie Kollegen seinen Stammplatz nannten. Er galt als sachlicher, intelligenter Fragesteller und verstand sich in erster Linie als Politikerklärer.