Studie

Ausbau und Abriss – Hamburgs Pläne für den Hauptbahnhof

Der Hamburger Hauptbahnhof

Der Hamburger Hauptbahnhof

Foto: Imago

Das Gebäude hat seine Kapazitätsgrenze erreicht. Nun haben Stadt und Deutsche Bahn eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Die Deutsche Bahn (DB) und die Stadt Hamburg haben nach Abendblatt-Informationen gemeinsam eine Machbarkeitsstudie für die Erweiterung des Hauptbahnhofs in Auftrag gegeben. Das Gebäude hat mit rund 513.000 Besuchern täglich – so das Ergebnis der aktuellen „Personenstromanalyse“ der Deutschen Bahn – seine Kapazitätsgrenze erreicht. „Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf, um die Leistungsfähigkeit des Hauptbahnhofs langfristig zu gewährleisten“, sagte Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) dem Abendblatt.

Das sieht Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis ähnlich: „Die Bahn und die Stadt sind sich darüber einig, dass eine Erweiterung des Hauptbahnhofs notwendig ist. Der erste wichtige Schritt ist die Machbarkeitsstudie.“

Mehrere Varianten sollen geprüft werden

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, die Kosten von rund einer Million Euro teilen sich DB und die Stadt, sollen bis Sommer 2018 vorliegen und als Vorlage für weitere Planungen dienen.

In der Machbarkeitsstudie soll untersucht werden, ob folgende Optionen realisierbar sind: die Verlängerung der Bahnhofshalle nach Süden über die Steintorbrücke, die überdacht werden könnte, hinaus. Das heißt, hier würde ein neues Bauwerk errichtet mit Zu- und Abgängen zu den Bahnsteigen – das würde die Besucherströme entzerren. Auch eine Öffnung des Südstegs ist Teil der Untersuchungen. Wahrscheinlich ist, dass die Brücke dann nur noch für Busse genutzt werden würde. Der seitliche Langbau am Hachmannplatz könnte erweitert werden.

Eine weitere Option ist der Abriss des DB-Verwaltungsgebäudes am Hachmannplatz und ein Neubau an dem Standort. Erweiterungspotenzial sehen DB und Stadt auch an der Nordseite im Anschluss an die Wandelhalle: Auch hier wären zwei Neubauten möglich und eine Teilüberbauung der Gleise zwischen Wandelhalle und der Ernst-Merck-Brücke. Wer die Kosten für eine mögliche Erweiterung übernimmt, darüber haben sich die Stadt und die DB noch nicht geeinigt. Dem Vernehmen nach sieht die Stadt aber die DB in der Pflicht, die Kosten zu übernehmen.

Verkehrsführung soll geändert werden

Auch die Verkehrsführung rund um den Hauptbahnhof soll geändert werden. Dazu hatte die Stadt ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem die Verkehrsströme analysiert werden sollen. Die Ergebnisse sollen im März vorliegen und im April der Bürgerschaft präsentiert werden.

Der Hauptbahnhof ist seit seinem Bau der wichtigste Verkehrsknotenpunkt der Stadt: Dort verkehren auf 14 Gleisen pro Tag rund 800 Nah- und Fernverkehrszüge und etwa 1200 S-Bahnen. Mit einer Frequenz von 513.000 Besuchern pro Tag nimmt der Hauptbahnhof den zweiten Platz in Europa nach dem Gare du Nord in Paris ein.

Dass der Hauptbahnhof dringend erweitert werden muss, darüber sind sich nicht nur Deutsche Bahn und die Stadt, sondern auch die Politik einig. Allerdings geht es der CDU zu langsam: „Der Hauptbahnhof platzt aus allen Nähten. Leider haben SPD und Grüne ausgerechnet die seit Langem diskutierte Kapazitätserweiterung des Hauptbahnhofs über Jahre aufs politische Abstellgleis rangiert“, sagte Verkehrsexperte Dennis Thering dem Abendblatt.

Termine bei bisherigen Studien nicht eingehalten

Sowohl die für das Frühjahr 2016 versprochene Personenstromanalyse als auch die für Herbst 2016 versprochene Untersuchung zum verkehrlichen Umfeld des Hauptbahnhofs seien der Politik bislang nicht vorgelegt worden. Dazu Susanne Meinecke, Sprecherin der Verkehrsbehörde: „Es ist bei solch einem komplexen Großprojekt leider nicht zu verhindern, dass gewisse Zeitabläufe nicht exakt eingehalten werden können.“

Allerdings ist CDU-Politiker Thering skeptisch, dass die Ergebnisse nun tatsächlich im April den Abgeordneten präsentiert werden: „Ich bin gespannt, ob das tatsächlich passiert.“ Dass nun eine Machbarkeitsanalyse in Auftrag gegeben wurde, begrüßt Thering: „Das ist ja wenigstens ein Anfang. Aber wichtig ist, dass nun auf das Tempo gedrückt wird und schnelle Ergebnisse geliefert werden. Spätestens 2018 muss mit der Umsetzung erster Baumaßnahmen begonnen werden.“

Auch der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter, Vorsitzender des Verkehrsausschusses, will Ergebnisse sehen: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit, auch was die Erweiterung des Hauptbahnhofs, der zentralen Mobilitätsdrehscheibe der Stadt, angeht. Aber wir haben auch keine Zeit mehr zu verlieren.“ Buschhüter: „Deshalb erwarte ich, dass die Deutsche Bahn absehbar einen belastbaren Zeitplan vorlegt, mit welcher zeitlichen Perspektive Schritt für Schritt die Kapazitätserhöhung des Hauptbahnhofs erfolgen soll.“ Allerdings gibt es noch keinen Zeitplan, den könne es erst geben, wenn die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorliegen, sagte Bahn-Sprecher Meyer-Lovis.