Hamburg

Rot-Grün sucht gemeinsamen Bezirksamtsleiter-Kandidaten

 Im Rennen: Dorothee Martin (SPD)

Im Rennen: Dorothee Martin (SPD)

Foto: Roland Magunia

Vermutlich im April wird sich entscheiden, wer neuer Verwaltungschef in Hamburg-Nord wird. Bislang sind vier Bewerber bekannt.

Hamburg.  13 Bewerbungen für den Posten des Bezirksamtsleiters in Hamburg-Nord sind eingegangen. Am Freitag trafen sich die Fraktionsvorsitzenden der Bezirksversammlung in der Finanzbehörde, um die Umschläge zu öffnen und eine Vorauswahl zu treffen. Details waren nicht zu erfahren.

Dennoch sind schon einige Bewerbernamen auf dem Markt. Zwei Frauen von der SPD, Dorothee Martin und Yvonne Nische, das CDU-Bezirksversammlungsmitglied Bernd Kroll und die FDP-Politikerin Petra Wichmann-Reiß haben ihre Hüte bereits in den Ring geworfen. Am Ende entscheidet die Bezirksversammlung, wer Nachfolger von Harald Rösler wird. Der Bezirksamtsleiter geht im Juni in den Ruhestand. Der neue Chef des Amts mit 1200 Beschäftigten wird vermutlich im April gewählt. Die rot-grüne Koalition in der Bezirksversammlung will sich zuvor auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen.

Abstimmung mit Grünen

„Natürlich stimmen wir uns mit den Grünen ab, das ist schließlich unser Koalitionspartner“, sagt Thomas Domres, der Chef der SPD-Fraktion. Sie hat 17 Sitze und ist damit größte Fraktion in der Bezirksversammlung. Mit je elf Sitzen folgen gleichauf die CDU-Fraktion und die Fraktion der Grünen. Auch dessen Chef, Michael Werner-Boelz, rechnet mit einer Einigung mit der SPD in der Kandidatenfrage. Zu einzelnen Namen will er noch keine Stellung nehmen. „Schließlich weiß ich noch gar nicht, wer sich alles für den Posten bewirbt“, sagt er.

Klar ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse, dass SPD und Grüne alle Karten in der Hand haben. Gemeinsam kommen sie in der 51 Mitglieder starken Bezirksversammlung auf 28 Sitze. Insofern dürften Kandidaten mit rotem oder grünem Parteibuch die besten Aussichten haben. Also beispielsweise Dorothee Martin. Die Bürgerschaftsabgeordnete der SPD kommt aus dem Bezirk. „Sie ist eine Nette“, sagt der SPD-Fraktionschef Domres über sie.

Ob das reicht, ist eine andere Frage. Dorothee Martin war zuletzt in der Immobilienwirtschaft tätig. Im Bezirksamt müsste sie eine Verwaltung mit rund 1200 Mitarbeitern führen. In der Stellenausschreibung heißt es: „Sie haben langjährige Erfahrung in der Führung größerer Personalkörper und Erfahrung mit komplexen Führungsanforderungen.“

Die Amtszeit beginnt am 1. Juli

Eine Voraussetzung, die von den anderen bisher bekannten Bewerbern wohl am ehesten Yvonne Nische erfüllt. Sie leitet derzeit das Dezernat Soziales, Jugend und Gesundheit im Bezirksamt, eines von vier Dezernaten der Behörde. Sie kommt also aus dem Haus und ist SPD-Mitglied, hätte also auch das richtige Parteibuch.

Bernd Kroll (CDU), Mitglied der Bezirksversammlung seit 2015, kandidiert, weil er „weiß, was sich ändern muss“. Kroll war lange als Verlagsleiter bei verschiedenen Unternehmen tätig, zuletzt beim Deutschen Sparkassenverlag in Stuttgart.

Petra Wichmann-Reiß, die FDP-Kandidatin, hat vermutlich die geringsten Chancen. Zum einen hat die zweiköpfige FDP-Fraktion wenig Einfluss in der Bezirksversammlung. Zum anderen fehlt auch ihr die Führungserfahrung. Die Medizinrechtlerin hat an verschiedenen Hamburger Krankenhäusern, in der juristischen Fakultät der Universität und in der Baubehörde gearbeitet.

Grundgehalt liegt bei 8100 Euro

Die Amtszeit des neuen Bezirksamtsleiter beginnt am 1. Juli. Er wird für sechs Jahre gewählt. Das Grundgehalt liegt bei 8100 Euro. Durchaus ein Argument, um sich um die Stelle zu bewerben. 13 potenzielle Bezirksamtsleiter haben es getan.