St. Georg

Neue Pläne für den Hamburger Hauptbahnhof

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Ulrich Gaßdorf
Auf der Fläche über dem Gleis 14 soll das Mehrzweckgebäude errichtet werden

Auf der Fläche über dem Gleis 14 soll das Mehrzweckgebäude errichtet werden

Foto: Klaus Bodig / HA

Bike+Ride-Station mit bis zu 700 Stellplätzen und die Bahnhofsmission sollen in Gebäude über dem Gleis 14 einziehen.

Hamburg.  Der Hauptbahnhof platzt aus allen Nähten. Pro Tag sind hier rund 550.000 Menschen unterwegs. Der Senat und die Deutsche Bahn (DB) sind sich deshalb einig, dass die Kapazitäten dringend erweitert werden müssen. Ende 2018 soll nach Abendblatt-Informationen eine Machbarkeitsstudie für die Erweiterung des Hauptbahnhofs vorliegen. Dann sollen auch die Kosten feststehen. Allerdings müssen sich die Stadt und die DB darüber einigen, wer wie viel Geld bezahlt.

Doch die rot-grüne Koalition bringt bereits am 31. Januar einen Antrag in die Bürgerschaft ein, der sich mit einem Bauvorhaben am Hauptbahnhof beschäftigt und der dem Abendblatt vorliegt: Denn schon jetzt steht fest, dass die DB den sogenannten Langbau der Bahnhofshalle zum Glockengießerwall hin umbauen wird. Dort ist noch die Bahnhofsmission untergebracht, die dann einen neuen Standort benötigt.

Hauptbahnhof ist Anlaufpunkt für Pendler

In dem Antrag wird gefordert, dass ein Mehrzweckgebäude „auf der Überdeckelung von Gleis 14, zwischen der Wandelhalle und der Ernst-Merck-Brücke“ errichtet werden soll. Dort sollen die Bahnhofsmission untergebracht werden und ein Sanitätsbereich mit Toiletten­ sowie Waschräume und Duschen gebaut werden. Außerdem soll in dem neuen Haus eine Bike+Ride-Station mit Abstellplätzen für bis zu 700 Fahrrädern und weiteren Dienstleistungen rund um das Fahrrad realisiert werden.

„An vielen Stellen sieht man bereits die Fortschritte bei der Entwicklung Hamburgs zur Fahrradstadt. Anlaufpunkt für alle Pendler ist der Hauptbahnhof. Es ist richtig und gleichzeitig überfällig, wenn dort endlich eine Bike+Ride-Station mit fahrradspezifischen Dienstleistungen errichtet wird“, sagte Grünen-Verkehrsexperte Martin Bill. Denkbar wäre, dass dort Fahrräder ausgeliehen oder zur Reparatur gebracht werden könnten, so Bill weiter.

Bahnhofsmission erweitern

Der Radverkehrsexperte der SPD-Fraktion, Lars Pochnicht, sagte: „Mit einer Bike+Ride-Station verbessern wir die Verkehrssituation am Hauptbahnhof. Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad und benötigen gute und sichere Abstellmöglichkeiten.“ Die Fläche zwischen Wandelhalle und Ernst-Merck-Brücke sei für eine Bike+Ride-Station ein sehr guter Standort.

Zu der Verlagerung der Bahnhofsmission sagte die SPD-Abgeordnete Hendrikje Blandow-Schlegel, Mitglied im Sozialausschuss: „Der Hauptbahnhof ist seit jeher auch ein Kristallisationspunkt für Menschen mit sozialen Pro­blemen. Es ist deshalb gut, dass mit den Plänen am Hauptbahnhof auch eine Erweiterung des räumlichen Angebots der Bahnhofsmission verbunden sein wird.“

Zahlreiche Maßnahmen

Bereits seit vergangenem Jahr werden unter Federführung des Bezirksamts Mitte zahlreiche Maßnahmen zur Aufwertung des Bahnhofsumfelds umgesetzt: Der Fußweg an der Kirchenallee wurde teilweise verbreitert. Es wird öfter gereinigt, die Beleuchtung wurde verbessert. Außerdem werden aktuell die Parkplätze auf dem Hachmannplatz neu angeordnet, und es entstehen Ladeplätze für Elektroautos sowie Behindertenstellplätze.

Im Sommer wird der Heidi-Kabel-Platz vor dem Hauptbahnhof umgebaut (wir berichteten). Dort soll eine zentrale Gepäckannahme für Kreuzfahrtgäste entstehen, außerdem werden die Taxistände neu angeordnet und Fahrrad­­abstellanlagen gebaut: „Der Hauptbahnhof ist eine Visitenkarte für die Stadt. Wir gestalten nun das Umfeld attraktiver, und davon profitieren die Reisenden und die Hamburger“, sagte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD). Aber es bestehe natürlich auch dringend der Bedarf für eine Erweiterung des Hauptbahnhofs, weil der Platz für die mehr als eine halbe Million Menschen pro Tag, kaum noch ausreiche, so Droßmann weiter.

Kapazitätsgrenzen überschritten

Der Hauptbahnhof habe seine Kapazitätsgrenzen überschritten, sagte Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD) dem Abendblatt. Um seine Leistungsfähigkeit langfristig zu gewährleisten, bestehe dringender Handlungs­bedarf, so Rieckhof weiter. Im Zuge der Machbarkeitsstudie werden mehrere Optionen für die Erweiterung des Hauptbahnhofs untersucht: Dazu gehört die Verlängerung der Bahnhofshalle nach Süden über die Steintorbrücke, die überdacht werden könnte.

Das heißt, hier würde ein neues Bauwerk errichtet mit Zu- und Abgängen zu den Bahnsteigen – das würde die Besucherströme entzerren. Auch eine Öffnung des Südstegs ist Teil der Untersuchungen. Wahrscheinlich ist, dass die Brücke dann nur noch für Busse genutzt werden würde. Eine weitere Option ist der Abriss des DB-Verwaltungsgebäudes am Hachmannplatz und ein Neubau an dem Standort.

Situation verschärft sich immer weiter

Der CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering kritisierte: „Die Situation am Hauptbahnhof verschärft sich immer weiter. Es wurde bisher viel geredet, aber Taten sind SPD und Grüne bislang schuldig geblieben. Die zahlreichen Maßnahmen, wie ein zusätzliches Bahngleis oder die Öffnung des Südstegs, müssen jetzt endlich umgesetzt werden.“

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